Gutachten zunächst vom Tisch

Stadtverwaltung zieht den Bau einer Parkpalette am Bahnhof nicht in Betracht

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Um Flächen nördlich der Bahngleise effektiv für auch für Parkplätze nutzen zu können, müsste die Stadt den Fußgängertunnel verlängern. Das allein würde Kosten in Millionenhöhe verursachen, sagt die Stadtverwaltung. Sie will darauf verzichten.

Rotenburg - Von Guido Menker und Farina Witte. Der Rotenburger Stadtrat wird sich in seiner nächsten Sitzung am Donnerstagabend (20 Uhr) mit der Parksituation am Rotenburger Bahnhof befassen. Auf die Einholung eines Gutachtens, das den Bedarf an Stellplätzen, den Standort und die Finanzierung untersuchen sollte, soll verzichtet werden. Das geht aus dem Beschlussvorschlag vor, den die Verwaltung für diese Sitzung formuliert hat. Der Rat soll ihrer Ansicht nach vielmehr beschließen, kurzfristig 69 weitere Stellplätze für Autos sowie 60 Fahrradabstellplätze und 26 Stellplätze in Fahrradboxen zu schaffen.

„Wir sind sehr enttäuscht“, sagt Klaus Rinck und spricht dabei für die Fraktion CDU-Freie Wähler, die im Sommer vergangenen Jahres den Antrag zur Einrichtung eines Parkhauses gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft WIR-FDP gestellt hatte. Aus der Sicht seiner Fraktion sei eine gründliche Prüfung durch einen Fachmann in Form eines Gutachtens wünschenswert gewesen. „Uns geht es nicht darum, dass wir direkt das Parkhaus bauen wollen“, so Rinck auf Anfrage der Rotenburger Kreiszeitung. Eine fachmännische Beurteilung der Lage halte die Fraktion aber für angebracht. „Wir halten von dem dem Beschlussvorschlag nichts", betont auch Gunter Schwedesky von der Arbeitsgemeinschaft WIR-FDP.“

Die SPD-Fraktion hingegen begrüßt die Pläne zur Verbesserung der Parkplatzsituation am Bahnhof. Die Investition in neue Parkplätze sei den Sozialdemokraten lieber, als erst ein teures Gutachten zu erstellen, meint der Fraktionsvorsitzende Gilberto Gori. Die zusätzlichen 69 Parkplätze sowie 86 Stellplätze für Fahrräder zu bauen „ist eine gute Lösung“, so Gori. Für ein Gutachten waren 15 000 Euro im Haushalt vorgesehen.

Westlich des Bahnhofes sollen im ersten Schritte 72 zusätzliche Parkplätze entstehen, insgesamt ist geplant, 90 zusätzliche Stellflächen zu schaffen.

Die Fraktion der Grünen hat ebenfalls von der Umsetzung des Gutachtens Abstand genommen. Zum Einen gebe es keine weitere Entwicklung in Sachen HVV, und zum Anderen gebe es keine geeignete Fläche für ein Parkhaus, begründet Elisabeth Dembowski von den Grünen. „Die einzige Fläche, auf der eine Parkpalette derzeit denkbar wäre, weist einen Baumbestand auf“, erklärt Dembowski. Dies komme für die Grünen daher nicht infrage.

Stadtplaner Clemens Bumann hatte im vergangenen Jahr während der Diskussion über ein mögliches Gutachten bereits angekündigt, verwaltungsintern zu prüfen, wie und wo genau noch zusätzliche Stellplätze geschaffen werden können. Jetzt hat die Erste Stadträtin Bernadette Nadermann mit Blick auf die Sitzung des Stadtrates die konkreten Zahlen dazu genannt. Bei der Untersuchung dazu sei die nördliche Seite der Bahngleise nicht betrachtet worden, schreibt sie in der Sitzungsvorlage. Denn die Verlängerung des Fußgängertunnels – der wäre erforderlich, um eine Erreichbarkeit dortige Parkplätze zu gewährleisten – hätte Kosten in Höhe von mehreren Millionen Euro zur Folge.

Auch für Fahrräder wird es schon seit längerer Zeit eng am Bahnhof. Fast 90 weitere Stellplätze sieht das Konzept der Stadtverwaltung vor, das am Donnerstag im Rat auf den Tisch kommt.

Eingehender betrachtet habe die Stadt daher den südlichen Bereich der Gleise. Zu den 400 bereits vorhandenen Fahrradabstellplätzen sollen 90 hinzukommen. Für Autos stehen derzeit 374 Parkplätze zur Verfügung – 190 davon östlich des Bahnhofes und 184 westlich und innerhalb größtenteils provisorischer Flächen. Es sei ferner festgestellt worden, dass die Flächen westlich des Bahnhofes nur teilweise genutzt würden. „Selbst in den Vormittagsstunden war der vorhandene Stellplatzbereich vor dem Parkplatz nördlich der Sportanlage nicht voll ausgelastet“, schreibt Nadermann. Der Bedarf an zusätzlichen Stellplätzen sei aus diesen Überlegungen heraus „sicherlich vorhanden, aber begrenzt“. 

Das jetzige Parkraumkonzept sehe eine Umsetzung in zwei Schritten vor. Zunächst soll auf der Westseite 48 Stellplätze neu entstehen. Darüber hinaus will die Stadt westlich des ehemaligen Güterbahnhofes Flächen für weitere 24 Parkplätze erwerben. In diesem ersten Schritt seien 60 zusätzliche Fahrradabstellplätze westlich der Buswendeschleife sowie eine weitere Sammelbox für 26 Räder im Anschluss an die vorhandene Box östlich des Bahnhofes vorgesehen, wodurch drei Pkw-Stellplätze verloren gehen. Sind diese kurzfristigen Maßnahmen nicht ausreichend, könnten in einem zweiten Schritt weitere 45 Stellflächen für Autos südlich der vorhandenen Stellplatzanlage zwischen der Wendeschleife und dem Busbahnhof entstehen, heißt es weiter. Ein Parkhaus – wie 2013 ins Auge gefasst – würde unter dem Strich 170 zusätzliche Stellplätze für Autos bringen, allerdings auch mit Kosten in Höhe von vier Millionen Euro zu Buche schlagen. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sei es schwierig, kostenneutral eine Parkgarage zu betreiben.

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