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Höhere Bustaktung im Landkreis Rotenburg

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Von: Andreas Schultz

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Bahnschwellen auf einem Waggon, im Hintergrund ein Schild mit Aufschrift Rotenburg
Hat der Landkreis bei all seinen Zielen des neuen Nahverkehrsplans Erfolg, steht alsbald der Schwellenwagen des großen Gleisumbauzugs wieder in Rotenburg. Denn auch Bemühungen um die Reaktivierung alter Bahnstrecken sind Teil des Programms. © Schultz

Mehr Schiene, bessere Taktung der Busverbindungen: Nur zwei Ziele des neuen Nahverkehrsplans, den der Landkreis Rotenburg bis Ende des Jahres auflegen wird.

Rotenburg – „Mobilitätswende“ ist das Stichwort, das Frank Wiesner an diesem Dienstagnachmittag mehrmals in den Raum wirft. Der Verkehrsplaner von der Verkehrsgesellschaft Nord-Ost-Niedersachsen mbH (VNO) erklärt den Mitgliedern des Ausschusses für Wirtschaft und Verkehr im Rotenburger Kreishaus, wohin die Reise mit dem neuen Nahverkehrsplan gehen wird.

Im Kern geht es um eine höhere Taktung auf etablierten Linien – oder zumindest den Erhalt des Erreichten im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), wo ersteres nicht machbar oder sinnvoll erscheint. Heißt: mehr Fahrten, mehr Bus, mehr Schiene.

Tendenz steigend: Mehr Pendlerverkehr

Das Hauptaugenmerk im Nahverkehrsplan des Landkreises liegt zwar auf dem Schülerverkehr, aber auch dass Pendler an ihren Arbeitsplatz kommen, spielt eine Rolle, wenn auch vergleichsweise eine untergeordnete. Laut Plan zieht es 25 696 Arbeitnehmer regelmäßig von ihrem Wohnort im Kreisgebiet in einen anderen Landkreis, mit Einpendlern 40 800, davon rund 10 000 aus/in Richtung Bremen und Hamburg. In allen Fällen: Tendenz steigend, der Zuwachs dieser Gruppe beträgt 14,9 Prozent in den vergangenen sechs Jahren.

Dabei ist das Hauptgeschäft des Landkreises im ÖPNV eher die Straße. Dennoch kann er gerade in der jüngeren Vergangenheit auf Erfolge zurückblicken, die insbesondere Großstadtpendler erfreut haben dürfte – nämlich solche, die es regelmäßig per Zug nach Hamburg zieht. Die teilweise Einführung des HVV-Tarifs im Kreisgebiet gehört dazu, um die nicht nur in den Rathäusern der Kommunen, sondern auch im Kreishaus gerungen wurde. Dass es so kam, ist nicht zuletzt auch eines der Ziele des Nahverkehrsplans 2018 bis 2022 gewesen.

Mit dem neuen Plan, Auflage 2023 bis einschließlich 2027, setzt der Kreis nun wieder „die Leitplanken, in denen sich die Angebote bewegen“, wie Frank Wiesner gegenüber den Ausschussmitgliedern erklärt. Die Ausgestaltung und Finanzierung des ÖPNV obliegt schließlich dem Kreis.

Seine oberste Priorität: die Sicherstellung des Schülerverkehrs. Kein Wunder, macht diese Personengruppe laut Wiesner außerhalb der Ferien doch rund 80 bis 90 Prozent der Fahrgäste aus. Der Rest setzt sich aus Berufs- und Freizeitverkehr sowie aus Besorgungsfahrten zusammen. Zur Grundversorgung der Orte im Landkreis mit öffentlichem Nahverkehr lässt sich schon mal so viel sagen: „Alle Orte ab 200 Einwohnern sind angestöpselt“, erklärt Wiesner, nur um gleich wieder einzuschränken, dass die Anbindung hier und dort nur über den Schülerverkehr gewährleistet ist.

