Hochwasser nach langer Trockenheit

In Rotenburg treten Flüsse über die Ufer – und der Amtsleiter freut sich

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Wasser ohne Ende: Die Rodau ist deutlich über die Ufer getreten. Die Niederung wird zum See.

Überschwemmungen wohin man nur schaut: Wümme, Rodau und Wiedau treten über die Ufer. Nach langer Zeit sind die Nödenwiesen wieder zu Seenplatten herangewachsen. „Das ist noch nicht außerordentlich viel“, sagt Gert Engelhardt, Leiter des Amtes für Wasserwirtschaft beim Landkreis Rotenburg.

Rotenburg – Ganz Deutschland hat nach den heißen und vor allem trockenen Sommermonaten während der vergangenen zwei Jahre nach Wasser geschrien. Die langen Trockenperioden haben ihre Spuren hinterlassen. Im Wald, an den Moorstraßen und vor allem auch in der Landwirtschaft. „Wir brauchen das Wasser“, sagt Engelhardt, während er aus dem Fenster im vierten Stock des Kreishauses blickt und sieht, wie hoch das Wasser in den Nödenwiesen steht. „Das ist ein guter Wasserstand“, fügt er hinzu. Es sei an der Zeit, dass die Überschwemmungsbereiche in Rotenburg mal wieder ihre Existenz rechtfertigen, fügt Engelhardt mit einem leichten Lachen hinzu. Soll heißen: Alles im normalen Bereich, von etwaigen Schäden könne derzeit nicht die Rede sein. Solange es keine Probleme oder gar Schäden gibt, sollte man daher froh sein, dass es so ergiebig regnet wie in den vergangenen Wochen, meint der Experte im Kreishaus.

Auch die Wümme kann das Wasser nicht mehr halten.

Gleichwohl macht sich Engelhardt über die Entwicklung in den vergangenen Jahren Gedanken. Die Prognosen von höherer Stelle weisen demnach darauf hin, dass die Regenmenge auf das Jahr gesehen zwar weder steigt noch sinkt, es aber nicht so ausgeglichen wie noch in früheren Jahren vom Himmel komme, sondern punktuell von mit enormer Intensität. Das Problem dabei: „Der Boden kann das Wasser dann nicht so gut aufnehmen.“ Es fließt ab – und das mitunter mit enormer Geschwindigkeit. Dadurch wiederum könnte es dann eben doch vermehrt zu Problemen oder gar Schäden kommen. Engelhardt spricht daher von einer ungünstigen Prognose, die – sollte sie sich bewahrheiten – auch die Kommunen zunehmend beschäftigen dürfte. Da gehe es dann um die Dimension und Beschaffenheit der Kanäle. Entsprechen die nicht der Wassermenge, fließt das Wasser also beispielsweise nicht ausreichend von den Straßen ab. Dann kann der ein oder andere Keller vollaufen.

Die Wege sind versperrt.

Noch nicht voll genug ist nach Einschätzung von Kreislandwirt Jörn Ehlers der Unterboden. „Da fehlt uns immer noch Wasser“, sagt er. Es wäre also wünschenswert aus seiner Sicht, wenn noch mehr von oben herunterkommt. Dennoch muss er mit Blick auf die bevorstehenden Arbeiten auf den Feldern eine gewisse Einschränkung machen. Denn dabei sei es wichtig, „dass wir mit unseren Arbeiten weiter vorankommen“. Aktuell stünden die Düngung von Raps oder auch Wintergetreide an, erklärt Ehlers auf Anfrage der Rotenburger Kreiszeitung. „Ohne Befahrbarkeit der Flächen läuft uns irgendwann die Zeit weg, und das hat negative Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum.“ Die Temperaturen seien so, dass erste Wachstumsaktivitäten der Kulturen anstehen. Ehlers: „Deshalb wäre eine trockene Phase derzeit für uns Landwirte hilfreich.“

Nehmen Sie Platz! Oder lieber doch nicht?

Nachdem es gestern nur wenig Regen gegeben hat und auch erst für Samstag wieder stärkere Regenfälle angesagt worden sind, dürften die Pegel in und rund um Rotenburg schon bald wieder etwas fallen. Die weiteren Aussichten indes dürften Ehlers nur wenig Hoffnung machen, dass sich seine Wünsche für die Landwirtschaft erfüllen.

Die Nödenwiesen sind voll.

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