ASB Rotenburg führt Hausnotruf ein / Nicht nur für Senioren geeignet

Hilfe per Knopfdruck

Entweder als Kette oder als Armband, wie es Bärbel Seiler zeigt, kann der Hausnotruf getragen werden. Drückt jemand den Knopf, sind sie, Karl-Heinz Seiler oder ihre ASB-Kollegen schnell vor Ort.  
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Entweder als Kette oder als Armband, wie es Bärbel Seiler zeigt, kann der Hausnotruf getragen werden. Drückt jemand den Knopf, sind sie, Karl-Heinz Seiler oder ihre ASB-Kollegen schnell vor Ort. Foto: Beims
  • Ann-Christin Beims
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Rotenburg – Wer Zuhause in eine Notlage gerät – sei es, er rutscht beispielsweise auf der Treppe oder in der Dusche aus oder erleidet einen Hexenschuss – braucht schnelle Hilfe. Nicht immer sind Angehörige mit im Haushalt, die dann sofort da sind. Für solche Fälle gibt es den Hausnotruf. Mit einem kleinen Knopf, der sich als Armband oder Kette tragen lässt, können Menschen im Notfall Hilfe rufen. Das bietet ab sofort auch die Regionalgruppe Rotenburg des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) an. „Viele denken, das ist nur für ältere Leute, aber das ist auch für junge Leute, die vielleicht alleine Zuhause sind“, sagt Karl-Heinz Seiler.

Der Notrufknopf biete viele Möglichkeiten. Zum einen ermögliche er älteren oder eingeschränkten Menschen mehr Selbstständigkeit, da sie in ihrer eigenen Wohnung bleiben können, wenn sie das schaffen. 24 Stunden pro Tag ist jemand erreichbar, sollte einmal etwas passieren. Außerdem entlaste es die pflegenden Angehörigen, so Karl-Heinz Seiler. „Zumal sich viele Notrufe bereits in einem Gespräch abwickeln lassen“, weiß er. „Nicht jeder Notruf ist immer ein Notfall.“ Und der Knopf biete einen weiteren Vorteil: Er könnte Einbrecher oder Betrüger abschrecken, die an die Haustür kommen. „Wenn jemand sich bedrängt fühlt und den Knopf drückt, kommt sofort die Stimme der Zentrale aus der Station – da ist der Fuß ganz schnell wieder aus der Tür“, so Karl-Heinz Seiler. Sollte das nicht ausreichen und die Zentrale erkennt, dass sich die Person in einer Notlage befindet, kann sie gegebenenfalls dazu die Polizei alarmieren. „Man kann es also sogar als Alarmanlage nutzen.“ Die Zentrale könne alles mithören, was passiert, sobald der Knopf gedrückt ist – die Verbindung muss damit aber erst hergestellt werden.

Der Funksender, also der Knopf, ist mit einer Station verbunden, die sich in der Nähe des Telefons befindet. Setzt jemand einen Notruf ab, also drückt kurze Zeit den Knopf, landet dieser in der Zentrale in Braunschweig. Diese nimmt über die Lautsprecher in der Station Kontakt zum Hilfesuchenden auf, kann das Gerät bei Bedarf auch lauter stellen. Bekommt die Zentrale keine Antwort, wird direkt Hilfe losgeschickt – denn es kann gut sein, dass derjenige es vielleicht gerade noch geschafft hat, den Knopf zu drücken. Sollte ein Gespräch möglich sein und sich dabei herausstellen, dass die Lage schlimmer ist, werde direkt der Rettungswagen mit alarmiert. Die Ehrenamtlichen vom ASB haben einen Schlüssel, mit dem sie sich Zutritt verschaffen können. Eine andere Möglichkeit sei es, außen am Haus einen Schlüsselsafe zu installieren, die Helfer bekommen dann den Code. Wer Angehörige in der Nähe hat oder lieber seine Nachbarn als Erstkontakt haben möchte, kann diese angeben. Sie werden im Fall der Fälle als erstes informiert von der Zentrale. Erreicht sie niemanden, geht die Hilfekette weiter, dann rückt der ASB aus. „Wir haben bereits eine Frau bei uns mit einem Hausnotruf, die Rheuma hat und der manchmal die Beine wegsacken. Da hat sie sich entschieden, das anzuschaffen“, berichtet Bärbel Seiler. Sollte die Verbindung zum Strom einmal getrennt werden, verfügt das Gerät über genügend Akku, um einen entsprechenden Hinweis an die Zentrale zu schicken, die dann mit dem Besitzer Kontakt aufnehmen kann.

