Homeoffice hat auch Grenzen

Vater mit Tochter im Homeoffice – so sieht es zurzeit in vielen Familien aus. Heimarbeit ist ein Beitrag zur Eindämmung der Corona-Pandemie.
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Vater mit Tochter im Homeoffice – so sieht es zurzeit in vielen Familien aus. Heimarbeit ist ein Beitrag zur Eindämmung der Corona-Pandemie.

Der Appell aus Berlin ist mehr als deutlich: Arbeitgeber sollen Homeoffice ermöglichen, überall dort, wo es machbar ist. Es geht dabei um einen Beitrag zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Angesprochen sind auch die öffentlichen Verwaltungen. Die Umsetzung dort hat aber Grenzen und ist nur bedingt möglich.

Rotenburg – „Der Wechsel ins Homeoffice ist in weiten Teilen nicht ohne Weiteres möglich. Wir müssen einige Zuständigkeiten ändern, sodass auf einigen Dienstposten tatsächlich nur noch Arbeiten liegen, die fast vollständig elektronisch erledigt werden können.“ Das erklärt Arne Homfeldt als Leiter des Rotenburger Finanzamtes. Dort sind 140 Mitarbeiter beschäftigt. Man habe neun zusätzliche Möglichkeiten für das Homeoffice geschaffen.

„Dabei handelt es sich um einen neu eingerichteten festen und dauerhaften Telearbeitsplatz sowie acht zusätzlich ausgegebene Laptops, um bei Bedarf flexibel ins sogenannte Mobile Working wechseln zu können“, so Homfeldt weiter. Hinzu kämen die Betriebsprüfer, denen auf Antrag ein Heimarbeitsplatz für gewisse Arbeiten im Rahmen einer Außenprüfung bewilligt werden könne. Der Finanzamt-Chef: „Der Außendienst befindet sich derzeit fast vollständig im Modus Heimarbeit, um für den Innendienst die Möglichkeit zu schaffen, in Einzelbüros zu arbeiten.“

Die bewilligten Heimarbeitsplätze bleiben unabhängig von der Pandemie bestehen, und der Telearbeitsplatz wird auch erhalten bleiben, teilt er mit. Die Beschaffung der Technik gestalte sich bisweilen jedoch schwierig.

Für Mitarbeiter, die noch vermehrt auf die Akten aus Papier angewiesen sind, käme das Arbeiten von zu Hause aus nicht infrage. Und das, so Homfeldt, sei die überwiegende Mehrheit der Kollegen. Dem Außendienst gefalle das Homeoffice grundsätzlich gut, der Innendienst sei da zurückhaltender. „Es fehlt das soziale Arbeitsumfeld.“

Eine Offensive sei nicht vom Finanzamt selbst ausgegangen. Im Rahmen der eigenen Möglichkeiten sei man bereits in Vorleistung getreten. Fast alle Kollegen im Finanzamt sitzen inzwischen in Einzelzimmern mit einem stringenten Hygienekonzept im Amt selbst, und die Anreise erfolgt nicht mit dem ÖPNV – anders als es in Ballungszentren der Fall ist, so Homfeldt. „Die Gefahr einer Ansteckung auf dem Weg zur oder bei der Arbeit ist deshalb äußerst gering.“

Der Landkreis Rotenburg beschäftigt rund 1 050 Mitarbeiter. „Wir haben geprüft, bei wie vielen der Arbeitsplätze insgesamt theoretisch auch per Homeoffice gearbeitet werden könnte“, berichtet Landkreis-Sprecherin Christine Huchzermeier. Das wäre bei etwa 800 Plätzen der Fall. Die Einschränkungen durch die Pandemie zeigten sich in der Verwaltung dadurch, dass persönliche Termine nur eingeschränkt und nach Termin möglich sind. „Durch das Thema Homeoffice können viele Dienstleistungen aber im üblichen Umfang erledigt werden“, fügt sie hinzu. Gewisse Dienstleistungen, wie die Kfz-Zulassung, Sozial- und Jugendhilfe oder die Ausländerbehörde, müssten auch weiterhin persönlich zugänglich bleiben.

Zurzeit bestünden Engpässe bei der Bereitstellung der Technik, sodass maximal etwa 300 Homeofficeplätze genutzt werden. „Das sind 37,5 Prozent der gesamten Plätze“, so Huchzermeier. Der Landkreis verfolge das Thema aber weiterhin, die Technik für 75 weitere Homeofficeplätze sei schon bestellt, und man hoffe, dass dann bei Lieferung diese schon bald genutzt werden kann, sodass der Landkreis dann rund 47 Prozent, also fast die Hälfte der Arbeitsplätze, für das Homeoffice nutzen kann.

Für die Zeit nach dem Ende der Pandemie sei geplant, eine Auswertung des Homeoffices vorzunehmen. Die gesammelten Erfahrungen sollen dann in die Digitalisierungsstrategie einfließen. Der Landkreis will das Thema aktiv weiter entwickeln, um ein attraktiver und moderner Arbeitgeber zu sein. Schon vor der Pandemie seien etwa 60 Beschäftigte im Rahmen von Homeoffice-Vereinbarungen für einen Teil ihrer Arbeitszeit von zu Hause aus tätig gewesen.

„Natürlich hat Homeoffice auch bei uns durch Corona einen neuen Stellenwert bekommen. Deutlich weitergehende Schritte als bisher halte ich vor dem Hintergrund des Pandemiegeschehens in unserem Landkreis weder für erforderlich noch für sinnvoll, wenn wir unsere Aufgaben als bürgerfreundliche Kommunalverwaltung erfüllen wollen“, wird Landrat Hermann Luttmann auf Anfrage in einer Mitteilung an unsere Redaktion zitiert.

Von den etwa 120 Mitarbeitern der Rotenburger Stadtverwaltung im Rathaus, im Kantor-Helmke-Haus sowie im Jugendzentrum haben 24 die Möglichkeit zum Homeoffice wahrgenommen, teilt Uwe Radtke als Leiter des Hauptamtes mit. „Technisch ist es unproblematisch. Derzeit gibt es aber Lieferengpässe für Laptops. Organisatorisch ist es die größere Herausforderung, weil Arbeitsabläufe und Aufgaben sinnvoll koordiniert werden müssen.“

Der Hauptamtsleiter gibt zu bedenken, dass es eben auch Kollegen gibt, für die das Homeoffice gar nicht infrage kommt: „Arbeitsplätze, die Kundenverkehr beinhalten – zum Beispiel im Einwohnermeldeamt, Standesamt und in der Stadtkasse“ seien nicht dafür geeignet.

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