Geschäftsführer informiert in Rotenburg

Die „Buy Local“-Idee hat es schwer

Dennis Gladner und Cornelia Manfeld kämpfen für die Idee von „Buy Local“, um die Händler vor Ort zu stärken. Foto: Menker
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Dennis Gladner und Cornelia Manfeld kämpfen für die Idee von „Buy Local“, um die Händler vor Ort zu stärken.

Rotenburg - Wer in einer Kleinstadt ein Einzelhandelsgeschäft betreibt, hat es nicht leicht. Die vermeintliche Übermacht im Internet zwingt mittlerweile so manchen Geschäftsinhaber in die Knie. Die Kunden bleiben aus, die Umsätze gehen zurück – und immer häufiger kommt es zu Leerständen. Damit sinkt zugleich die Attraktivität von Innenstädten.

Ein Problem, um das sich seit 2012 der bundesweit agierende Verein „Buy Local“ kümmert – als Ideen-Hub, wie er es auf seiner Homepage im Internet formuliert. Die Idee dahinter klingt erst einmal sehr gut. „Buy Local“ – das ist nichts anderes als die Aufforderung an uns alle, bei Händlern vor Ort einzukaufen. Und doch gelingt es diesem Verein nicht, sich flächendeckend mit seinen Vorstellungen und Bemühungen zu etablieren. Das gibt auch der Geschäftsführer Dennis Gladner unumwunden zu.

Gladner ist am Dienstag in Müllers Buchhandlung zu Gast, um am Abend über die „Mittelstandsoffensive“ zu informieren. Buchhändlerin Cornelia Mansfeld ist schon lange bei „Buy Local“ aktiv und gehört dem Bundesvorstand an. Sie ist eines von zwei Mitgliedern in Rotenburg, bundesweit sind es gerade einmal 339. Und das nach sieben Jahren. „Ja, es ist schwierig, die Händler vor Ort für eine Mitgliedschaft zu gewinnen“, sagt Gladner in einem Gespräch mit der Kreiszeitung. Es geht um Buchhändler, die ursprünglich die deutsche Variante der aus den USA kommenden Initiative gründeten, aber auch Handwerker, Dienstleister und Gastronomen können sich „Buy Local“ anschließen. Doch viele sind skeptisch. Einerseits, weil sie sich bereits vor Ort in Gewerbe- oder Einzelhandelsvereinen engagieren, andererseits, weil es auch um Veränderungen geht und zugleich zu hohe Erwartungen an eine Mitgliedschaft geknüpft werden. Gladner: „Wir helfen, wir geben Ideen, wir kommunizieren. Aber aktiv werden müssen die Händler selbst.“

„Kauf vor Ort ist mehr als nur Warenbeschaffung“

Die Idee hinter „Buy Local“ klingt überzeugend. Aber sie setzt sich nicht durch. Dabei, so Gladner, liegt das Problem doch eigentlich klar auf der Hand: „Der Kauf vor Ort ist mehr als nur Warenbeschaffung. Es geht um eine lange Wertschöpfungskette, die daran hängt.“ Inhabergeführte Fachgeschäfte und Handwerksbetriebe bildeten aus und beschäftigten in der Region deutlich mehr Mitarbeiter als Internetkonzerne. Die Händler zahlten Steuern vor Ort, sie sorgten für Vielfalt und engagierten sich nicht selten mit Spenden in ihrer Kommune. Das Motto: „Ihr Geld bleibt hier.“

„Mein Antrieb für eine Mitgliedschaft war der Ansatz, global zu denken und lokal zu handeln“, sagt Cornelia Mansfeld. In diesem Sinne versuche sie vor Ort, entsprechende Lobbyarbeit zu leisten. Was vor Ort in kleinem Rahmen gelingt, will bundesweit aber nicht greifen, unterstreicht Gladner. Er macht den Job als einziger Hauptamtlicher im Verein seit gut einem Jahr. Wie lange noch, weiß er nicht. „Im Februar wird es bei der Mitgliederversammlung um diese Frage gehen.“ Es geht um die Zukunft von „Buy Local“ in der jetzigen Form.

„Buy Local“ setzt verstärkt auf Internet-Kommunikation

Gerade weil es mit der Verwurzelung in der Fläche noch nicht so gut klappt, setzt Gladner zunehmend auf eine kanalisierte Kommunikation im Internet. Facebook, Twitter und ein Blog auf der Homepage, bald schon zusätzliche Beiträge bei „YouTube“ – der Verein lässt mit seinen Bemühungen nicht locker. Bei entsprechenden Kampagnen steht der Verein den Händlern vor Ort zur Seite. Er zeigt auf, wo der Schuh drückt. „Aber wir nehmen auch neue Konzepte auf. Es geht um einen kontinuierlichen Prozess, in den wir neue Aktionsformen einbinden“, sagt der Geschäftsführer. Genau das, aber eben auch das, was der Verein eben nicht leisten kann, informiert er bei Veranstaltungen, wie am Abend in Rotenburg. Das Ziel sei klar: „Die Städte sollen lebendig bleiben.“ Dafür brauche es eine aktive Bürgerschaft und Mitglieder. Denn aus eigener Kraft, also ohne Partner, könne der Verein die Frequenz nicht steigern.

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