Henning Poppe setzt als neuer Bürgermeister von Waffensen auf Teamarbeit

Gemeinsam im Kiez

Es fehlt an Bauland: „Wir haben 60 Namen auf der Warteliste“, sagt Henning Poppe. Am 10. November wird er zum neuen Ortsbürgermeister von Waffensen gewählt.
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Es fehlt an Bauland: „Wir haben 60 Namen auf der Warteliste“, sagt Henning Poppe. Am 10. November wird er zum neuen Ortsbürgermeister von Waffensen gewählt.

Der Ortsrat von Waffensen wird Henning Poppe (CDU) am 10. November zum neuen Bürgermeister wählen. Der 46-Jährige ist der Wunschkandidat von CDU und SPD. Er tritt damit in die Fußstapfen von Hartmut Leefers. Die Aufgaben und die Verantwortung möchte er auf mehrere Schultern verteilen.

Waffensen – Am liebsten braust er gemütlich mit knapp unter 40 Stundenkilometern durch Waffensen: Henning Poppe hat sich einen Kindheitswunsch erfüllt, als er sich seine beiden Mofas angeschafft hat: Die Modelle G3 und Prima 5S aus dem Hause Hercules sind Baujahr 1979, haben 50 Kubikzentimeter Hubraum – und sind rot, obwohl die Farbe seiner Partei ja eigentlich Schwarz ist.

Aber um Farben geht es dem 46-Jährigen genauso wenig wie um Parteigeplänkel. Er wolle den Ort weiterentwickeln, als Team, erklärt der CDU-Ortsvorsitzende, der kurz davor steht, sich einen weiteren Wunsch zu erfüllen: Bei der konstituierenden Sitzung des Ortsrates in Waffensen am 10. November soll er zum neuen Ortsbürgermeister gewählt werden. Zweifel daran, dass das klappt, gibt es keine, schließlich ist Poppe auch Wunschkandidat der SPD als einzige weitere Partei im Ort.

Mit 17 Jahren war Poppe der Jungen Union in Bremervörde beigetreten – von 2001 bis 2016 war er schließlich Mitglied im Ortsrat von Waffensen und des Rotenburger Stadtrates. Nach 15 Jahren, in denen er eng mit seinem Vorgänger auf dem Bürgermeisterposten, Hartmut Leefers (CDU), zusammengearbeitet hatte, nahm er sich eine Auszeit von der Lokalpolitik. „Ich wollte mich resetten und mir den Zirkus auch mal von außen angucken“, erklärt Poppe, dem es aber in erster Linie darum ging, seinen landwirtschaftlichen Betrieb zu stärken und Zeit für seine junge Familie zu haben. Mit Ehefrau Ilka Holsten-Poppe hat er drei Mädchen: Lisa, 14, Lene, elf, und Lotte, neun Jahre alt. „Mir war es wichtig, abends häufiger da zu sein, damit ich sie selbst ins Bett bringen kann“, betont der Familienvater.

Eins-zu-Eins-Ersatz von Vorgänger Hartmut Leefers wolle er nicht werden, stellt Henning Poppe beim Pressegespräch im Mehrgenerationenhaus Worthmanns Hoff (MGH) in Waffensen klar: „Das war für mich sogar eine Bedingung, bevor ich zugesagt habe, diesen Posten zu übernehmen. Denn Hartmut Leefers war omnipräsent und hinterlässt riesige Fußstapfen. Er hat sich in einem Maße in den Ort eingebracht, die sich ein Otto Normalbürger gar nicht vorstellen kann. Wir Waffenser hatten das Glück, dass wir mehr als 15 Jahre lang im Grunde einen Vollzeit-Bürgermeister hatten. Das kann ich als Selbstständiger und Familienvater nicht leisten. “

Es sei ihm deshalb wichtig, die Aufgaben und die Verantwortung zu verteilen – nicht nur auf seine Stellvertreterin Manuela Thies (SPD), sondern auf sämtliche Mitglieder des Ortsrates. „Wir wollen das Amt damit auch ein wenig aufwerten“, betont Henning Poppe.

