Feiern mit Einschränkungen

Heiraten mit Maske: Brautpaare müssen eigene Hochzeit an Corona-Regeln anpassen - Dienstleister leiden besonders

Standesamtlich und mit Maske heirateten Daniela und Vincent Ritsche am 24. April 2020. Sie sind eines von vielen Paaren, die sich trotz der Krise trauen.
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Standesamtlich und mit Maske heirateten Daniela und Vincent Ritsche am 24. April 2020. Sie sind eines von vielen Paaren, die sich trotz der Krise trauen.

Rotenburg – 2020 ist für viele Brautpaare ein tolles Jahr zum Heiraten. Vieles war geplant, vorbereitet, organisiert; die künftigen Eheleute, ihre Freunde und Familien in gespannter Erwartung. Doch dann kam das Coronavirus und mit dem Lockdown änderten sich auch die Pläne für Brautpaare und Dienstleister, die mit den schönsten Tag im Leben in Zusammenhang stehen.

Zu Letzteren gehört Standesbeamtin Daniela Wübbena. Sie ist in der Samtgemeinde Bothel für Eheschließungen zuständig. In den vergangenen Wochen haben einige ihre standesamtliche Trauung abgesagt oder verschoben, andere wollten wiederum erst recht heiraten. Sonst haben im Trauzimmer des Rathauses etwa 20 Personen Platz, in der Wassermühle in Federlohmühlen 25 Personen. „Mitunter waren auch sehr viel mehr Gäste dort“, so die Rotenburgerin. Während des Lockdowns durften sich die Brautpaare aber nur allein vor ihr das Ja-Wort geben. Mit den ersten Lockerungen konnten wieder Gäste der Zeremonie beiwohnen. Mittlerweile finden Eheschließungen ohne Mundschutz oder Trennscheibe im Rathaus mit zehn, in der Wassermühle mit zwölf Personen statt. „Es sind ganz besondere Trauungen, als wäre jedem bewusst geworden, was wirklich zählt. Die Brautpaare rücken noch enger zusammen. Es ist derzeit eine ganz andere Atmosphäre im Trauzimmer“, sagt Wübbena.

Auch Merle Staufenbiel möchte dieses Jahr heiraten. „Wir haben bis zum Schluss an dem Termin festgehalten, leider mussten wir uns dann eingestehen, dass es keinen Sinn macht“, erinnert sie sich. Die 28-Jährige wohnt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Rotenburg. Das Brautpaar gab sich 2019 standesamtlich das Ja-Wort. Im Mai sollte ihre kirchliche Feier stattfinden, fünf Wochen vorher musste alles abgesagt werden. Ihre Feier wurde in den Herbst verschoben. Mit dem Pastor, der Location und dem Caterer war das kein Problem, dabei sind keine weiteren Kosten entstanden. Der DJ hat an dem neuen Datum aber bereits einen Auftritt, die Anzahlung wurde nicht erstattet. Das Brautpaar entschied sich für jemand anderen. Ihr Hochzeitskleid kaufte die Rotenburgerin im November 2019, im Februar wurde es abgesteckt. Die finale Anprobe im April fiel aus. Das Kleid bleibt nun bis zum Herbst im Brautgeschäft. „Das Schlimmste war, das man fünf Wochen vorher alles absagen musste. Wir waren schon in der Hochzeitsstimmung, die Vorfreude war riesig, das war schon enttäuschend“, erzählt Staufenbiel.

Christina Cornelsen und ihr Mann wollen im Herbst heiraten. Sie haben sich 2019 standesamtlich getraut. Mit dem Brautpaar werden 85  Personen feiern. Zurzeit sind Feierlichkeiten mit 250 Personen draußen und mit 50 Personen auf dem Saal möglich. Die freie Trauung findet auf einer Holzterrasse am See statt. Das Brautpaar hätte die Möglichkeit, seine Feier ins Freie zu verlegen. Die Braut kaufte ihr Kleid im vergangenen November, im April probierte sie es erneut unter Vorsichtsmaßnahmen an. „Wir hätten die Möglichkeit, die Hochzeit auf nächstes oder übernächstes Jahr zu verschieben, aber daran wollen wir gar nicht denken“, so die Mulmshornerin.

Für Julia Rudat steht ebenfalls fest: Sie und ihr Verlobter werden im Herbst heiraten. Das Brautpaar wohnt in Hamburg und will sich in Schleswig-Holstein das Ja-Wort geben. Während der Krise bestellte die gebürtige Wittorferin Brautkleider zur Auswahl über das Internet, es war jedoch nichts passendes dabei. „In der ersten Woche, als die Geschäfte wieder aufmachen durften, habe ich mir mein Brautkleid gekauft“, erzählt die 32- Jährige. Ihre Begleitperson zog Rudat das Kleid an, die Angestellten durften das nicht. Die standesamtliche Trauung findet direkt am Strand statt, der Mindestabstand kann so problemlos eingehalten werden. Zur Feier sind 50 Personen eingeladen. Ein DJ sorgt für die Musik, aktuell darf aber nicht getanzt werden. „Noch nicht einmal der Eröffnungstanz“, sagt die Braut enttäuscht. Beide hoffen nun auf weitere Lockerungen.

