Sonntag Verabschiedung im MGH

Nach 20 Jahren als Ortsbürgermeister in Waffensen: Hartmut Leefers nimmt seinen Hut

Hartmut Leefers auf seiner Terrasse. Dort kann er künftig noch mehr Zeit verbringen.
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Hartmut Leefers auf seiner Terrasse. Dort kann er künftig noch mehr Zeit verbringen.

Rotenburg – Ein Abschied auf Raten kommt für Hartmut Leefers nicht infrage. Er zieht einen klaren Schlussstrich – als Mitglied im Kreistag, im Stadt- sowie im Ortsrat. Und er nimmt nach nun 20 Jahren auch seinen Hut als Ortsbürgermeister in der Rotenburger Ortschaft Waffensen. Sonntag steht seine Verabschiedung im Mehrgenerationenhaus (MGH) auf dem Programm. Leefers weiß schon jetzt: „Es wird sehr emotional, und ich werde bestimmt sentimental.“

Der Grund dafür liegt klar auf der Hand: Seit seiner Geburt vor 68 Jahren ist er in dieser heute 900 Einwohner zählenden Ortschaft zu Hause und fest verwurzelt. Leefers spricht von der besonderen „Bodenhaftung“ und unterstreicht: „In der Stadt wäre ich erstickt.“ Nach wie vor lebt er in dem Haus, das er 1976 mit seiner ersten Frau bezogen hat. 1 900 Quadratmeter ist das Grundstück groß. Nach dem Tod seiner Frau hat er ein zweites Mal geheiratet. Gaby hat – wie er auch – zwei Kinder. Da kann es schon mal voll werden, wenn die sieben Enkel Haus und Garten unsicher machen und „Opa Hartmut“ auf der überdachten Terrasse kocht.

Doch in den zurückliegenden Jahren war Hartmut Leefers immer auch viel unterwegs. Beruflich als Fernmeldehandwerker der Telekom und später als Mitarbeiter im Vertrieb, aber eben auch als ein Mann, der sich auf vielen Ebenen ehrenamtlich eingebracht hat. „Ich habe schon früh dieses Glücksgefühl gespürt, wenn man sich engagiert.“ Genau das sei sein Credo, seine Intuition.

Nicht nur Hartmut Leefers, sondern auch sein Bruder Friedrich sowie seine Schwester Karin sind in Waffensen geblieben. Vater Friedrich war ihnen ein gutes Vorbild. Von 1972 bis 1990 grüßte der schon als Bürgermeister. „In der Zeit habe ich viel davon mitbekommen, das hat mich ein bisschen süchtig gemacht“, sagt Hartmut Leefers. Das sei die Grundlage gewesen, selbst in die Kommunalpolitik einzusteigen. Seit 1986 ist er Mitglied in der CDU, fünf Jahre später ging es dann so richtig los. Von da an bis 1998 war er Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes Rotenburg, und er nahm Platz im Ortsrat sowie im Stadtrat – in beiden Fällen bis Ende dieses Monats.

Damit war dann auch seine Zeit als Alleinunterhalter beendet. 13 Jahre lang hatte er immer an den Wochenenden einen vollen Terminkalender. Leefers spielt Akkordeon, Keyboard und Klavier. Zu sehen ist davon heute noch viel in seiner „Schaltzentrale“, dem Büro im oberen Geschoss seines Hauses. Mit dem Start in der Politik wechselte er „von einer Bühne auf die andere“. Jetzt war allerdings Teamwork gefragt. „In der Politik geht es immer um Kompromisse. Und zunächst gilt es, erst einmal Mehrheiten in den eigenen Reihen zu erzielen.“ Aber nein, Politik sei aus seiner Sicht „kein schmutziges Geschäft“. Doch es werde intrigiert, gekungelt und verhandelt. Grundsätzlich gehe es jedoch immer auch um eine vertrauensvolle Zusammenarbeit – intern und im Zusammenspiel mit anderen Parteien.

„Ich möchte mit den anderen auch später noch ein Bier trinken können“ – so bringt es der 68-Jährige auf den Punkt. Er habe sich auch nie wie ein Dorffürst gefühlt. „Es hat ja auch Kritik gegeben“, sagt er. Jetzt jedoch strahle ihm mehr und mehr Anerkennung entgegen – er freut sich nicht zuletzt deshalb auf die Verabschiedung im MGH. Es seien „die Früchte meiner Tätigkeit, die ich jetzt ernten und genießen darf“. Dennoch: An erster Stelle stehe immer Demut. Das sei enorm wichtig, „gerade bei einer Ämter-Häufung“.

In der Politik geht es immer um Kompromisse. Und zunächst gilt es, erst einmal Mehrheiten in den eigenen Reihen zu erzielen.

Hartmut Leefers

Die liegt bei Hartmut Leefers definitiv vor. Doch sie sei ein ganz wesentlicher Grund für das aus seiner Sicht vielleicht bedeutendste Projekt dieser Ortschaft gewesen: das MGH. Als es im Ort um die Frage ging, wie eine Zersiedlung des zentral gelegenen Worthmanns Hoffs zu verhindern ist, habe es viele Ideen und Visionen gegeben. Schlussendlich habe sein Netzwerk wesentlich dazu beigetragen, das aus diesem Hof zu machen, was er heute ist: ein Mehrgenerationenhaus. „Wir wussten doch vorher gar nicht, was das ist.“ Leefers schmunzelt.

Heute sei es zu 100 Prozent genau das, was es sein soll: „Ein offener Treffpunkt, an dem das gemacht wird, was früher zu Hause passierte.“ Die Alten helfen den Jungen – und umgekehrt. „Doch jetzt wirkt genau das über den Tellerrand hinaus, wir haben uns geöffnet – und damit gibt es auch Einflüsse von außen“. Hartmut Leefers fasst die Entwicklung im und rund um das MGH herum so zusammen: „Die Menschen haben den Strukturwandel im Miteinander mitgemacht.“

Jetzt zieht sich der Ortsbürgermeister nach 20 Jahren also zurück und überlässt anderen das Feld. Lediglich als Vorsitzender der Kontaktstelle Musik mache er weiter, und auch die Mitarbeit im Vorstand der Wümme-Wieste Gesund-Region setzt er fort. Eine Entscheidung, die an vielen Stellen die Suche nach Nachfolgern erforderlich macht: Der Touristikverband Landkreis Rotenburg braucht einen neuen Vorsitzenden, der Kulturförderverein ebenfalls. Und auch seine Tätigkeiten als ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht Stade sowie am Oberverwaltungsgericht Lüneburg müssen nun andere übernehmen.

Mit Blick auf die Feier am Sonntag im Mehrgenerationenhaus sagt Hartmut Leefers: „Mein ganzes Leben geht mir dabei durch den Kopf.“ Damit wird klar, warum der langjährige Ortsbürgermeister sentimental werden wird.

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