Bereits während des Wahlkampfs hatten die Ortsratskandidaten darauf verzichtet, ihre Parteien in den Mittelpunkt zu stellen. Sie hatten stattdessen einen gemeinsamen Flyer entworfen. „Wir wollten nach außen hin so auftreten, wie wir auch zuletzt erfolgreich im Ortsrat zusammengearbeitet hatten“, betont Henning Poppe und erklärt: „Es gibt bei uns keine parteipolitischen Zankereien wie beispielsweise in den vergangenen fünf Jahren im Stadtrat. Dort haben drei, vier Mitglieder ihre persönlichen Animositäten ausgelebt. Uns geht es stattdessen um die Sache. Die Nähe zur Partei ist für uns derzeit noch eine gute Sache – ob wir das in fünf Jahren noch genauso sehen, weiß ich nicht.“

Statt großer Übergabe mit seinem Vorgänger soll es einen „schleichenden Übergang“ geben. Poppe kennt Leefers und seine Arbeit gut und war zudem bereits in der Vergangenheit Ansprechpartner für die Belange der Bürger: „Einige haben deshalb nie gemerkt, dass ich gar nicht mehr im Ortsrat und Stadtrat aktiv bin.“ Außerdem bleibe Leefers im Ort aktiv, unter anderem als Geschäftsführer des Mehrgenerationenhauses Worthmanns Hoff.

Auch wenn er selbst ein ganz anderer Typ als Leefers sei, den er im positiven Sinn als „geborenen Alleinunterhalter“ beschreibt, so möchte Henning Poppe von ihm doch einiges übernehmen: „Seine stoische Ruhe, seinen Blick für Innovationen und dass er Ideen anderer immer aufnimmt, anstatt diese gleich zu verwerfen.“ Er wolle und müsse jedoch im Gegensatz zu ihm andere noch mehr beteiligen und setzt dabei auch auf die Unterstützung der Agenda-Arbeitsgruppe im Ort, die sich einzelnen Projekten widmen wird „und uns im Ortsrat damit vieles erleichtert“.

Henning Poppe ist glücklich über die Zusammensetzung des Gremiums, das im Schnitt deutlich jünger sei als die Ortsräte bisher. „Die Mitglieder sind alle zwischen 18 und 59 Jahre alt – Menschen, mit denen man gerne und gut zusammenarbeitet. Das gilt genauso für die Kandidaten, die nicht ausreichend Stimmen erhalten haben.“ Mit künftig drei Waffensern im Stadtrat sei der Ort auch dort gut vertreten.

Die Wahl von Henning Poppe und Manuela Thies macht es nötig, dass der Ort von der Tradition abweicht, dass der Ortsbürgermeister und dessen Stellvertretung auch im Förderverein des Mehrgenerationenhauses Verantwortung übernehmen – denn Poppes Ehefrau Ilka ist dort Leiterin, Thies ihre Stellvertreterin. Wiebke Siegmann übernimmt deshalb als Vorsitzende, Martin Boschen unterstützt sie.

Um den neuen Ortsbürgermeister und seine Vertreterin zu entlasten, sollen die Besuche der Jubilare neu geregelt werden: Bislang war es üblich, Bürgern bereits an ihrem 70. Geburtstag persönlich zu gratulieren, danach zum 75., 80. und ab dann jedes Jahr. Der Aufwand sei dafür schlicht zu groß: „Die Menschen werden heute wesentlich älter als früher. Das können wir nicht mehr leisten“, erklärt Thies und bittet um Verständnis. Künftig soll es das erste gemeinsame Kuchenessen ab dem 75. Geburtstag geben – erst ab dem 90. Geburtstag dann jährlich.

In den vergangenen Wochen haben Poppe und Thies bereits über Themen gesprochen, die sie in den kommenden fünf Jahren umsetzen möchten. „Wir wollen zukunftsfähig bleiben, dafür müssen wir Dinge wie den Co-Working-Space im MGH weiterentwickeln“, nennt Henning Poppe beispielhaft.

