Neue Skateranlage: Besuch auf der Baustelle am Bahnhof

Hier ist Handarbeit gefragt

Die Männer sind bei der Arbeit. Der Bau der neuen Skateranlage am Rotenburger Bahnhof läuft, und es sieht schon vielversprechend aus.
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Der Bau der neuen Skateranlage am Rotenburger Bahnhof läuft, und es sieht schon vielversprechend aus.

Mit internationaler Experten-Besetzung entsteht zurzeit am Rotenburger Bahnhof eine neue Skateranlage. Und wer den Handwerkern bei der Arbeit zuschaut, kann sich sicher sein: Die Männer wissen nicht nur genau, wie es geht, sondern ihnen müssen am Abend gehörig die Knochen weh tun. „Nein, das schmerzt nicht“, sagt Finn Visser’t Hooft, „aber klar, das ist schon eine sehr intensive Arbeit.“

  • „Kidney Bowl“ ein echtes Highlight.
  • Fachmann aus Amsterdam erklärt, worauf es ankommt.
  • Spritzbeton muss von Hand bearbeitet werden.

Rotenburg – Der Niederländer und sein Bruder, dazu ein Portugiese, ein Ungar sowie zwei Franzosen knien sich hier im wahrsten Sinne des Wortes voll rein, um am Ende eine Anlage zu hinterlassen, die in der Region schon herausragend ist. Davon ist Finn Visser’t Hooft überzeugt. Es würden bestimmt auch Skater aus dem Umland, vielleicht sogar aus Bremen herkommen, wenn erst einmal Bilder davon im Internet auftauchen. Allein die „Kidney Bowl“ sei etwas ganz Besonderes, meint der Niederländer.

Diese Bowl in Form einer Niere sei unter Skateboardern besonders gefragt und beliebt. Sie erinnert an Pools, wie man sie in früheren Jahren vor allem in Kalifornien gebaut habe und die immer schon gerne auch zum Skaten genutzt worden seien. Der 31-Jährige streicht mit der Hand über die Fläche und strahlt. „Das bleibt jetzt so“, sagt er. Eine Versiegelung sei gar nicht mehr erforderlich.

Alles hier entsteht in Handarbeit. Und die ist mitunter mühsam. Zunächst tragen sie den Spritzbeton mithilfe eines Kompressors auf die Rollflächen auf, anschließend bringen sie alles Stück für Stück in Form. Um den richtigen Blick zu haben, knien sie davor auf dem Boden, und für die höheren Bereiche legen sie Balken aus, auf denen die Männer liegen, um so mit einer Auswahl an Werkzeugen die Oberflächen passend glatt zu streichen. Das muss auf Dauer schmerzen.

„Eine Skaterbahn kann nur bauen, wer selbst Skater ist“

Finn Visser’t Hooft

„Eine Skaterbahn kann nur bauen, wer selbst Skater ist“, sagt der 31-jährige Fachmann aus Amsterdam. Das Auge des Skaters wisse ganz genau, wie eine solche Anlage beschaffen sein muss. Es gehe am Ende um möglichst uneingeschränkten Fahrspaß, um den richtigen „Flow“, den die Bahn ermöglichen muss. Finn Visser’t Hooft spricht von einer „organischen Form“, die die richtige Balance voraussetzt. „Sonst macht das alles keinen Spaß.“

Passt alles, kann der Skater die Bahn im Grunde genommen ununterbrochen fahren – ohne Zwischenstopps. Wer das Board richtig gut beherrscht, habe so die Möglichkeit, eben ohne Unterbrechung durch beide Bereiche der Anlage zu skaten – also vom etwas offeneren Teil mit dem „Vulkan“ in der Mitte hinüber in die „Kidney Bowl“ – und wieder zurück.

Vor diesem Hintergrund ist ganz offensichtlich auch die richtige Mischung des Betons von großer Bedeutung. Das Verhältnis von Zement, Sand und feinstem Gestein muss stimmen, erklärt der Handwerker, der seit gut vier Jahren in diesem Geschäft freiberuflich unterwegs ist. Stimme die Mischung, lasse sich der Beton nach dem Aufbringen schön verarbeiten und am Ende auch glätten.

Sechs Männer aus vier Ländern

Die sechs Männer aus vier Ländern haben den Auftrag von der Kieler Firma „Anker Rampen“ erhalten. Ein Unternehmen, das sich auf derartige Bauprojekte spezialisiert hat. Finn Visser’t Hooft erklärt beim Besuch auf der Baustelle, dass die Nachfrage inzwischen deutlichen gestiegen sei. „Das liegt daran, dass das Skaten jetzt olympisch geworden ist.“ Bei den Spielen in Tokio gehört es erstmals zum Programm.

Für ihn und seine Kollegen ist das gut. Sie werden weiter gut zu tun haben. Der Experte aus Amsterdam hatte einst eine eigene Bahn angelegt und damit für Aufmerksamkeit gesorgt. Eine Firma engagierte ihn. Er arbeitet nun nicht nur in den Niederlanden, sondern auch viel in Deutschland – und in Australien. „Das geht zurzeit aber nicht – Corona.“

Statt sommerlicher Hitze also winterliche Kälte. „Mit dem Wetter ist es zwischendurch schwierig“, sagt er. Aber auch darauf sind er und seine Kollegen – allesamt Skater aus Leidenschaft – vorbereitet. Gegen die Niederschläge schützen sie sich und den frischen Beton mit Planen, die sie auf Holzgerüsten befestigen. Ihren Feierabend und die Nächte verbringen sie in einer Rotenburger Ferienwohnung. Da ist’s warm – und trocken.

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