Hilfe für Kinder

Diakonisches Werk unterstützt Tafeln im Altkreis

Über die finanzielle Unterstützung für die Kinder ihrer Kunden freuen sich Khaled Atriss (l.) und Hero Feenders (r.) von der Tafel. Eckhard Lang und Martina Seifert vom Diakonischen Werk haben den Obolus überbracht.
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Über die finanzielle Unterstützung für die Kinder ihrer Kunden freuen sich Khaled Atriss (l.) und Hero Feenders (r.) von der Tafel. Eckhard Lang und Martina Seifert vom Diakonischen Werk haben den Obolus überbracht.

Rotenburg – Zwei bis drei neue Kunden verzeichnet die Rotenburger Ausgabestelle der Tafel derzeit an jedem Ausgabetag. Aktuell sind dort 450 Kunden registriert. Vor der Pandemie waren es um die 350, erinnert sich Khaled Atriss. Das ist viel, die Zahlen steigen, sagt auch Leiter Hero Feenders. Dass es weniger werden, hält er angesichts der anhaltenden Einschränkungen durch die Pandemie für „im Augenblick illusorisch“.

Viele sind nach wie vor in Kurzarbeit, in vielen Familien sitzt aus diversen Gründen der Euro ohnehin nicht locker. Unterstützung gibt es da jetzt aber vom Diakonischen Werk.

Immerhin: Es gibt derzeit genügend Lebensmittel durch Spenden, um alle der etwa 80 Kunden pro Ausgabetag zu versorgen. Und das ist nur die eine Person, die kommen darf und die Lebensmittel abholt. Daran hängen teils Familien mit mehreren Kindern. „Aber wir können uns nicht beklagen“, sagt Feenders, während die Ehrenamtlichen gerade Brot, Obst, Gemüse und weiteres an die ersten Kunden verteilen. „Wir können nach Bedarf rausgeben, aber am Ende des Tages ist nichts über“, sagt er. Dass sie den Betrieb aufrechterhalten können, freut Feenders – sonst wäre es für einige Familien noch schwerer, die dringend auf die Unterstützung angewiesen sind.

Dazu müssen sowohl sie als auch die Kunden strenge Maßnahmen einhalten – Abstand, Masken, Desinfektion. So viel Sicherheit wie möglich bieten. Das Schlimmste wäre, wenn die Tafeln schließen müssten. Auch auf dem Parkplatz, wo sich bereits einige Zeit vor Öffnung der Türen eine kleine Schlange gebildet hat, kontrolliert einer der Helfer, dass die Kunden Abstände halten und Masken tragen. Letztere sind nicht immer vorhanden, dafür hat die Tafel aus Spenden einige parat – denn ohne betritt niemand das Gebäude. Der Kauf von Masken bedeutet für die Familien zusätzliche Kosten; Geld, das sie nicht haben.

Die ganzen Maßnahmen verursachen aber auch den Tafeln finanziellen Aufwand. Die Rotenburger Ausgabestelle hat beispielsweise einen Luftreiniger angeschafft, der bereits drei Stunden vor Beginn der Ausgabe angeschaltet wird. Und die Ehrenamtlichen stemmen mehr als üblich. Alleine die Ausgaben dauern durch die Hygienevorschriften gut zwei Stunden länger als üblich, sagt Feenders. „Das ist eine ganz schöne Belastung.“

Wir können nach Bedarf rausgeben, aber am Ende des Tages ist nichts über.

Hero Feenders, Leiter der Rotenburger Ausgabestelle

Umso mehr freuen sich Feenders und Atriss aber nun über eine unverhoffte finanzielle Unterstützung des Diakonischen Werks, die in dem Fall aber nicht an die Tafel, sondern direkt an die Kunden geht – oder genauer gesagt, an deren Schulkinder. Als es im Herbst hieß, die Schulen sollten viel lüften und die Kinder sich warm anziehen, dachten die Mitarbeiter des Diakonischen Werks an die Familien, die nicht so viel Geld zur Verfügung haben wie andere. Ausreichend warme Winterkleidung ist manchmal Mangelware.

Um jene Familien mit Kindern, die Leistungen der Tafeln in Scheeßel, Rotenburg, Sottrum und Visselhövede in Anspruch nehmen, zu unterstützen, hatte Kirchenkreissozialarbeiterin Lisa Schnackenberg die Idee, das Projekt „Zieht euch warm an“ ins Leben zu rufen: einen Zuschuss für warme Kleidung. Gemeinsam mit ihren Kollegen der Migrationsberatung und des Jugendmigrationsdienstes hat sie diese dann weiterentwickelt.

Mit ein wenig Verspätung gab es jetzt die Bewilligung vom Diakonischen Werk Evangelischer Kirchen in Niedersachsen, das knapp 6 000 Euro bereitgestellt hat. Damit können in den vier Tafel-Ausgabestellen im Altkreis fast 200 Kinder unterstützt werden. Zwar benötigen die Familien jetzt keine warme Kleidung mehr, dennoch wird jeder Euro gebraucht. „Sie können davon zum Beispiel auch Masken kaufen oder Sommerkleidung – das, wofür oft kein Geld da ist“, erklärt Migrationsberater Eckhard Lang, der mit seiner Kollegin, Kirchenkreissozialarbeiterin Martina Seifert-Mengel, an diesem Tag in Rotenburg das Geld übergibt. „Senioren haben Masken teils umsonst bekommen, Schüler nicht“, merkt auch Feenders an.

Im Gepäck haben Lang und Seifert ein Schreiben auf Deutsch, Arabisch und Farsi, das das Projekt erklärt. Dass das Diakonische Werk dafür mit der Tafel zusammenarbeiten möchte, war den Mitarbeitern von Anfang an klar: „Sie haben die Kontakte, wissen, wer bedürftig ist. Und wir können so mit wenig Aufwand viel erreichen.“ An den Ausgabestellen, an denen sie bisher gewesen sind, hätte es viele ungläubige, aber vor allem dankbare Gesichter gegeben.

Es ist ein Vor-Ort-Termin, wie es derzeit wenige gibt, erzählt Lang. Live-Beratungen fallen größtenteils weg, dennoch sind sie als Ansprechpartner immer da. „Wir müssen uns natürlich selbst schützen, aber der Bedarf nach Beratung ist nach wie vor groß. Und manches muss man einfach live machen, das verstehen die Leute über das Telefon nicht.“ Auch das Diakonische Werk habe mittlerweile Schnelltests angeschafft, mit denen sich die Mitarbeiter regelmäßig testen können. Vieles werde zudem verschoben, das Antworten erfordert. Behördenprozesse sind langsamer. „Das bekommen wir deutlich mit, viele Migranten sind sehr verzweifelt, bekommen keine Informationen, wissen nicht, wie es weitergeht“, kann auch Feenders bestätigen. Sie warten teilweise seit über einem Jahr auf ihr erstes Interview beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, berichtet Lang. Die Anerkennung fehlt. Feenders ergänzt: „Und da hängen auch Förderungen dran, zum Beispiel Sprachförderungen.“  

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