Hochmotiviert für Hausbesuche

Medizinstudenten sollen für Landleben begeistert werden

Gnarrenburg - Von Thomas Schmidt. Sie gehört zu den größten Herausforderungen des ländlichen Raumes in der Zukunft: die Versorgung mit Landarztpraxen. Deshalb beteiligen sich die Kommunen im Nordkreis auch an der nächsten Runde der „Landpartie Zeven/Bremervörde“, um Studenten der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) für eine berufliche Zukunft auf dem Lande zu erwärmen. Die Botschaft ist angekommen – sehr zur Freude von Bürgermeistern und Ärzten im Nordkreis – wie sich beim Begrüßungsabend im Gnarrenburger Rathaus zeigte.

Menschen zu helfen – und eine ungemein facettenreiche Ausbildung: das beschrieben mehrere MHH-Studenten als wichtigste Motivation, um den Arztberuf anzustreben. Das Projekt „Landpartie“ ist inzwischen etabliert und beliebt. Die zehn Plätze für das „Blockpraktikum Allgemeinmedizin“ waren rasch vergriffen. Und die Teilnehmer bekundeten einmütig, dass sie viele Erfahrungen in typischen Landarztpraxen in Bremervörde, Gnarrenburg, Selsingen, Zeven und umzu sammeln wollen. Ganz hoch im Kurs steht das Thema Hausbesuch: Studentin Tanja Brunkhorst betonte, dass sie sich auf diesen wichtigen Aspekt der Arbeit eines Landarztes besonders freue. Das bestätigte auch eine Kommilitonin, die bedauerte, bei einem anderen Praktikum in einer Großstadt, nur ein Altenheim kennen gelernt zu haben, jedoch keine Erfahrungen in Sachen Hausbesuch mitnehmen konnte.

Gnarrenburgs Bürgermeister Axel Renken tat alles dafür, um dem medizinischen Nachwuchs das Landleben schmackhaft zu machen. Er lobte die Vorzüge des Landlebens in vollen Zügen und den besonderen Charme der norddeutschen Landbevölkerung, die zwar nicht viele Worte mache, aber das Herz auf dem rechten Fleck trage.

Die Dringlichkeit des Projektes zur Stärkung der Infrastruktur im ländlichen Raum ließ er indes nicht unerwähnt: Wenn es nicht gelinge, Landarztpraxen am Leben zu erhalten, drohe einer ganze Region eine sinkende Wohn- und Lebensqualität, die sinkende Belegung der Krankenhäuser, der Wegzug der Jungen und die Überalterung.

Gnarrenburgs Bürgermeister Axel Renken beschreibt den Studenten der Medizinischen Hochschule Hannover in leuchtenden Farben die Vorzüge des Landlebens. 

Im Namen seiner Amtskollegen Detlev Fischer aus Bremervörde und Gerhard Kahrs aus Selsingen brachte Renken seine Freude darüber zum Ausdruck, dass wieder zehn Studenten mitmachen und hochmotiviert ans Werk gehen. „Wir freuen uns, dass Sie unser Angebot ausgewählt haben und hoffen, dass Sie enorm neugierig sind, was hier aus medizinischer Sicht auf Sie zukommt“, sagte Renken. „Aber auch Ihr allgemeines Interesse, Erfahrungen in einer Landpraxis zu sammeln, deren Abläufe, den ländlichen Raum und seine Menschen kennen zulernen, finden wir gut“, sagte Renken mit Blick auf die große Sorge um die Aufrechterhaltung der medizinischen Grundversorgung, wenn in den nächsten Jahren der eine oder andere Arzt in den Ruhestand geht.

Auch Marcel van der Pütten setzt hohe Erwartungen in das Projekt. Der Fachbereichsleiter in der Gnarrenburger Verwaltung ist zugleich Vorstandsmitglied im Verein „Gesund vor Ort“, der neben den Kommunen das Projekt ebenfalls unterstützt und sich um die Stärkung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum kümmert. Im Namen der Ärzteschaft sagte der Oereler Mediziner Andreas Geldbach, dass den jungen Leuten „hier quasi der rote Teppich ausgerollt“ werde – und ganz am Ende könne, so auch die Hoffnung des Internisten, der Traumjob in einer Landarztpraxis stehen.

„Diese Herzlichkeit werde ich nicht vergessen“

Dass die Hoffnungen von Geldbach und Renken nicht ganz unrealistisch sind, belegen von ehemaligen Teilnehmern überlieferte Stellungnahmen, die Renken mit großer Genugtuung verlas: „Es war eine sehr schöne Zeit und es fiel mir schwer, abzureisen. Ein bisschen mehr Zeit wäre schön gewesen, aber ich denke, ich werde auf jeden Fall wiederkommen. Ich habe dort tolle Menschen kennen lernen dürfen, habe jede Menge dazugelernt und insgesamt eine wundervolle Zeit – ja sogar das beste Praktikum meiner Medizinstudentenkarriere – erlebt. Diese Herzlichkeit werde ich nicht vergessen. Vielen Dank für dieses tolle ,Geschenk‘ am Ende unseres Studiums.“ Die „Landpartie“-Bilanz eines anderen ehemaligen Teilnehmers fällt knapper, aber nicht weniger euphorisch aus: „Sensationell gut.“

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