Der Ortsrat möchte sich zudem dem Leben im Alter widmen – und dabei die Frage klären, wie dies auch in Zukunft bestmöglich in Waffensen möglich sein könnte. Mit der Neuansiedlung der Diakoniesozialstation sei damit bereits ein wichtiger Schritt getan. Weitere sollen folgen: „Wir wollen den Menschen im Dorf ermöglichen, hier alt zu werden, und planen dafür ein Wohnprojekt – zum Beispiel für mehrere Generationen. Vielleicht finden wir jemanden, der das in unserem Sinne umsetzt“, hofft Henning Poppe. Und Manuela Thies ergänzt: „Wir haben uns schon ähnliche Objekte angeschaut und Ideen geholt – eine Möglichkeit wäre es, das mit einer Genossenschaft anzugehen.“

Wir wollen den jungen Leuten aus dem Ort etwas bieten – sonst hauen die uns ab.

Senioren soll ermöglicht werden, aus ihren oft zu großen und nicht altersgerechten Häusern auszuziehen, ohne dass sie dafür den Ort verlassen müssen. „Sie wollen hier in ihrem Kiez bleiben“, weiß Poppe aus vielen Gesprächen. Zusätzlich soll jungen Familien die Chance geboten werden, sich in Waffensen anzusiedeln – die Nachfrage sei groß, Möglichkeiten dagegen rar: „Wir haben 60 Namen auf der Warteliste, aber derzeit null freie Bauplätze. Das wollen wir ändern. Dafür führen wir bereits Gespräche, die jedoch im Moment stocken.“

Das Problem: Die einzige mögliche Fläche ist derzeit der Bereich um das neue Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr. Doch die Bereitschaft der Grundstückseigentümer, diese abzugeben, sei gering: „Sie sind auf das Geld nicht angewiesen und verzichten deshalb auf einen Verkauf. Die Niedersächsische Landesgesellschaft besitzt zwar Flächen in Waffensen, darf diese aber aktuell nicht an Bürger abgeben, die keine Landwirtschaft betreiben.“ Die Förderung der Baulandentwicklung sei deshalb eine große Herausforderung. „Wir wollen den jungen Leuten aus dem Ort etwas bieten – sonst hauen sie ab“, erklärt Manuela Thies, die gemeinsam mit Poppe bald das Gespräch mit dem künftigen Landrat Marco Prietz (CDU) führen will, um über die Entwicklung des Ortes zu sprechen.

Ein Thema dabei könnte auch das Immissionsschutzgesetz sein, das den Waffensern Kopfzerbrechen bereitet. „Es kommt natürlich vor, dass es hier mal riecht. Aber die Menschen ziehen bewusst aufs Land, die wissen das“, so Henning Poppe, der kritisiert, dass die Werte nicht gemessen, sondern errechnet werden: „Wenn ein Landwirt 100 Schweine halten dürfte, aber dies gar nicht plant, so wird trotzdem die potenziell mögliche Geruchsbelastung als Maßstab genommen. Für die Landwirte ist es mit Blick auf ihre künftige Entwicklung aber nicht attraktiv, ihre Immissionen abzugeben“, so Poppe.

Ein guter Platz für ein Gespräch mit Prietz wäre das MGH, das sich zu einer Schnittstelle des Ortes entwickelt hat. Dorthin kommen auch Bürger, wenn sie ein Problem haben oder über eine Idee sprechen wollen. „Aber wir tauschen uns im Ort auch sehr gut in zwei WhatsApp-Gruppen aus. Fast alle haben meine Handynummer und wissen, wie sie mich erreichen können“, erklärt Henning Poppe, der genauso wie Vorgänger Hartmut Leefers immer ein offenes Ohr für die Belange der Bürger haben möchte.

Wer ihn im MGH nicht antrifft, der kann Ausschau nach einem roten Mofa halten, mit dem Henning Poppe gerne durch den Ort braust.

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