In der Entwicklung ist auch ein mobiles Gerät, da der Hausnotruf bislang durch die feste Installation an die eigenen vier Wände gebunden ist. Das könnte man dann am Schlüsselbund tragen, zum Beispiel bei Joggingtouren durch den Wald oder auch für Motorradfahrer sei das geeignet, wenn diese in abgelegenen Gebieten unterwegs sind. Aber wann es das geben wird, wissen die Seilers noch nicht.

Der Bedarf sei in und um Rotenburg da, auch die Nachfrage sei groß. „Und gerade jetzt in der Corona-Krise ist es so wichtig“, ist Bärbel Seiler überzeugt. Denn viele Menschen seien alleine, der sonstige Besuch fehlt. Wenn dann was passiert, bekommt es im schlimmsten Fall niemand mit. „Darüber haben wir uns Gedanken gemacht, haben auch an unsere eigenen Eltern gedacht.“ Denn man wisse nie, was passieren kann. „In den eigenen vier Wänden passieren die meisten Unfälle. Es ist sinnvoll, diese Hilfe zu bekommen“, so Bärbel Seiler – auch, wenn es mehr Arbeit für die ASBler bedeutet. Derzeit sind sie zwölf Aktive.

Um eine ständige Erreichbarkeit zu gewährleisten, haben sie ein Handy angeschafft, auf dem nur solche Anrufe eingehen. Zusätzlich soll ein weiteres Fahrzeug angeschafft werden, deutlich gekennzeichnet mit „Hausnotruf“. „Damit die Nachbarn nicht denken, da bricht einer ein“, meint Karl-Heinz Seiler schmunzelnd. Dafür sind sie noch auf der Suche nach Sponsoren – keine leichte Aufgabe zu Coronazeiten. Zumal auch dem ASB finanzielle Mittel weggebrochen sind, rund 80 Prozent seiner sonstigen Einnahmen, schätzt der Ehrenamtliche. Ihr Glück sei, dass sie zwar eine eigenständige Kreisbereitschaft seien, den Landesverband aber im Rücken haben, der sie im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützt. „2019 haben wir viele Veranstaltungen abgesichert, unser erstes Jahr war bombig.“ Jetzt sind alle Veranstaltungen weggebrochen, nur langsam fährt der Betrieb hoch. Aktuell sichern sie Reitturniere ab, die im Freien wieder ausgerichtet werden dürfen.

Auch bei der Berufsgenossenschaft hatten sie sich gemeldet, möchten Erste-Hilfe-Kurse anbieten. Der Start musste verschoben werden. Ausbilder und der notwendige Raum sind vorhanden, die Abnahme fehlt aber noch. Seilers hoffen, dass sie im August starten können. Das bedeutet auch wieder Einnahmen – wenngleich nicht im erhofften Maß, da die Kurse nur in kleineren Gruppen stattfinden dürfen vorerst. Und unter strengen Auflagen: Die Puppe muss desinfiziert werden, jeder Teilnehmer bekommt sein Viereck, damit die Abstände eingehalten werden, die stabile Seitenlage darf nicht mehr an einem Teilnehmer gezeigt werden – nur an einem Ehrenamtlichen vom ASB – und Verbände können ebenfalls nicht am Menschen geübt werden. „Wir haben als Vorschlag eine Tischkante bekommen – aber wie soll das gehen?“, meint Karl-Heinz Seiler. Es sind einige Herausforderungen, die auf die Ausbilder und Teilnehmer warten. „Trotzdem muss man ihnen alles beibringen“, merkt Bärbel Seiler an.

Kontakt zum ASB

Wer sich über den Hausnotruf informieren möchte, kann sich per Telefon (04261/ 3057259 oder 0170/ 2149508) oder E-Mail (info@asb-rotenburg-w.org) an den Rotenburger ASB wenden.

Der Hausnotruf des ASB Rotenburg

Der ASB Rotenburg ist mit einem eigens dafür geschalteten Handy 24 Stunden am Tag in einem Notfall erreichbar. Die Kosten für den Hausnotruf betragen monatlich 23 Euro, bei Menschen mit Pflegestufe übernimmt das die Krankenkasse. Dazu kommen 21 Euro monatlich für die Schlüsselaufbewahrung. Das deckt auch die Kosten für die Versicherung, die der ASB abschließen muss, falls der Schlüssel verloren geht oder sonstiges.

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