Pandemie verändert Vereinsarbeit: „HerzCaspar“ geht online

Per Zoom ans Krankenbett

Die Buddies treffen sich per Zoom mit den jungen Patienten.
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Per „Zoom“ nach Hause zu den Patienten: Der digitale Weg ist momentan die einzige Möglichkeit für die Buddies, mit ihnen in Kontakt zu bleiben.

Die „HerzCaspar“-Buddies bringen Abwechslung ins Krankenhaus. Sie spielen, reden oder basteln mit Kindern und Jugendlichen. Doch die Pandemie bedeutet einen großen Einschnitt für ihre Arbeit. Die Mitglieder müssen neue Wege gehen, um die Patienten zu erreichen.

Lauenbrück/Hamburg – Seit gut vier Jahren gibt es den Verein „HerzCaspar“. Die Mitglieder haben es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern und Jugendlichen mit langen Klinikaufenthalten die Zeit dort schöner zu gestalten. Abwechslung durch spielen, basteln, Film gucken, backen oder eine Runde quatschen. Die zwölf aktiven „Buddies“, die ins Krankenhaus gehen, sind für alles zu haben. Doch mit Ausbruch der Pandemie ändert sich ihre Arbeit schlagartig.

Zunächst startet das Projekt erfolgreich: Mit viel Energie und Ideen machen die Mitglieder 2019 im Kinder-UKE in Hamburg erste Schritte. „Es lief sehr gut an“, erinnert sich Fernanda Wolff Metternich. Es ist ein Herzensprojekt, im wahrsten Sinn: Ihr Bruder Friedrich-Caspar von Schiller aus Lauenbrück hatte es entwickelt, nachdem er selber aufgrund einer Herzerkrankung lange im Krankenhaus lag. Die Umsetzung erlebt er leider nicht mehr, aber seine Familie und Freunde setzen seinen Traum um. „Der Bedarf ist da, egal in welchem Alter“, wird Wolff Metternich und ihren Mitstreitern schnell klar. Dabei legen sie ihren Fokus nicht nur auf die Patienten, sondern beziehen bei Aktionen die Eltern und Geschwister ein. So können betroffene Familien vernetzt und der Austausch gefördert werden.

Doch die Liegezeit der Patienten ist kurz, ergo das Interesse oft geringer, wenn sie wissen, dass sie bald nach Hause können. „Aber wir mussten erstmal Vertrauen aufbauen.“ Dazu werden die Buddies geschult, haben mitunter selbst Erfahrungen mit einer Krankheit oder Klinikaufenthalten. Nach einem halben Jahr im UKE wechseln die Buddies in die Kinder-Onkologie. „Wir sind keine Konkurrenz zu anderen Angeboten. Wir füllen eine Lücke“, sagt Wolff Metternich.

Der Verein gewinnt neue Buddies und weitere Mitglieder. An Weihnachten erfüllen sie in Kooperation mit dem Hamburger Weg, der Stiftung des HSV, Herzenswünsche. Außerdem verzieren sie mit den Patienten Kekse, bemalen Kerzen. „Das war eine schöne Stimmung. So sind wir mit viel Energie 2020 gestartet.“

Doch mit der Pandemie kommt der Besuchsstopp, bereits im Februar macht das UKE zu. „Dabei hätten wir in dieser Zeit da sein müssen, da wurden wir umso mehr gebraucht. Die, die isoliert und einsam sind, waren es vorher auch schon. Dann wurden Besuchszeiten weiter reguliert, Geschwister durften nicht mehr kommen, Eltern nur einzeln und kurz“, erzählt Wolff Metternich. „Erst haben wir pausiert. Aber dann war uns schnell klar, dass das länger dauert.“

Also mussten neue Wege her. Die einzige Möglichkeit: digital. Die Mitglieder richten sich auf Zoom-Konferenzen ein, geben der Station Plakate und Einladungs-Postkarten, „um zu sagen, dass ,HerzCaspar‘ trotzdem da ist“. Doch das funktioniert nicht so, wie erhofft. Anfangs wählt sich kein Patient ein. Das liegt zum einen an der Belegung: Viele Betten bleiben frei. Zum anderen kennen die neuen Patienten die Buddies nicht – zögern also. Und gerade junge Patienten bräuchten oft Hilfe beim Einwählen mit dem Tablet. Schwierig bei ohnehin voll ausgelastetem Personal. „Sonst war es einfacher, da konnten wir an Türen klopfen. Wir hatten uns das leichter vorgestellt.“

Erkennbar in ihren blauen Shirts sind die Buddies, wenn möglich, vor Ort.

Die Mitglieder schreiben daraufhin Eltern an, berichten von ihrem Angebot. Eine Mutter meldet sich, ihr Sohn hat einen Gehirntumor, ist aber nicht dauerhaft im Krankenhaus. „Da haben wir die Chance gesehen, auch über die Krankenhausgrenze hinaus helfen zu können.“ Die Mutter findet es toll, ist entlastet. Ihr Sohn „zoomt“ mit seiner Schwester regelmäßig mit den Buddies. Mittlerweile ist ein weiteres Geschwisterpaar dazu gekommen. „Mit den Geschwistern ist die Hürde geringer. Und wir wollen dahin, wo wir gebraucht werden. Über den digitalen Weg bringen wir auch gerne Abwechslung nach Hause.“ Zusätzlich hat der Verein einen Podcast ins Leben gerufen: „HerzCaspar On Air“.

Ohne diesen Weg wäre Pause, merkt Wolff Metternich an. Dennoch: Der Fokus bleibt auf den Krankenhäusern. Sie sehen die Zeit jetzt als Chance, sortieren sich, wollen wachsen. Der Verein führt Gespräche mit weiteren möglichen Standorten. Auch mit dem Diakonieklinikum in Rotenburg, doch da ist die Liegezeit meist zu kurz. „Es braucht Zeit, eine Bindung aufzubauen.“ Und sie tauschen sich mit anderen Organisationen aus für gemeinsame Projekte. Es geht also weiter – eben auf neuen Wegen.

Der Verein

Seit 2019 erleichtert „HerzCaspar“ Kindern und Jugendlichen den Krankenhausaufenthalt. Wer sich für die Arbeit der Ehrenamtlichen interessiert, findet weitere Infos unter www.herzcaspar.info. Auch bei Instagram und Facebook ist er vertreten. Die Arbeit finanziert er mithilfe von Spenden. So hat unter anderem die Rotenburger Ergotherapeutin Angela Scheuer im Namen ihrer Praxis die Arbeit zum zweiten Mal mit 500 Euro unterstützt.

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