Geschäftsführer der Siedlungswasserwirtschaft fordern schärfere Grenzwerte

„Herr Meyer liefert bestes Trinkwasser“

Angestoßen wird auf die gute Partnerschaft, na klar, mit sauberem Leitungswasser: Godehard Hennies (v.l.) und Heiko Albers vom Wasserverbandstag sowie Volker Meyer, Geschäftsführer des Wasserversorgungsverbandes Rotenburg-Land. - Fotos: Krüger

Rotenburg - Von Michael Krüger. Noch ist alles gut. Klar, wohlschmeckend und vor allem: sauber. Unser Trinkwasser ist ein Qualitätsprodukt. Darin sind sich die Geschäftsführer der Siedlungswasserwirtschaft Niedersachsens während ihrer aktuellen Tagung in Rotenburg sicher.

Damit das aber so bleibt, müsse sich der Gesetzgeber rechtlich bewegen. Von zu vielen Seiten drohten Verschlechterungen: „Deutschland hat ein paar rote Ampeln nicht gesehen“, so Godehard Hennies, Geschäftsführer des Wasserverbandstages. Vertreter von 40 der rund 100 kommunalen Trinkwasserverbände in Niedersachsen, Bremen und Sachsen-Anhalt treffen sich zwei Tage lang in der Kreisstadt im Landhaus Wachtelhof.

„Erfahrungsaustausch, aktuelle Herausforderungen und spezifische Lösungen“, so die Schlagwörter zu den Inhalten von Gastgeber Volker Meyer, Geschäftsführer des hiesigen Wasserversorgungsverbandes Rotenburg-Land. Die öffentlich-rechtlichen Unternehmen haben einen Marktanteil von rund 55 Prozent bei der Versorgung der Bevölkerung, der Rest fällt vor allem auf die anders ausgerichteten Stadtwerke. „Der Schutz der Ressource Trinkwasser kann letztlich nur durch ein öffentlich-rechtliches Unternehmen sichergestellt werden, das im Sinne des Allgemeinwohls, nicht aber für die eigenen Gewinne arbeitet“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung zur Tagung.

Um diesen Schutz aufrecht zu erhalten, sehen sich die Verbände aktuell vor sehr große Herausforderungen gestellt. Meyer verdeutlicht dies an der Situation im Altkreis Rotenburg und im Bereich Neuenkirchen, wo die knapp 19.000 Hausanschlüsse seines Unternehmens liegen: „Insbesondere beim Fracking muss der vorliegende Gesetzesentwurf der Bundesregierung dringend verabschiedet werden, um den Schutz der Trinkwasserressourcen sicherzustellen und gleichzeitig Transparenz und Beteiligung von Wasserversorgern und Bevölkerung zu gewährleisten.“ Die Vorlage sei gut, müsse aber die Vorranggebiete zur Trinkwassergewinnung noch besser schützen. So lange die neuen Regelungen nicht griffen, könne weiterhin jegliche Fracking-Tätigkeit nach altem Bergrecht genehmigt werden, was eine hohe Gefahr für das Trinkwasser darstellte.

Ein weiteres Problemfeld für das Trinkwasser: die Überdüngung. Insbesondere müssten Mineraldünger deutlich eingeschränkt werden, um die Nitratbelastung im Grundwasser zu senken. „Deutschland hat hier seine Hausaufgaben nicht gemacht“, kritisiert Hennies. In Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft müsse der Eintrag reduziert werden – auch um die drohenden Strafen durch die Klage der EU abzuwenden. „Wir benötigen dringend eine novellierte Düngeverordnung, mit ehrlichen Regelungen für den Wasserschutz“, so Hennies. Und nicht zuletzt steht auf der Tagesordnung auch das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP. Dieses könnte laut Hennies dazu führen, dass europäische oder deutsche Standards im wahrsten Sinne des Wortes verwässert werden. Hennies: „Dass Exxon hier auf einmal nach amerikanischen Umweltrichtlinien arbeiten dürfte, können wir nicht akzeptieren.“

Auch im Kleinen wollen die Verbände weiter politischen Einfluss ausüben. Meyer nennt diesbezüglich zum Beispiel die aktuelle Ausarbeitung des Regionalen Raumordnungsprogramms. Hier habe der Rotenburger Wasserversorgungsverband ein viel größeres Wasserschutzgebiet vorgesehen als der Landkreis. Der entsprechende Einspruch werde bis Ende Mai im Kreishaus landen.

„Herr Meyer liefert bestes Trinkwasser“, lobt der Chef des Wasserverbandstags den regionalen Versorger. Doch für ihn gelte wie für alle anderen das Vorsorgeprinzip. Jetzt müssten die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Denn, so Hennies: „Wir müssen dafür sorgen, dass auch die nachfolgenden Generationen gutes Wasser haben.“ Wie das funktionieren könnte, wird wohl auch am Mittwoch noch während der Tagung in offiziellen Runden oder zu späterer Stunde informell ausgiebig diskutiert.

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