Weitere Veränderungen stehen an

Das Herz der Stadt ist seit 30 Jahren autofrei

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Rotenburgs Fußgängerzone wird morgen 30 Jahre alt. Sie beziehungsweise die Innenstadt werden sich allem Anschein nach noch einmal ziemlich verändern.

Rotenburg - Von Ulf Buschmann. 2000 Autos quälen sich durch die Große Straße in Richtung Bremen und Verden – stündlich und zweispurig. In Richtung Hamburg und Scheeßel geht es in die andere Richtung. Manch ein Elternteil muss seine Kinder festhalten, damit es auf den schmalen Gehwegen nicht unter die Räder gerät. Diese und ähnliche Szenen sind in der Rotenburger Innenstadt Alltag – bis zum 23. Juli 1987. An diesem Tag wird die neu geschaffene Fußgängerzone offiziell eröffnet.

Am Sonntag ist sie somit 30 Jahre alt. Für die Stadt war es ein Mammutprojekt, das sich bis in die Gegenwart auswirkt. Den öffentlichen folgten die privaten Investitionen. Neu entstehende Häuser haben das Stadtbild seitdem komplett verändert. Mit dem Bau der Aalter Allee sind völlig neue Verkehrswege entstanden. Links und rechts der Großen Straße lässt es sich seitdem auch wieder wohnen – ohne Abgasgestank.

Was in den 1970er- und der ersten Hälfte der 1980er-Jahre noch heiß diskutiert wurde, möchte heute niemand mehr missen. „Wenn wir es damals nicht gemacht hätten, würden wir es heute initiieren“, sagt Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber. Allein in den vergangenen fünf Jahren seien rund 100 neue Wohnungen entstanden, untermauern Weber und seine Stellvertreterin, Rotenburgs Erste Stadträtin Bernadette Nadermann, die Entwicklung mit Zahlen.

Kaufleute sind heute große Verfechter

Selbst die ansässigen Kaufleute, von denen viele versuchten, beim Projekt Fußgängerzone auf die Bremse zu treten, sind heute ihre größten Verfechter. Ein Stück weit haben sich die Rollen sogar vertauscht. Waren die Kaufleute vor 30 bis 40 Jahren noch die Bremser, versuchen sie heute in Form der IG City-Marketing Politik und Verwaltung weit voranzutreiben. „1. Infrastruktur und Aufenthaltsqualität verbessern; 2. Beleuchtung erneuern; und neu: 3. Digitalisierung (freies W-Lan, CityMonitor)“, fasst City-Marketing-Sprecherin Cornelia Gewiehs im Facebook-Chat die Forderungen zusammen.

Es liest sich so, als seien Politik und Verwaltung in den vergangenen Jahren untätig gewesen. Das aber verneinen Weber und Nadermann vehement. Die Stadt sei immer wieder übers Baurecht und die Satzung ihrer Verantwortung nachgekommen. Mal lenkend, mal gestaltend. Als Beispiel nennt der Bürgermeister die Außenbestuhlung durch die knapp 20 Gastronomen an der Großen Straße. Die Stadt habe dafür gesorgt, dass dem Angebot auf der linken eines auf der rechten Straßenseite folgt.

Im Arbeitskreis kommt alles auf den Tisch

Im Übrigen würden alle Maßnahmen im Arbeitskreis Innenstadt besprochen. Dazu gehören Vertreter von Politik und Verwaltung, der IG City-Marketing und des Vereins für Touristik und Stadtwerbung, VTS. Das Ziel: Alle Einrichtungen und Menschen, die etwas zur Gestaltung der Stadt beitragen können, sollen mitreden.

Die Forderung haben auch im vergangenen Jahr der Deutsche Städtetag und der Deutsche Handelsverband in einem Diskussionspapier aufgestellt. „Zukunft von Stadt und Handel“ heißt es. Tenor: Verändertes Kaufverhalten der Kunden verändert den Einzelhandel und die Städte. Der „hybride Kunde“ kauft übers Internet ein. Gleichzeitig hält er sich allerdings auch sehr gerne in einer belebten Innenstadt auf.

Deshalb müssten alle Verantwortlichen reagieren: Guter Service im Einzelhandel, stetige Verbesserung der Aufenthaltsqualität und insbesondere frei verfügbares Internet, W-Lan, gehören dazu. Damit sehen Nadermann und Weber Rotenburg auf dem richtigen Weg. Beispiel Digitalisierung: Die geplanten City-Informationsmonitore und das W-Lan werden noch im August ausgeschrieben.

Außerdem mache die Stadt mit einigen Projekten in den kommenden Jahren noch einmal einen großen Wurf. Das verändert laut Weber das Bild weiter – mit dem Umbau des Postgebäudes, den beiden Bauprojekten Goethepark und Reinickes Park und neuen verkehrslenkenden Maßnahmen.

Jedoch: Im Fokus stehen nicht die Auto-, sondern die Fahrradfahrer. Sie kommen sich mit den Fußgängern in die Quere. Deshalb gibt es Platz für sie auf der Goethestraße. Dafür sollen auch die Eingangsbereiche der City umgebaut werden.

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