Ablenkung durch elektronische Geräte: Rotenburger Polizei kontrolliert verstärkt

Handy am Steuer: Erschreckend viele Verstöße

Die Polizeikommissare Dana Cordes und Christopher Mönkehues kontrollieren eine Autofahrerin.
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Die Polizeikommissare Dana Cordes und Christopher Mönkehues kontrollieren eine Fahrerin, die ihr Handy während der Fahrt in der Hand hatte.

Immer mehr, teils schwere, Unfälle passieren, weil Menschen hinter dem Steuer abgelenkt sind – meist durch Tippen und Telefonieren mit ihren Smartphones. Um auf die Gefahren aufmerksam zu machen, hat die Polizeiinspektion Rotenburg kreisweit Kontrollen durchgeführt.

Rotenburg – Es gibt unterwegs zahlreiche Ablenkungen für Autofahrer. Eine, die in den vergangenen Jahren besonders stark zugenommen hat, ist die Ablenkung durch elektronische Medien – also vorrangig durch Handynutzung. Deswegen ist die Polizeiinspektion Rotenburg am Dienstag im gesamten Landkreis im Einsatz und führt an mehreren Stellen inner- und außerorts Kontrollen durch. Sie will Fahrer für das Thema sensibilisieren – um eine Strafe kommen sie bei Verstößen aber nicht herum.

„Da sind wir rigoros“, sagt Polizeikommissarin Dana Cordes, die mit der Organisation und Durchführung der Aktion beauftragt ist. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Christopher Mönkehues steht sie am Vormittag an der Rotenburger Hollestraße. Ein weiterer Kollege hat sich an der Verdener Straße kurz vor der Einfahrt postiert, ein Auge auf die Verkehrsteilnehmer. Kurz darauf halten sie die erste Frau an. Sie zeigt ihre Papiere vor – und sich einsichtig. „Ich habe in dem Moment nicht drüber nachgedacht – das habe ich verbockt“, gibt sie zu. Sie verspricht, das Handy während der Fahrt nicht mehr in die Hand zu nehmen – und sich zeigen zu lassen, wie ihre Freisprecheinrichtung funktioniert.

Sie ist nicht die erste und nicht die letzte. Einsichtig seien sie meist, erklärt Cordes. Dass ihr Verhalten falsch ist, wissen sie – das Unrechtsbewusstsein fehlt aber. „Dass es gefährlich ist, im schlimmsten Fall mit einem Unfall enden kann, ist ihnen nicht bewusst.“ Oft lernten sie es erst, wenn etwas passiert ist. Es werde unterschätzt, wie unkonzentriert man selbst beim Sprechen beim Fahren ist. „Man ist kognitiv abgelenkt und unvorsichtiger“, erklärt die Kommissarin. Das vorausschauende Fahren falle weg. Deswegen habe sich die Polizeiinspektion das Thema groß auf die Fahnen geschrieben.

Teure Ablenkung vom Straßenverkehr

Wer mit dem Handy in der Hand beim Fahren erwischt wird, muss mit hohen Strafen rechnen. Bei einem Verstoß werden 100 Euro Bußgeld plus Verwaltungskosten fällig, erklärt Polizeikommissarin Dana Cordes von der Polizeiinspektion Rotenburg. Dazu gibt es einen Punkt in Flensburg. Wer dadurch andere gefährdet, zum Beispiel, weil er in Schlangenlinien fährt, muss 150 Euro zahlen. Dazu gibt es zwei Punkte in Flensburg und einen Monat Fahrverbot. Entsteht durch die Ablenkung ein Unfall, werden 200 Euro fällig. Auch dann gibt es zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot für den unaufmerksamen Fahrer. Teuer wird es auch für Radfahrer mit Handy in der Hand: Sie zahlen 55 Euro Bußgeld, wenn sie erwischt werden. Seit Dezember werden in Niedersachsen Verkehrsunfälle durch Ablenkung über technische Geräte in der polizeilichen Unfallstatistik gesondert erfasst.

Dabei ist das Fahren mit dem Handy in der Hand längst keine Bagatelle mehr. So entstehen zunehmend schwere Unfälle, sagt Polizeipressesprecher Heiner van der Werp. Wer den Blick von der Straße abwendet, fährt im Blindflug. Innerhalb von einer Sekunde legt ein Auto im Stadtverkehr bei 50 Stundenkilometern bereits 14 Meter zurück. Läuft also ein Kind in diesem Moment auf die Straße, bleibt dem Fahrer keine Zeit, zu reagieren.

Mit Schockmomenten versuchen Polizisten auch, in Fahrschulen für das Thema zu sensibilisieren. Sie klären über die Gefahren auf und zeigen Unfallfotos – „es muss in die Köpfe rein“, sagt Cordes. Erst im März haben die Kommissarin und Mönkehues, die bei der Autobahnpolizei Sittensen arbeiten, an der Autobahn kontrolliert – und es sei erschreckend, wie viele Verstöße es gegeben habe. Dabei sei es egal, ob Auto- oder Lkw-Fahrer, jung oder alt, männlich oder weiblich. Doch gerade auf der Autobahn entstehen schnell Auffahrunfälle, auch schwere.

Dass es gefährlich ist, im schlimmsten Fall mit einem Unfall enden kann, ist ihnen nicht bewusst.

Polizeikommissarin Dana Cordes

Meist sei die Nutzung nicht direkt nachweisbar, „aber wenn das Handy zwischen Fahrer und Windschutzscheibe klebt“, sei das eindeutig, so Mönkehues. Zu verlockend ist es oft, wenn das Handy greifbar ist. „Es ist immer die Zeit, wenn es klingelt, ranzufahren und anzuhalten“, ergänzt seine Kollegin. „Dazu muss man keine anderen Leute gefährden. Nichts ist wichtiger, als heil nach Hause zu kommen“ Denn selbst wenn das Auto noch rollt, ist es ein Verstoß.

Letztlich liegt es in der Verantwortung jedes Einzelnen, ob er beim Fahren das Handy in die Hand nimmt. Die Polizei versucht mit Aktionen wie diesen und Kooperationen, gegenzusteuern. Deswegen wird es im Laufe des Jahres zwei weitere große Kontrollen geben. „Wir versuchen, aufzuklären, den Leuten ins Bewusstsein zu rufen, wie gefährlich das wirklich ist. Wir sind nicht dafür da, möglichst viele Verstöße aufzudecken.“

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