Händler auf dem Rotenburger Wochenmarkt verraten ihre Tricks im Winter

Mit Zwiebellook und Styropor gegen die Kälte

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Dirk Siewert verkauft frisch geräucherte Forellen auf dem Markt.

Rotenburg - Von Stefanie Heitmann. Erst Herbststürme, nun Graupel und Schnee: Die Beschicker, die auf dem Rotenburger Wochenmarkt ihre Waren anbieten, müssen wetterfest und hart im Nehmen sein, um bei der ungemütlichen Witterung den Samstag auf dem Pferdemarkt zu verbringen. Einige ihrer Kniffe gegen die Kälte haben die Händler preisgegeben

er Himmel über der Rotenburger Innenstadt kann sich an diesem Samstagvormittag nicht so recht entscheiden. Zwischen dunkelgrauen tief hängenden Wolken reißt es kurz auf, etwas blauer Himmel ist zu sehen, die Sonne schickt ein paar Strahlen und taucht die nassen Pflastersteine in weißes Licht. Doch nach ein paar Minuten setzen wieder Schauer ein, feiner Sprühregen wechselt sich mit vielen dicken Tropfen ab. Der schneidende Wind und die kühlen sechs Grad Celsius tragen auch nicht zum Wohlfühlen bei. „Das ist noch nicht kalt“, sagt Dirk Siewert, Inhaber der Teichwirtschaft Jarlingen, der seit zehn Jahren einen Stand auf dem Markt betreibt. Viel Schutz hat er vor dem Wetter an diesem Tag nicht. Nur ein großer Schirm ist über dem Verkaufstresen und dem Regal, an dem die geräucherten Fische auf ihren Verkauf warten, gespannt. Siewert trägt eine Mütze und eine Fleece-Jacke unter seiner Schürze. „Wenn es richtig kalt oder sehr stürmisch wird, kann ich eine Schutzplane am Schirm befestigen“, sagt Siewert.

Das ganze Jahr über bietet der Händler Fische auf dem Markt an, die er in seinem mobilen Ofen vor Ort frisch räuchert. Wenn die Temperaturen unter Null fallen, legt er eine Styroporplatte unten auf den Boden, „das isoliert und hält die Füße länger warm“. Eine kleine gasbetriebene Heizung habe er für besonders kalte Tage auch. „Man härtet ab, wenn man so viel Zeit draußen verbringt“, sagt Siewert, der auch in Soltau, Visselhövede, Schneverdingen oder Walsrode seine Fische anbietet. Und zur Not habe er immer noch den Räucherofen, an dem er sich die Hände wärmen kann, scherzt Siewert. Nicht die Kälte sei für ihn problematisch, sondern schwerer Sturm. „Ich kann zwar den Schirm mit Gewichten beschweren, aber bei Böen wie bei dem letzten Sturm komme ich nicht auf den Wochenmarkt. Der Schirm könnte umfallen, das ist zu gefährlich“, so der Händler. Auch Norbert Jörs ist an seinem Blumenstand nur durch einen großen Schirm vor Regen oder Schnee geschützt. Er hat eine andere Strategie, der Kälte zu trotzen: „Das geht ganz gut mit dem Zwiebelprinzip“, sagt Jörs. Er ziehe mehrere Schichten Kleidung übereinander an, die ihn wärmen, ganz so, „als wenn man ins Stadion geht“.

Brütende Hitze im Sommer oder eisige Kälte im Winter? Was für den Gärtnerei-Inhaber aus Brockel erträglicher ist, kann er nicht genau sagen: „Mal so mal so. Wir kennen ja richtige Hitze auch aus unseren Gewächshäusern.“ Zur Zeit seien die kühlen Temperaturen noch auszuhalten, so der Gärtner, der neben vielen Kränzen und Gestecken bald auch Weihnachtsbäume anbieten wird. Und wenn es doch zu nass und kalt wird, helfe neben einem zusätzlichen Windschutz noch immer das beste Mittel, weiß Jörs: heißer Tee oder Kaffee.

Unsere Autorin hat für unsere Serie die Wochenmärkte der Region besucht. Kommende Woche blicken wir im zweiten Teil nach Scheeßel.

Rotenburger Wochenmarkt seit 1948

Mit einem Ratsbeschluss wurde der Wochenmarkt in Rotenburg nach dem Zweiten Weltkrieg im Juli 1948 wiederbelebt. Die Stadt wollte die Versorgung verbessern. Die Genehmigung lag für freitags von 8 bis 12 Uhr für die Straße Am Wasser vor. 1984 wanderte der Markt mittwochs und samstags an den Neuen Markt. Zwei Jahre später wurde auch der Pferdemarkt wieder genutzt – jeweils am Sonnabend. Dort gab es auch schon in den Jahrhunderten vor den neuzeitlichen Kriegswirren einen Markt.

Die Öffnungszeiten sind von der Stadt aktuell auf 7 bis 12.30 Uhr festgelegt, der Aufbau beginnt meist schon gegen 5 Uhr, ab 14 Uhr ist der Abbau erledigt. Aktuell sind es nach Angaben der Stadt am Mittwoch bis zu 16 Stände und am Samstag 24, die Zahlen können durch Saisonanbieter schwanken. Das Grundangebot bleibt gleich, es handelt sich um einen „grünen Markt“, auf dem nur Lebensmittel und Pflanzen verkauft werden. Von Zeit zu Zeit kommen jedoch auch neue Anbieter mit neuen Produkten dazu. Die Händler kommen aus Rotenburg, Lauenbrück, Brockel, Otersen, Bremervörde, Scheeßel, Jork, Schneverdingen, Bardowick, Kirchwalsede, Walsrode, Neuenkirchen, Hamburg, Kirchtimke, Bad Fallingbostel, Lilienthal, Sauensiek, Häuslingen, Weyhe und Martfeld. mk

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