Rotenburg: Haltestelle statt Hausbesuche

Sternsinger haben es schwer in der Pandemie

Pfarrer Stefan Reinecke mit dem Segensschriftzug, der als Aufkleber im Sternsinger-Tütchen steckt.
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Pfarrer Stefan Reinecke mit dem Segensschriftzug, der als Aufkleber im Sternsinger-Tütchen steckt.

Rotenburg – Für die Kinder, die sich Jahr für Jahr an der Sternsinger-Aktion beteiligen, ist es ganz sicher enttäuschend. Aber Stefan Reinecke als Pfarrer der katholischen Corpus-Christi-Gemeinde in Rotenburg, zeigt Verständnis dafür, dass sich die Menschen zurzeit aus Sicherheitsgründen zurückhalten. Waren es sonst immer 150 bis 200 Anmeldungen von Privatpersonen, Einrichtungen und Institutionen, die sich einen Besuch der Sternsinger gewünscht hatten, sind es in diesem Jahr gerade einmal fünf Anmeldungen, die die Gemeinde erreicht haben.

Dennoch wird sich eine Gruppe von etwa zehn Kindern in diesen Tagen im Rahmen der „Aktion Dreikönigssingen“ auf den Weg machen – zum Beispiel am Freitagvormittag im Rotenburger Rathaus. Reinecke unterstreicht schließlich die Bedeutung dieser „größten Hilfsaktion von Kindern für Kinder“: „Allein in Deutschland sind seit dem Auftakt 1958 rund 1,2 Milliarden Euro zusammengekommen. Geld, das bei Kindern und entsprechenden Einrichtungen in vielen Ländern der Welt ankommt.“ Darüber, so der Pfarrer, gebe im Nachhinein stets das Kindermissionswerk – das organisatorische Dach der Sternsinger – in seinem jährlichen Rechenschaftsbericht Auskunft.

Angesichts der geringen Zahl von Anmeldungen in diesem Jahr fällt die Aktion allerdings nicht komplett ins Wasser. Weil aufgrund der Pandemie eben so gut wie keine Hausbesuche stattfinden können, bietet die katholische Kirche an der Nordstraße allen Interessierten eine „Haltestelle“ in der Kirche an. Dort liegen nicht nur die Informationen zu dieser Aktion bereit, sondern daneben sind auch kleine Tütchen zum Mitnehmen im Angebot. „Darin findet sich ein Aufkleber mit dem Segen dieses Jahres, den die Kinder im Normalfall über oder neben die Eingangstür schreiben. Außerdem gibt es ein Gabentütchen darin sowie ein Informationsblatt“, erklärt Reinecke. Viele Gemeindemitglieder haben sich bereits eingedeckt, um ihre Spende in das Gabentütchen zu stecken, das sie im Anschluss in die „Schatztruhe“ werfen, die ebenfalls in der Kirche zu finden ist.

In den zurückliegenden Jahren hat sich die „Schatztruhe“ stets gut gefüllt: 5 000 bis 6 000 Euro waren es etwa, die Pfarrer Reinecke weiterleiten konnte. „Die Menschen in unserer Gemeinde unterstützen die Aktion immer sehr gerne“, sagt er. Dennoch: In der Pandemie reduziert sich die Spende deutlich – im vergangenen Jahr seien nur noch 3 000 bis 4 000 Euro zusammengekommen. „Nein, ich bin deswegen nicht traurig“, sagt Reinecke. Schließlich müsse man Verständnis dafür haben, wenn sich die Menschen zurückhalten und vorsichtig sind. Auch in den Gottesdiensten am Sonntag – es sind zurzeit immer zwei – ist angesichts der Corona-Hygienemaßnahmen zurzeit weniger los. 48 Plätze stehen zur Verfügung – sonst sind es mehr als 200.

Nicht nur Pfarrer Reinecke, sondern auch der Gemeindereferent Michael Hanke begleitet die Sternsinger auf dem Weg zu ihren Terminen. Mit im Gepäck haben die beiden sowie die Kinder immer auch alle Informationen zur aktuellen Aktion. Diesmal, so Reinecke, stünden die armen Länder Afrikas beispielhaft im Fokus. Ägypten, Sudan und Ghana würden aufgeführt, um deutlich zu machen, woran den Kindern in diesen Ländern mangelt. Da geht es um die Gesundheit, aber auch um die Bildung.

Die Corpus-Christi-Gemeinde hat derzeit 6 000 Mitglieder von Zeven bis nach Visselhövede. Diese Zahl sinkt zurzeit allerdings deutlicher als in den Jahren zuvor. „Wir verlieren durchschnittlich 100 Mitglieder durch Kirchenaustritte“, berichtet Reinecke im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Gründe würden nur selten bekannt. Manchmal seien es finanzielle Probleme, es sei aber durchaus denkbar, dass die Missbrauchsaffäre in der katholischen Kirche selbst in Rotenburg Auswirkungen hat, weil sich die Menschen von der Kirche abwenden. Thema sei es stellenweise auch in der Corpus-Christi-Gemeinde. „Von Missbrauchsfällen hier ist uns allerdings nichts bekannt.“

Dennoch weiß auch der 61-jährige Geistliche, der seit Ende 2015 die Geschicke der Rotenburger Gemeinde lenkt, dass die zunehmende Zahl von Austritten Folgen hat. Bereits seit längerer Zeit schon werden im Bistum Hildesheim immer wieder Pfarreien zusammengelegt. Denn parallel zum Verlust von Kirchensteuer zahlenden Mitgliedern fehlt mehr und mehr der geistliche Nachwuchs. „Auch die Gemeinden in Zeven und Rotenburg sind 1996 zusammengelegt worden“, so Reinecke. Damit, sagt er, steige die Belastung der Pfarrer – ihr Zuständigkeitsbereich werde größer, das koste Zeit und mache zunehmend die Hilfe von Ehrenamtlichen erforderlich. Für die Sternsinger-Aktion allerdings nimmt er selbst sich immer die erforderliche Zeit. In diesem Jahr ist der Aufwand dafür allerdings überschaubar.

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