Eines der Hauptziele des Nahverkehrsplans ist nun der Ausbau der Hauptlinien, die Grund- und Mittelzentren mit Mittel- beziehungsweise Oberzentren verbinden. Zwischen 6 und 20 Uhr soll es mindestens alle zwei Stunden eine Fahrt geben, auch um „aufkommensstarke Pendlerbeziehungen zu bedienen“, wie es im Beamtendeutsch des Dokuments heißt. Zu Hauptverkehrszeiten soll es in die Hauptlast-richtung montags bis freitags einen Stundentakt geben, samstags immerhin sechs Fahrtenpaare (Hin- und Rückfahrt), an Sonn- und Feiertagen drei. Neben einer Handvoll Bahnlinien, zum Beispiel die RB76 Rotenburg-Verden, erfüllt auch schon eine Buslinie diesen Standard: die 630 zwischen Heeslingen, Zeven, Tarmstedt und Bremen. In Angriff nehmen will der Landkreis unter anderem die Buslinie 800 zwischen Selsingen, Zeven, Elsdorf und Rotenburg und die 880 zwischen Rotenburg, Bothel, Wittorf, Visselhövede und Jeddingen. Dafür sollen neue Abfahrts- und Ankunftszeiten sowie zusätzliche Fahrtenpaare sorgen.

Was die Einführung des Stundentakts angeht, müssten wir erst ausrechnen, was das kostet. Erstrebenswert ist es aber auf jeden Fall.

Dr. Torsten Lühring

Was die Einführung des jeweiligen Stundentakts nun tatsächlich kosten dürfte, darüber kann Erster Kreisrat Dr. Torsten Lühring noch keine Auskunft geben. „Erstrebenswert ist das aber auf jeden Fall“, ist er sicher. Davon ist auch Wiesner überzeugt. Da es jedoch auch in der Personenbeförderung einen Fachkräftemangel gebe, müsse man erst mal schauen, was in Sachen Stundentakt überhaupt umsetzbar wäre.

„Wir haben unter der Woche schon ein ganz attraktives Angebot“, fasst Wiesner zu den Hauptlinien zusammen. Und auch bei der Erreichbarkeit von Ober- und Mittelzentren habe sich schon viel getan, die sei „nicht mehr dramatisch schlecht“. Und: „Es ist immer ein Angebot da. Auch wenn man mal anrufen muss“, spielt der Verkehrsplaner auf Projekte wie das Anrufsammeltaxi (AST) „Astrow“ an. Dennoch sind Verbesserungen zwischen Grund- und Mittelzentren sowie größeren Orten angedacht, einerseits in der Erreichbarkeit über AST oder Bürgerbusse, andererseits in der Reisezeit: zum Beispiel Hassendorf-Rotenburg oder Jeersdorf-Rotenburg. Auch der Verkehr zu Berufsschulen werde ein größeres Thema, meint Wiesner.

Und auch der vollständige HVV-Beitritt bleibt weiter Diskussionsgegenstand. Denn für den vollständigen HVV-Tarif auf den Bahnstrecken fehlen damit noch die Bahnhöfe Rotenburg, Sottrum und Visselhövede. Der Landkreis will vor diesem Hintergrund prüfen, ob auch für den gesamten Busverkehr innerhalb des Landkreises der Tarif des Hamburger Verkehrsverbunds eingeführt werden kann.

Wir haben unter der Woche schon ein ganz attraktives Angebot.

Frank Wiesner zu den Hauptlinien im Busverkehr des Landkreises

Außerdem verschreibt sich der Landkreis der Weiterentwicklung des VBN- und des ROW-Tarifs, will an der Weiterentwicklung des Niedersachsentarifs auf den Bahnstrecken in Richtung VBN werkeln und mehr Barrierefreiheit bei Haltestellen und Fahrzeugen bewirken. Und vieles mehr, auch vom Einsatz für die Reaktivierung der Bahnstrecken Bremervörde – Zeven – Rotenburg und Zeven – Tostedt für den Personenverkehr ist die Rede, wenngleich der Schienenpersonennahverkehr nicht in die Verantwortung des Landkreises fällt. Wer sich die hinteren 33 Seiten des 117 Seiten starken Dokuments anschaut, stellt fest: Es gibt viel zu tun. Ziele gibt es zumindest genug. Neue Linien wird es in den kommenden fünf Jahren allerdings voraussichtlich nicht geben. Die würden alle zehn Jahre ausgeschrieben – bei der aktuellen Neuauflage handele es sich also eher um eine Art „Zwischenplan“, wie Lühring erklärt.

Der einstimmig vom Ausschuss empfohlene Entwurf des Nahverkehrsplans geht nun in die öffentliche Beteiligung. Einen Beschluss erwartet die VNO im Dezember.

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