Software-Entwickler PDS erhält Auszeichnung

Handwerker-App „Made in Rotenburg“

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Bastian Kohlmeyer entwickelte 2012 die Handwerker-Software. Neben der Weiterentwicklung der App träumt der IT-Fachmann schon von dem nächsten digitalen Schritt.

Rotenburg - Von Joris Ujen. 186 Kilometer von Rotenburg entfernt liegt die Gemeinde Hüllhorst in Nordrhein-Westfalen. Ein Ort, den hier wahrscheinlich kaum jemand kennt. Doch in der 13.000-Seelen-Gemeinde steht ein Rechenzentrum mit Hochleistungsservern, die auch im Landkreis von Nutzen sind. Dort lagern wichtige digitale Daten für viele mittelständische Handwerksunternehmen. Warum? Weil durch die eigens programmierte Handwerkersoftware des Rotenburger Unternehmens „Programm + Datenservice GmbH“ (PDS) den Mittelständlern Zeit und Geld erspart werden sollen. Im Gespräch mit der Kreiszeitung erklären die Software-Entwickler aus Rotenburg, die für das Programm den „Digital Award Handwerk 2017“ erhalten haben, wie dieses genau funktioniert.

„Digitalisierte Unternehmen schlagen diejenigen Firmen, die nicht auf den digitalen Zug aufgesprungen sind“, bringt es PDS-Prokurist und Vertriebsleiter Jörg Bilz auf den Punkt. Bastian Kohlmeyer, sogenannter Head of Product Management, habe diesen notwendigen Schritt vor sechs Jahren erkannt: 2012 entwickelte er mit seinen IT-Kollegen an der Mühlenstraße den ersten Prototypen der Handwerker-Software. Fünf Monate dauerte es, bis die Entwickler mit der ersten Fassung zufrieden waren und sie online ging. In den Folgejahren entwickelten die Programmierer die Software mit vier größeren Updates stetig weiter. 

Kohlmeyer habe damals das Smartphone als „digitalen Konnektor“ erkannt, erklärt Bilz, der selbst eher das Tablet favorisierte. „Unsere Meinung war sehr konträr“, so Bilz, „aber letztendlich haben wir uns für die Entwicklung auf dem Smartphone entschieden. Das hielt ich damals für unwahrscheinlich, Kohlmeyers Prognose hat sich aber bewahrheitet.“ Jeder Kunde habe ein Smartphone, Tablets nur wenige.

Praktisches Beispiel der Handwerkersoftware

Die PDS-Handwerkersoftware ermögliche die digitale Übermittlung unter anderem von Aufträgen, Aufgabenchecklisten, Arbeitszeiten, Objektstammdaten, Bestellungen und Informationen wie Handbücher und Ersatzteilkataloge. 

Doch wie funktioniert der mobile Einsatz des Programms in der Praxis? Anhand eines fiktiven Auftrages erklärt der Programmierfachmann die Handhabung seiner Applikation: Ein Monteur wird beispielsweise am Wochenende von einem Kunden via App beauftragt, seine Heizung zu reparieren. Der Fachmann legt daraufhin einen Auftrag mittels App an. Das Programm zeigt dem Monteur eine Auswahl der Sanitäranlagen zur passenden Adresse und schlägt ihm mögliche Störungen vor. Alternativ trägt der Nutzer das Problem manuell ein.

Anschließend wird der Auftrag mit den Servern in Hüllhorst synchronisiert, wodurch das Sanitärunternehmen erfährt, wo sein Monteur im Einsatz ist. Sofern vermerkt, kann der Monteur auch auf die Leistungsdaten und den Typen des Heizkörpers sowie auf die Wartungsverträge zugreifen – ohne überhaupt vor Ort zu sein. Eine Karte mit GPS zeigt ihm zudem die zu fahrende Route an, eine Fingerbewegung auf das Telefonsymbol ermöglicht die schnelle Kontaktaufnahme zum Kunden. Eine Checkliste wiederum weist den Heizungsmonteur auf die zu erledigenden Arbeiten hin, wie beispielsweise die Prüfung des Thermostats.

