Unterstedter empfiehlt Typisierung

Heiner Pott spendet seine Stammzellen nach Kanada

+
Stammzellenspender Heiner Pott ist froh, einem kranken Menschen geholfen zu haben.

Unterstedt - Von Joris Ujen. Nach seiner selbstlosen Tat habe er noch nie so gut geschlafen wie zuvor. Vielleicht lag das nicht nur an dem stundenlangen Aufenthalt im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, sondern weil er auch einem fremden Menschen aus Kanada dabei geholfen hat, seine Krankheit zu bekämpfen. Heiner Pott aus Unterstedt hat Stammzellen gespendet.

Als der 23-Jährige noch die Berufsbildenden Schulen (BBS) in Rotenburg besuchte, nahm er dort vor zwei Jahren an einer Blutspendeaktion teil. Die Veranstaltung vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) fand erst vor ein paar Tagen wieder in den BBS-Räumen statt. Auf einem Fragebogen gab es neben der klassischen Blutspende auch die Option, sich als Stammzellspender typisieren zu lassen – in diesem Jahr boten die BBS die Typisierung bereits zum fünften Mal an. 

„Ich dachte mir, wenn die Nadel schon drin ist, warum nicht auch gleich registrieren lassen zum Stammzellenspender?“, erzählt der Unterstedter von seiner recht spontanen Handlung. Seine Blutprobe kam darauf hin ins Labor der Deutschen Stammzellspenderdatei (DSD).

Die Wahrscheinlichkeit für eine mögliche Spende liege bei einem Prozent, erklärte Theresa Barsch, Ansprechpartnerin der DSD, bei der jüngsten Aktion in Rotenburg. Heiner Pott war einer von 100: „Ende September vergangenen Jahres bekam ich Post. Darin stand, dass die Spenderdatei wahrscheinlich einen genetischen Zwilling gefunden hat, der in Not ist und mein Knochenmark benötigt. Es wird ernst, schoss es mir durch den Kopf.“ 

„Ein Gesundheitscheck für lau“

Bei seinem Hausarzt folgte dann ein weiterer Bluttest. Im November kam dann die nächste Rückmeldung von der Spenderdatei, die ihm eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Spende attestierte.

Im gleichen Monat ging es für Pott dann zur Untersuchung nach Eppendorf. Das Hamburger Universitätsklinikum überprüfte unter anderem seine Blutwerte, Herzfrequenz und Reflexe. Potts innere Organe wurden mit einem Ultraschallgerät gecheckt. „Das hat natürlich Zeit in Anspruch genommen. Rund acht Stunden dauerten die Tests“, blickt er zurück, sah aber auch einen großen Vorteil des Aufenthalts: „Ich wurde einmal komplett auf Herz und Nieren überprüft. Ein Gesundheitscheck für lau.“

Fünf Tage vor der eigentlichen Abnahme seiner Stammzellen bekam der 23-Jährige ein Medikament verschrieben, dass seinem Körper eine Erkältung vortäuschte. Das klingt seltsam, ist aber notwendig. Denn durch dieses Prozedere wandern vermengt Stammzellen aus dem Knochenmark in den Blutkreislauf, um die Krankheitserreger zu bekämpfen. Alle acht Stunden musste er sich dafür diesen schwachen Virus in die Bauchfalte spritzen. „Das fiel mir ehrlich gesagt auch zu Beginn nicht leicht. Mit der Zeit gewöhnte ich mich aber daran.“

Empfänger ist ein 55-jähriger Mann aus Kanada

Anfang Dezember war dann der Tag der Spende gekommen. Die Nacht zuvor hatte Pott in einem nahegelegenen, „sehr anständigen“ Hotel in Hamburg verbracht – Anreise, Verpflegung und Unterkunft bezahlte die Stammzellspenderdatei. Im Labor angekommen, zapften die Ärzte Blut aus seiner rechten Armvene in den sogenannten Zellseparator. Das Gerät filtert die Stammzellen heraus und das überschüssige Blut landet bei diesem Verfahren über den anderen Arm wieder direkt in den Kreislauf des Spenders zurück. Dieses Verfahren wird zur Stammzellgewinnung am häufigsten verwendet, schreibt die DSD auf ihrer Internetseite. Alternativ wird dem Spender unter Vollnarkose mit einer Spritze Knochenmark direkt aus dem Beckenknochen entnommen.

„Nach vier Stunden waren die Ärzte mit der Menge an Stammzellen zufrieden und ich konnte gehen.“ Doch wer ist der Empfänger? Heiner Pott weiß bisher nur, dass es ein 55-jähriger Mann aus Kanada ist. „Wie es ihm geht und was für eine Krankheit er hat, weiß ich nicht. Vier Monate nach dem Eingriff darf ich das bei der Stammzellspenderdatei in Erfahrung bringen.“ Das wäre im März. Der Unterstedter überlegt auch, seinem genetischen Zwilling einen Brief zu schreiben.

Heiner Pott aus Unterstedt kann die Typisierung nur weiterempfehlen. Auch wenn er kleinere Strapazen auf sich nehmen musste, „weißt du, dass es einem Menschen im Moment wesentlich schlechter geht“.

Spenderdatei

Die Deutsche Stammzellenspenderdatei ist eine von rund 25 Anlaufstellen in Deutschland für die Registrierung von Typisierungen. Interessierte können unter www.zkrd.de/de/adressen die nächstgelegene Adresse heraussuchen, Kontakt aufnehmen und sich die notwendigen Unterlagen zuschicken lassen. Das Zentrale Knochenmarkspender-Register (ZKRD) mit Sitz in Ulm verwaltet alle gesammelten Daten der einzelnen Spenderdateien zentral und anonym, um so eine Suche nach möglichen Stammzellspendern zu ermöglichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

„Summer Sounds“ in Bremen 

„Summer Sounds“ in Bremen 

Beachvolleyball-Tunier in Rethem

Beachvolleyball-Tunier in Rethem

Erntefest in Neddenaverbergen 

Erntefest in Neddenaverbergen 

DFB-Pokal: Blamage für Frankfurt - Werder im Torrausch, VfB ist raus

DFB-Pokal: Blamage für Frankfurt - Werder im Torrausch, VfB ist raus

Meistgelesene Artikel

Lars Kühnast und Meike Loewel holen sich die Titel

Lars Kühnast und Meike Loewel holen sich die Titel

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Gasalarm am Brockeler Bussardweg - Baggerfahrer reißt Leitung auf

Gasalarm am Brockeler Bussardweg - Baggerfahrer reißt Leitung auf

Bötersener Dorfladen: 104 Gesellschafter im ersten Anlauf

Bötersener Dorfladen: 104 Gesellschafter im ersten Anlauf

Kommentare