„Corona-Nachbarschaftshilfe“ startet im Landkreis

Hilfe in schwierigen Zeiten

Wer sich nicht vor die Tür traut oder es auch nicht sollte, für den sind Marc Andreßen (l.), Kim Kristin Weber und Olaf Laudan sowie die weiteren Mitglieder der Nachbarschaftshilfe da. Foto: Beims

Rotenburg – In Italien versammeln sich die Menschen auf den Balkonen und singen, um sich Halt zu geben und Mut zu machen. Dieser in solchen Zeiten so wichtige Zusammenhalt kommt gerade auch im Landkreis Rotenburg durch. Es sind erst wenige Tage seit der Gründung vergangen, aber in der Facebook-Gruppe „Altkreis Rotenburg – Corona-Nachbarschaftshilfe“ haben sich mehr als 500 Menschen gemeldet. Sie bieten älteren und kranken Mitbürgern ihre Hilfe an, sei es beim Einkaufen, bei Postgängen, Tierarztbesuchen oder einer Fahrt zum Arzt, denn der Bürgerbus hat ebenfalls vorerst seinen Dienst eingestellt. Es ist ein Austausch für Helfer und Hilfesuchende, sagt Marc Andreßen, einer der Koordinatoren.

Denn nicht alle Menschen haben Familie oder Freunde in der Nähe. Vielleicht sind auch Kinder, die weiter weg wohnen froh, wenn sie wissen, dass im Notfall jemand für ihre Angehörigen da ist. Und der Rotenburger trifft mit der Idee, die aus einem kleinen Kommentar am Rande entstanden ist, scheinbar einen Nerv: Immer mehr Menschen treten bei, bieten ihre Hilfe an, wollen etwas tun, werden aktiv. 70 Gruppenmitglieder haben sich bisher fest in eine Helfer-Tabelle eintragen lassen. Ob Rotenburg, Bothel, Abbendorf, Visselhövede, Sottrum oder Hemslingen, bis hin nach Tarmstedt und Zeven hat sich das Engagement herumgesprochen. „Ich war sehr überrascht, wie das abging – über die Stadtgrenzen hinaus“, erklärt Andreßen im Gespräch erfreut. Ihm zur Seite stehen als Koordinatoren Kim Kristin Weber, Olaf Laudan und Ingo Krampitz aus Rotenburg sowie Ilka Babiel aus Hemsbünde. „Wir kennen uns alle über Facebook. In solchen Situationen findet man sich zusammen“, sagt Andreßen.

Das Quintett hat die Aufgabe übernommen, alle Anfragen zu koordinieren. Da aber insbesondere ältere Menschen nicht unbedingt über einen Facebook-Zugang verfügen, sind Ideen gewachsen, wie man diese informieren kann. Eine Telefonnummer ist freigeschaltet, über die sich jeder melden kann, der Hilfe benötigt. Dort geht ein Anrufbeantworter ran, der die Nachricht als E-Mail an alle Koordinatoren schickt. Diese kümmern sich dann darum, dass die Suchenden einen passenden Helfer in der Nachbarschaft finden.

Außerdem hat Andreßen einen Flyer erstellt, den jeder unter www.corona-row.de oder über die Facebook-Gruppe ausdrucken und in der Nachbarschaft verteilen kann. „Da kennt man sich, weiß, wer die Hilfe anbietet“, erläutert er. Ein zweiter Flyer soll in Supermärkten oder Arztpraxen ausgehängt werden, mit den Kontaktdaten zum Abreißen. Wer seine Hilfe anbieten möchte, kann sich außerdem über die Gruppe in ein Formular eintragen. Einblick haben in alle Daten nur die Koordinatoren.

Und sie haben weiteres im Blick: Aus Scheeßel haben sich Schüler gemeldet, die die Zeit nun sinnvoll nutzen wollen. Sie würden Hunde ausführen, kleinere Einkäufe erledigen oder babysitten. Daher wird es ein Formular geben, in dem Erziehungsberechtigte zustimmen sollen. Andreßen möchte sich dazu mit dem Ratsgymnasium, der BBS und der IGS in Verbindung setzen. Wer helfen möchte, ist willkommen – natürlich ehrenamtlich. Das müsse allen klar sein. Auch mit dem Diakonischen Werk und Lebensraum Diakonie beispielsweise steht Laudan in Kontakt. „Wir versuchen, zu netzwerken.“

Vorsichtsmaßnahmen werden ebenfalls ergriffen. „Wir wollen das Risiko für beide Seiten niedrig halten“, merkt Andreßen an. Möglichkeiten, ohne großen Kontakt zu helfen, gibt es – die Einkäufe können vor die Tür gestellt werden, Geld dafür sollte möglichst nicht bar den Besitzer wechseln. Nicht ohne Grund wird derzeit gemahnt, Vorsicht walten zu lassen, regelmäßig Hände zu waschen und Oberflächen zu desinfizieren. Gerade im Kontakt mit Risikogruppen müsse genau bedacht werden, wie sich jeder verhält. Generell müsse das Bewusstsein für die aktuelle Situation noch viel stärker werden. „Das hinkt ein wenig in den Köpfen, sie haben es noch nicht realisiert“, sagt Laudan. Denn da sind die Jugendlichen, die sich nachmittags in der Innenstadt versammeln oder Ältere, die sich auf einen Plausch dort treffen.

Bei den Mitgliedern mit Risikofaktoren kommt die Hilfe indes sehr positiv an. Eine Frau lobt: „Ich gehöre auch zur Risikogruppe, ich findedas ganz toll von euch.“ Keiner muss alleine sein, meint Weber. „Es gibt Menschen, die sich Gedanken machen, wie man helfen kann.“ Das sieht auch Andreßen: „Hier passiert was, das ist ein tolles Signal für Rotenburg.“

Nachbarschaftshilfe

Wer Hilfe anbieten möchte oder diese sucht, kann sich unter der Telefonnummer 04261/ 2098112 oder per E-Mail an hilfe@corona-row.de melden.

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