Sechs Familien aus Syrien und dem Irak ziehen am Glummweg ein

Nur mal „guten Tag“ sagen

Ein kleines Fahrrad und Spielzeug für die Kinder sind schon da. Das macht den Mädchen und Jungen das Einleben in der neuen Unterkunft am Glummweg leichter – und wenn dann auch noch das Wetter mitspielt, kommt Freude auf. - Foto: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Rudi Schulz ist hellauf begeistert. Der ältere Mann wohnt in der Siedlung am Glummweg und hat die Gartenarbeit unterbrochen, um den neuen Nachbarn in der Flüchtlingsunterkunft nur mal „guten Tag“ zu sagen. „Sie sind so nett“, sagt er. Man habe zusammengesessen und Tee getrunken. Es gab Obst und einen regen Austausch.

Für Rudi Schulz, den früheren Kreisjugendpfleger, mit Sicherheit nicht der letzte Besuch bei den sechs Familien aus Syrien und dem Irak, die am Mittwoch hier eingezogen sind. Schulz hofft, dass viele seiner Nachbarn ebenfalls die Chance nutzen und den direkten Kontakt mit den Flüchtlingen suchen, die zuvor in der Unterkunft in Visselhövede untergebracht waren. „Die Familien kennen sich schon länger und haben sich angefreundet“, berichtet Manfred Kröger, der neue Rotenburger Flüchtlingskoordinator. Gerade in diesen ersten Tagen nach dem Einzug am Glummweg verbringt Kröger dort viel Zeit. Es gibt reichlich zu tun. „Die Menschen müssen sich hier jetzt erst einmal einleben“, sagt er. Dabei hilft Kröger, aber auch Konrad Stiffel, der die Hausorganisation in der Hand hat und sich zugleich auch als Sozialpädagoge um die Familien kümmert. So viel steht schon jetzt fest: Die bisherigen Bemühungen um die Integration der Flüchtlinge auf dem benachbarten Campus Unterstedt weitet das Diakonissen-Mutterhaus nun auch auf den Glummweg aus. Und zwar mit ähnlicher Personalstärke wie auf dem Campus. Die ersten Tagen stehen allerdings im Zeichen des Ankommens. „Wir sind sehr glücklich mit der Unterkunft, mit den Menschen, die sich hier um alles kümmern. Wir sind sehr dankbar für alles“, sagt einer der Syrer, der am Tag zuvor zu einem der zwei Gruppensprecher gewählt worden ist. Erste Demokratieerfahrungen, sagt Kröger. Auch das gehört dazu.

30 Menschen sind eingezogen, darunter 15 Kinder und Jugendliche. Die Kleinen nutzen das riesige Außengelände zum Spielen, sie fahren mit einem Fahrrad, auch Inlineskater sind schon da. „Hier haben sie viel Platz und können sich ungefährdet bewegen“, erklärt Stiffel. Eigentlich rollt auch den ganzen Tag über ein Ball über den Platz, berichtet Kröger zufrieden.

Die Flüchtlinge sind glücklich. Endlich können sich selbst um den Einkauf und um das Versorgen der Familie kümern. So entwickelt sich für sie ein neuer Alltag – mit ersten schönen Erfahrungen. Der Betreiber eines türkischen Geschäftes am Neuen Markt erwies sich am Tag zuvor als äußerst hilfsbereit, brachte nicht nur den Einkauf mehrerer Familien, sondern auch die neuen Bewohner Rotenburgs mit zwei Fahrzeugen zurück zum Glummweg.

Mit Beginn der neuen Woche wollen sich Kröger und Stiffel auch mit der jeweiligen Geschichte der Bewohner, mit ihrem Status, ihren persönlichen Perspektiven sowie mit dem Deutsch-Unterricht befassen. Ähnliche Strukturen wie auf dem Campus sind das Ziel, wenngleich die Voraussetzungen am Glummweg andere sind. Es gibt Nachbarn, und der Weg in die Stadt ist kürzer. Da lassen sich dortige Angebote mit einbauen – das Jugendzentrum, der Verein Simbav und die Nachbarn.

Die Einrichtung und Organisation am Glummweg erweise sich schon jetzt als praktikabel, sagt Kröger. Und doch gibt der Sprecher der Bewohner dem Redakteur noch einen Wunsch mit auf den Weg: „Es wäre gut, wenn unsere Verfahren bald vorankommen – damit wir uns um Arbeit kümmern können.“ An die Arbeit macht sich jetzt auch wieder Rudi Schulz. Mit einem breiten Lächeln im gesicht verabschiedet er sich in Richtung Gartenarbeit. Mit der Hoffnung, dass demnächst noch weitere Anwohner den Flüchtlingen „guten Tag“ sagen.

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