Aber auch für Dienstleister ist es eine schwierige Zeit. Vanessa Rosenbrock begleitet Brautpaare mit ihrer Kamera seit 2014 an deren schönstem Tag. Die Fotografin wurde zu vielen Feierlichkeiten gebucht, sieben der Hochzeiten konnten ins nächste Jahr verschoben werden. Drei Brautpaare sagten bis auf weiteres ihre Feier ganz ab. Darunter ist eine Silberhochzeit, für das Paar macht eine Feier nächstes Jahr keinen Sinn mehr. Fünf Brautpaare beließen es bei ihrem Termin, zwei planten von Anfang an eine standesamtliche Trauung. Im April war die Schleeßelerin bei einer standesamtlichen Trauung. Zu diesem Zeitpunkt durften nur die Standesbeamtin, das Brautpaar und Rosenbrock mit Mundschutz dabei sein, der engste Familienkreis wartete vor dem Gebäude. „Natürlich möchte ich meine verschobenen Hochzeiten im nächsten Jahr begleiten, dafür gebe ich ein paar Urlaubstage her“, so Rosenbrock. Deshalb sind 2021 freie Tage eher selten. „2020 wird nicht mehr viel passieren, ich hoffe nun auf das nächstes Jahr.“

Im Verhältnis zu anderen Dienstleistern trifft Nadine Franz und Laura Vendt die Corona-Krise nicht so schwer. Sie sind die Geschäftsführer von „Lieblingsbraut“. Die Frauen haben ihre Konzeptboutique im November 2019 in Ottersberg eröffnet. Ihre Hauptsaison geht von Oktober bis April. „Wir mussten unseren Laden von März bis Ende April schließen, wir blieben mit unseren Bräuten in Kontakt, und es wurden neue Termine vereinbart“, schildert Franz. Um die Sicherheitsbestimmungen einhalten zu können, führen sie keine Paralleltermine mehr durch. Es befindet sich nur noch eine Braut mit zwei Begleitern in der Boutique. Die Anproben finden aus Abstandsgründen im Showroom statt. Bis vor der Krise gab es Stöberabende. „Das war bis vor kurzem leider nicht möglich“, so Franz.

Für Meisterfloristin Hedja Eichinger, sie bietet Brautpaaren ein Rundum-sorglos-Paket, ist dieses Jahr ein Verlustgeschäft. Anfragen erreichen die 34-Jährige eineinhalb Jahre im Voraus. Bei einem Treffen mit den Brautpaaren werden deren Wünsche besprochen, einen Laden führt die Hastedterin nicht. Da die meisten Hochzeiten von diesem ins nächste Jahr verschoben wurden, versucht Eichinger, ihre alten und neuen Anfragen für 2021 zu koordinieren. „Ich möchte jetzt für meine Brautpaare da sein und sie auch nächstes Jahr unterstützen.“ Die ausstehenden Termine wurden von heute auf morgen abgesagt. „Aus der Not heraus baute ich mir ein zweites Standbein mit einem Onlineshop auf“, erzählt die Floristin. Mittlerweile verkauft Eichinger ihre Trockenblumen an über 20 Standorte in Deutschland. Ihre Schwester Brinja Denker, gelernte Kommunikationsdesignerin, hat sich unter ihrem Hochzeitspapeterie-Label „kreativverheiratet“ vor drei Jahren selbstständig gemacht. Die 32-Jährige verkauft kreatives Zubehör, das Hochzeitspaare benötigen. Die gebürtige Hellwegerin trifft die Krise nicht so stark, und für einige Projekte und Hochzeiten haben sich die Schwestern zusammengeschlossen.

Im Waldhof in Unterstedt sind für dieses Jahr noch zwei Hochzeiten geplant. „Wir sind guter Dinge, dass die Feiern stattfinden“, meint Andrea Horn. Der Saal bietet im Normalfall 180 Personen Platz. Zurzeit dürfen fünf Tische mit jeweils zehn Personen besetzt werden. Zwischen diesen ist ein Mindestabstand einzuhalten. Das gilt übrigens auch beim Tanzen: nur mit den Personen am Tisch. Das Essen wird am Tisch gereicht, ein Büffet ist nicht erlaubt. „Dieses Jahr ist ein reines Verlustgeschäft. Was in diesen Monaten nicht verkauft wurde, wird auch nicht in den kommenden verkauft“, erklärt die Geschäftsführerin.

Alle Dienstleister hoffen auf das nächste Jahr, und für die Brautpaare bringt Standesbeamtin Wübbena es auf den Punkt: „Das Entscheidende für eine Heirat ist und bleibt die Liebe. Zueinander stehen, sich gegenseitig vielleicht auch absichern, weil keiner wirklich weiß, was noch kommt.“

Von Kristin Stüring

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