Der Herbergsverein wartet auf den Neubau des Rotenburger „Birkenhauses“

Eine unendliche Geschichte

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Bei Manuela Borgert (l.) und Barbara May erhalten Obdachlose Kaffee für wenig Geld.

Rotenburg - Von Jessica Ginter. An der Harburger Straße 60 in Rotenburg soll ein neues „Birkenhaus“ für Obdachlose entstehen. Doch das Vorhaben verzögert sich, denn das alte Gebäude steht noch immer – und das schon seit mehreren Jahren. „Wir warten quasi täglich darauf, dass der Bagger kommt und alles platt macht! Aber der Vermieter hat sich bis jetzt noch nicht dazu geäußert, wann das passieren soll“, sagt Sozialpädagogin Wiebke Sprung, die inzwischen seit zwölf Jahren beim „Straßenfeger“ aktiv ist.

Gemeinsam mit Barbara May, Manuela Borgert sowie Karin Dittmers und Alexandra Wurthmann bietet sie eine Anlaufstelle für Wohnungslose. Die Einrichtung des Herbergsvereins berät sie bei der Wohnungssuche. Täglich kommen im Schnitt 25 Personen zum „Straßenfeger“, um sich aufzuwärmen, günstig einen Kaffee zu trinken oder nach einem Rat zu fragen. „90 Prozent der Leute sind keine Wohnungslosen und kommen auch nicht zur ambulanten Hilfe, sondern halten einfach ihre sozialen Kontakte“, erklärt May.

Nach Angaben der Sozialarbeiterin Sprung nimmt der Anteil an Menschen ohne Obdach im Winter ab. „Auf den Straßen ist weniger los, da sich viele zum Herbst hin eine Bleibe suchen und dort überwintern“, erzählt sie. „Die kälteren Jahreszeiten bringen keine längeren Öffnungszeiten und auch keine speziellen Winterangebote beim ‚Straßenfeger‘ mit sich.“

Der Herbergsverein unterhält neben der Beratungsstelle im „Straßenfeger“ auch das „Birkenhaus“ mit zwei Übernachtungsplätzen für durchziehende Wohnungslose und momentan vier Übergangswohnungen, für Menschen, die nicht mehr weiter ziehen wollen oder können. Diese dienen zur Überbrückung: „Die Menschen haben die Möglichkeit, sich zurückzuziehen und in Ruhe eine Wohnung zu suchen“, erklärt May.

Allerdings bleiben einige bis zu zweieinhalb Jahren im „Birkenhaus“. Andere schaffen es, innerhalb von vier Wochen eine Bleibe zu finden. Etwa 100 Personen wohnen im Laufe eines Jahres in dem Haus.

Aufgrund des Umzugs in das Nachbarhaus an der Harburger Straße im Sommer, das als Übergangslösung dient, hat sich das „Birkenhaus“ deutlich verkleinert. Zuvor hat es sechs Übernachtungsmöglichkeiten und sieben Übergangswohnungen gegeben. Auslöser für den Umzug war der geplante Abriss des alten und der Bau eines neuen Gebäudes. Das neue Haus sollte eigentlich schon seit vier Jahren stehen. Es sei eine unendliche Geschichte, so Sprung.

Mitfinanzierer des Birkenhauses ist die Stadt, die jährlich mehr als 20000 Euro zuschießt, und auch das Land unterstützt die Unterkunft. Pädagogin May sagt: „Zwischen dem Herbergsverein und der Stadt herrscht eine gute Zusammenarbeit“, denn obwohl die Stadt für die ordnungsgemäße Unterbringung der Rotenburger Wohnungslosen zuständig ist, komme es vor, dass mal ein Übernachtungsplatz in der städtischen Notunterkunft fehlt. „Dann nehmen wir die Leute auf, obwohl wir uns eigentlich nur um die Durchreisenden kümmern“, erklärt May weiter.

Wiebke Sprung kann aufgrund ihrer Erfahrung die Frage, was die größten Probleme der Menschen seien, direkt antworten: „Das Geld!“ Schwierigkeiten mit Ämtern und die Bewältigung der Hürden, die gesetzt werden, um an das Geld zu kommen, bilden die Hauptprobleme. Die meisten sind mit den Ämtern überfordert und kommen dann zu uns, damit wir ihnen beim Ausfüllen der Anträge helfen“. Schulden oder familiäre und Suchtprobleme seien zweitrangig, aber gleichzeitig die Hauptauslöser für die Wohnungslosigkeit. Sprung: „Die Leute haben ihr Leben verspielt.“

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