„Simpel und einfach zu verstehen“

Ist die Reparaturarbeit erledigt, kann der Nutzer manuell oder per Spracherkennung noch erläutern, was er getan hat. „Ist zum Beispiel der Schaden der Heizung behoben, kann der Monteur das innerhalb der App fotografisch festhalten“, erklärt der Erfinder der App. Fotos können zudem direkt bearbeitet werden, um auf mögliche Probleme eines Gerätes hinzuweisen. 

Nach getaner Arbeit fehlt nur noch die Unterschrift des Auftraggebers, der einfach mit seinem Zeigefinger auf dem Smartphonedisplay des Monteurs signiert. Die Bestätigung wird unmittelbar an die beauftragte Firma gesendet, die dann die Rechnung schreiben kann. „Auch wenn im Hintergrund viele komplexe Prozesse ablaufen, ist der Umgang mit der App simpel und einfach zu verstehen“, so Bilz.

Und was ist mit Handwerkern, die nicht so affin mit dem digitalen Werkzeug auf dem Smartphone sind? Kohlmeyer: „Dafür bieten wir Schulungen an. Jährlich kommen rund 2 000 Interessierte zu unseren Seminaren. Im Idealfall hat eine Firma junge Mitarbeiter, die mit Computern und Smartphones groß geworden sind und quasi als Vorreiter ihren Arbeitskollegen vorleben, welche Vorteile sich daraus ergeben.“

Mit dem „Digital Award Handwerk“ ausgezeichnet

Wie gut die Software funktioniert, bestätigte Ende 2017 das „forum handwerk digital“, das das Rotenburger Unternehmen mit dem „Digital Award Handwerk“ auszeichnete. „Wir sind ungemein stolz auf die Auszeichnung“, freut sich Bilz. „2016, als der Award zum ersten Mal verliehen wurde, schafften wir es unter die besten zehn App-Anbieter, jetzt haben wir Gold.“

Im Landkreis Rotenburg nutzen bereits rund 400 Unternehmen die digitalen Werkzeuge der PDS, bundesweit sind es rund 3 200 Kunden mit 50.000 Mitarbeitern. „Interessanterweise sind über 5 000 Monteure in Deutschland mit einer digitalen App ausgestattet“, zählt Bilz auf. Vor der Technologie auf dem Smartphone habe die PDS klassische Computerprogramme vertrieben. „Innerhalb von acht Jahren hatten rund 2 000 Monteure die Software genutzt. Bilz: „Jetzt nach vier Jahren haben wir mehr als das doppelte an App-Benutzern, weil die Zugänglichkeit eines Smartphones wesentlich höher ist.“

35 Entwickler arbeiten in Rotenburg, sieben weitere am Bremer Standort, um die Software regelmäßig zu aktualisieren, aber auch neue Programme zu entwickeln. Zum Schutz vor Stromausfällen wird das Rechenzentrum in Hüllhorst von zwei externen Stromleitungen aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen versorgt. Sollten diese ausfallen, sorgen Batterie-Aggregate, ein Dieselmotor und Solarenergie für den elektrischen Saft aus der Dose. 

Schulungen im Unternehmen

Verschlüsselungen und Firewalls sollen den Datenschutz garantieren. Um die Datensicherheit, Back-ups und Wartung kümmert sich das Softwareunternehmen aus der Kreisstadt.

Und was kommt als Nächstes? Vielleicht sind es sogenannte Mixed-Reality-Brillen, die dem Benutzer ein anpassbares Interface durch die Linsen darstellen, prognostiziert Kohlmeyer. Die PDS hat bereits solch ein Gerät und probiert die Möglichkeiten täglich aus. So ist es laut dem Entwickler denkbar, dass schon bald Handwerker oder Architekten in einen leeren Raum gehen und ihn anhand der Projektionen digital neu gestalten können.

Handwerksunternehmen, die Interesse an der aktuellen App haben, können sich bei der PDS unter 04261 / 855302 dafür anmelden. Der Zeitaufwand für die richtige Nutzung der Software sei laut Bilz gering. Ein PDS-Mitarbeiter kommt in das Handwerksunternehmen und schule es innerhalb weniger Tage.

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