Welt-Erste-Hilfe-Tag: Anfangen in Kindergarten und Grundschule

Helfen in allen Lebenssituationen

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DRK-Ausbilder Sascha Kray zeigt den Umgang mit einem Defibrillator. 

Am Samstag ist Welt-Erste-Hilfe-Tag. Wer einen Kurs gemacht hat, weiß, wie er im Notfall Leben retten kann. Doch bei vielen ist der letzte Kurs lange her, meist war es der für den Führerschein. „Man verlernt einiges und es ändert sich auch immer wieder etwas“, weiß der Rotenburger DRK-Ausbilder Sascha Kray. Dabei kann Grundwissen bereits Todesfälle verhindern. Laut einer Studie sterben 50 000 Menschen jährlich an plötzlichem Herzversagen. „Mit einer rechtzeitigen Herzdruckmassage könnten 15 000 von ihnen gerettet werden“, merkt Kray an.

Rotenburg - Der Ausbilder würde es begrüßen, wenn jeder alle fünf Jahre einen neuen Kurs absolviert. Lehrer müssen das bereits alle drei, Handwerker alle zwei Jahre. „Man lernt zunächst das Helfen in allen Lebenssituationen“, erklärt er. Egal ob bei starken Blutungen, Bewusstlosigkeit oder Herzstillstand. In den vergangenen Jahren hat sich zudem gezeigt, wie wichtig der Selbstschutz ist. „Das ist das A und O, das geht vor.“ Gerade bei Blutungen, Erbrechen und Unsicherheit ob ansteckender Krankheiten wie HIV wird gezeigt, wie sich Ersthelfer schützen können. „Nicht nur an den Verletzten denken“, mahne er stets an. Handschuhe, Nothammer und Beatmungsmaske seien daher sinnvolle Utensilien, die man dabei haben sollte. „In anderen EU-Ländern ist die Maske im Verbandskasten gang und gebe. Die sind fortschrittlicher als wir – da hängt Deutschland etwa 20 Jahre hinterher“, verdeutlicht der DRK-Ausbilder.

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Auf Autobahnen passierten immer wieder zusätzliche Unfälle, weil „die Leute kopflos reagieren“. Die Umgebung zu beobachten, auf Faktoren wie Rauch- oder Gasgeruch zu achten, sei wichtig. Die Absicherung von Unfallstellen werde daher ebenfalls geübt, unter anderem das Aufbauen eines Warndreiecks. Auch an Warnwesten erinnert Kray: „Wer keine trägt, wird im Dunkeln etwa 30 Meter vorher erkannt. Mit Weste sind es etwa 120 Meter.“ Unsicherheit sei es meist, die viele Menschen zögern lässt, zu helfen. „Die Leute sind aufgeregt, haben Angst. Aber es ist besser, etwas falsch zu machen, als gar nichts zu machen“, sagt Kray. „Man bricht auch die Rippen, das kann man nicht schön reden. Aber lieber einen Rippenbruch, als tot.“ Für ihn spielt auch das Fernsehen eine Rolle, das durch Arztsendungen falsche Vorstellungen weckt. „Das ist natürlich alles Show.“

Die geplante Einführung der „Mobilen Retter“ im Landkreis findet er sinnvoll. „Damit konnte schon Tausenden das Leben gerettet werden.“ Wenn zwei Helfer alarmiert werden, kann einer Erste Hilfe leisten, der Zweite besorgt einen Defibrillator. In der Kreisstadt sind etwa 160 Stück verteilt. „Das ist noch zu wenig“, sagt der 42-Jährige. Aber die Bedienung sei kinderleicht. Im wahrsten Sinn: „Kinder in der Grundschule werden schon geschult.“ Das Gerät gibt genaue Anweisungen.

Anfangen müsse Erste Hilfe ohnehin in Kindergarten und Grundschule. Altersgerecht lernen die Kleinsten, wie sie helfen können. „Die haben Spaß daran – und manche Kinder können besser Verbände anlegen als Erwachsene“, lobt Kray. „Ein sechsjähriges Kind kann einen bewusstlosen Erwachsenen problemlos in die stabile Seitenlage drehen.“ Im Grunde sollte sich aber jeder Gedanken machen, wann sein letzter Kurs war, meint Kray. „Die meisten Unfälle passieren Zuhause – und man kann nichts verkehrt machen, außer das Nichtstun.“

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