Im Herzen auch ein Historiker

Armin Schöne ist 86 Jahre alt und schreibt historische Bücher auf Grundlage intensiver Recherchen. Donnerstag hält er einen Vortrag im Kreishaus. Foto: Menker

Eigentlich ist er Techniker und Autor zahlreicher Veröffentlichungen über Mess-, Regelungs- und Systemtechnik. Professor Armin Schöne aus Langwedel ist 86 Jahre alt und inzwischen im Ruhestand. Er schreibt aber immer noch – allerdings über die Geschichte vor allem in unserer Region. Übermorgen hält er einen Vortrag in Rotenburg.

VON GUIDO MENKER

Rotenburg – Es muss Anfang der 70er-Jahre gewesen sein, als Armin Schöne durch einen Zufall auf die Idee kommt, sich mit geschichtlichen Themen auseinanderzusetzen. In den Ingenieurwissenschaften ein Experte und beruflich bereits bestens verankert, fragt ihn eines Tages der damalige Bürgermeister in Lemförde, was es eigentlich mit den als Flecken bezeichneten Orten auf sich hat. Was ist ein Flecken? Diese Frage reizt Armin Schöne. Er beginnt zu wühlen und stößt auf den Historiker Georg Schnath in Hannover. „Den habe ich angeschrieben – und es folgten bestimmt 30 Briefwechsel. Ich hatte nach und nach immer weitere Themen, und er sagte mir, wo ich nach Antworten suchen muss.“

Ganz so, wie er es in den Ingenieurwissenschaften schon getan hat, macht er sich auch bei diesen Fragen systematisch an die Arbeit. Aus den ersten Gehversuchen in der Geschichte wird ein Hobby, ja eine Leidenschaft. Seinen Beruf hat er immer geliebt, aber im Herzen ist er eben auch ein Historiker, erklärt er in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Er war als Professor an der Universität in Bremen, außerplanmäßiger Professor der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen sowie in Bielefeld tätig. In Bremen hat er 1992 die Deutsche Forschungsvereinigung für Messregelungs- und Systemtechnik gegründet, deren Ehrenvorsitzender er bis heute noch ist.

Doch da waren immer auch die Fragen zur Geschichte, denen sich Armin Schöne mit ähnlicher Leidenschaft gewidmet hat. In der Regionalgeschichte stammen von ihm nicht nur zahlreiche umfangreiche Aufsätze, sondern neuerdings zwei sehr umfassende Bücher, in denen die Geschichte von Stadt, Erzstift und Herzogtum Bremen einen Schwerpunkt bildet. Ein weiteres Werk ist die vor zwei Jahren erschienene Biografie Friedrich von der Deckens, in der er die Lebensgeschichte einer ungewöhnlich herausragenden Persönlichkeit wiedergibt, die die Geschichte des Kurfürstenstum und Königreichs Hannover mit der Großbritanniens zur Zeit der Personalunion Hannover / Großbritannien verbindet. Verschiedene während eines längeren Zeitraums entstandene Arbeiten des Autors vor allem über die Grafschaft Diepholz, die Grafschaft Hoya und das Hochstift Osnabrück sind Grundlage für sein Buch „Die reichsunmittelbare Grafschaft Diepholz im 16. Jahrhundert“. Es ist das Jahrhundert der Reformation, in dem wir Diepholz als Reichsgrafschaft vor uns sehen, heißt es in einer Info dazu.

Die Geschichte des Großraums Bremen und die einschlägige nordwestdeutsche Geschichte hat Schöne in zwei umfassenden Büchern behandelt – „Die Erzbischöfe von Bremen und ihr Haus und Amt Langwedel“ sowie „Vom Westfälischen Frieden bis zum Wiener Kongress – europäische Machtpolitik um Langwedel und Bremen“. Und nun hat er noch einmal nachgelegt. Der Titel seines neuesten Werkes: „Rotenburg (Wümme) zur Zeit der Erzbischöfe von Bremen und der Könige von Schweden“. Und genau darüber hält er am Donnerstag einen Vortrag im Rotenburger Kreishaus. Er wird aufzeigen, welche Entwicklung Rotenburg unter der geistlichen und weltlichen Herrschaft seit Beginn des 13. Jahrhunderts zurücklegte hat, als Rotenburg das „wesentliche Hoflager“ der Erzbischöfe von Bremen und der Bischöfe von Verden war.

Im Hochstift Verden gab es mit Rotenburg nur eine einzige Festung. Im Erzstift Bremen waren demgegenüber unterschiedliche Festungen zu finden, unter denen Bremervörde und Langwedel herausragten. Das Erzstift Bremen und das Hochstift Verden fielen nach dem 30-jährigen Krieg als Herzogtümer Bremen und Verden an die Könige von Schweden, zuerst an Königin Christina. Beginnend 1644 und vor allem 1645 hatte Hans Christoffer von Königsmarck das Erzstift Bremen und das Hochstift Verden für Schweden militärisch erobert. Unter der schwedischen Herrschaft kamen Schloss und Amt Rotenburg durch die Donation der Königin Christina an den nunmehrigen Gouverneur Hans Christoph (Christoffer) von Königsmarck und dessen Nachkommen, heißt es in der Pressemitteilung der Freunde des Archivs für Heimatforschung Rotenburg zu dem Vortrag. Unmittelbar nach der Reichsexekution 1675 bis 1680 gegen Schweden wurde Königin Christina selbst Eigentümerin von Rotenburg, indem sie die Insel Öland gegen Rotenburg und andere Besitztümer eintauschte. Christina starb 1689 in Rom, was bis etwa 1714/1715 zu einer Übergangsphase einer schwedischen Herrschaft in Rotenburg führte. Um die Jahre 1719/20 endete die schwedische Herrschaft hier vollends. Rotenburg kam an das Kurfürstentum Hannover und an Großbritannien. Geschichte und Geschichten, die Armin Schöne gepackt haben.

Vortrag am Donnerstag

Der Vortrag von Armin Schöne mit dem Titel „Rotenburg (Wümme) zur Zeit der Erzbischöfe von Bremen und der Könige von Schweden“ beginnt am Donnerstag um 19 Uhr im kleinen Sitzungssaal des Rotenburger Kreishauses. Der Eintritt ist frei. Es wird lediglich um eine Spende gebeten. Das gleichnamige Buch ist in der Edition Falkenberg erschienen und kostet 9,90 Euro. Organisiert hat den Vortrag der Verein der Freunde des Archivs für Heimatforschung Rotenburg.

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