Der heimische Tropfen ist fruchtig und angenehm trocken

„(Wein)verrückte“ Winzer aus Unterstedt

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Tatsächlich: Es gibt Wein aus Unterstedt.

Unterstedt - Von Heinz Goldstein. Fünf Unter-stedter „(wein)verrückte“Bürger sind seit der Jugend zusammen und haben viele Jahre gemeinsame Touren durch Deutschland besonders in die Weinanbaugebiete unternommen. Schon damals entdeckten sie ihr Interesse für den Weinanbau. Als „Unterstedter Winzergemeinschaft“ haben sich Joachim (Ocki) Cordes, Matthias Schimmöller, Joachim Weber, Rainer Bode und Martin Busch einen Herzenwunsch erfüllt und bauen auf einem Feld in ihrem Dorf ihren eigenen Wein an und keltern die Trauben zu einem ganz besonderen heimischen Tropfen.

„Mmhhh, fruchtig und doch angenehm trocken“ – während einer kleinen Weinprobe erzählen zwei Mitglieder der Winzergemeinschaft, wie sie auf die Idee gekommen sind, in dieser Region Weinanbau zu betreiben – und sei es auch nur als Hobby.

„Der Ideengeber ist Joachim Cordes gewesen. Der hatte schon vor langer Zeit damit begonnen, Wein in seinem Garten anzupflanzen. Und es dauerte nicht lange, da hatten auch seine Freunde Weinpflanzen im Garten“, hat Hobbywinzer Weber gleich eine Antwort parat. Da dies in unseren Gefilden nicht unbedingt normal ist, gibt Cordes auch sofort eine Erklärung: „Ich habe vor mehr als 30 Jahren ein halbes Jahr bei einem Winzer in Frankreich gelebt“, erzählt er. Das habe für wenige Flaschen Traubensaft gereicht. Von Keltern war damals zunächst noch keine Rede.

Der Impuls, ein Weinfeld anzulegen, sei erst während der ersten Rowdinale in der Kreisstadt entstanden, als der Winzer Pascal Balzhäuser aus Gimbheim (bei Nierstein) einen Weinstand aufgebaut hatte. „Wir kamen ins Gespräch, und der Experte war bereit, uns bei dem Vorhaben, ein Weinfeld anzulegen und später die Trauben zu keltern, mit den erforderlichen Zutaten und Material zu unterstützen“, so Cordes. Der Weingutbesitzer schaue noch heute mindestens einmal im Jahr vorbei und stehe den Unterstedtern stets mit Rat und Tat zur Seite. Ein befreundeter Landwirt hat für den Anbau einen Teil einer großen Wiese zur Verfügung gestellt. Dort stehen nun sechs Reihen mit insgesamt rund 100 Rebstöcken der Sorten Regent (für Rotwein) und Phönix (für Weißwein). Die Pilzanfälligkeit sei bei den Pflanzen besonders gering. Trotzdem haben die Unterstedter mit Meltau zu kämpfen, und ein Maulwurf hat die Wurzeln einiger Rebstöcke als besondere Delikatesse ausgesucht.

„Dennoch, wenn alles so gut läuft wie im vergangenem Jahr, keltern wir aus den Trauben eines Rebstockes rund zwei Liter heraus“, freut sich Cordes über den Erfolg. Während der vergangenen fünf Jahre hätten sie aber so manches Lehrgeld bezahlt. Denn das Beschneiden der Rebstöcke, die Düngung und auch das Behandeln mit Schwefel seien eine Wissenschaft für sich.

Die Weinernte ist im Oktober. „Dann helfen viele Freunde mit“, so Cordes. „Nach der Lese werden die Trauben vom Wein getrennt und dann von den Stielen befreit“, erklärt er. Dann seien Füße gefragt, um in einem Bottich die Trauben zu zertreten und eine Maische zu erhalten. „Für die Herstellung unseres Weißweines wird die Maische sofort gepresst. Für Rotwein muss diese noch längere Zeit stehen gelassen werden. Der herausgepresste Saft wird in beiden Fällen mit Hefe und Schwefel versehen und in große Glasgefäße (Demion) gefüllt. Dann beginne der Gärungsprozess.

Nach rund drei Monaten wird der Wein in Flaschen abgefüllt. Zumeist in Halb- oder Viertelliterflaschen mit Dreh- oder Klappverschluss. Gemeinsam genießen sie dann mit Freunden den so entstandenen „Roten“ oder „Weißen“ auf einem intimen Weinfest. Was übrig bleibt, muss bis zur nächsten Lese reichen.

„Unser Ziel ist es, eines Tages so weit zu sein, dass wir den Wein in normale Weinflaschen abfüllen können“, blickt Cordes in die Zukunft. Dann soll auch ein Etikett mit Unterstedter Wappen die Flasche zieren.

Ocki Cordes hat für 2016 große Pläne. „Am Rotenburger Stadtstreek soll am dritten Wochenende im August ein Weinfest über die Bühne gehen“, so der Hobbywinzer. Er habe bereits mit der Stadt und den entsprechenden Geschäftsleuten in Rotenburg Verbindung aufgenommen. Wenn alles in trockenen Tüchern ist, werde dieser Termin im Veranstaltungskalender der Stadt aufgenommen. „Dann haben die Besucher die Möglichkeit, unseren Wein einmal persönlich zu probieren“, so Cordes.

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