Guido Cantz plaudert im Wachtelhof vor ausverkauftem Haus

Alltagskomik vom schlagfertigen Sunnyboy

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Comedian Guido Cantz kam, grinste und las am Donnerstagabend im Wachtelhof.

Rotenburg - Von Ulla Heyne. Er kam, grinste – und las. Über ein volles Haus konnte sich der Wachtelhof bei der Lesung von Comedian Guido Cantz am Donnerstagabend freuen. Die rund 150 Zuschauer wollten vor allem eins sehen: den locker-flockigen „Verstehen Sie Spaß“-Moderator, den sie aus dem Fernsehen kennen. Doch der Kunst-Blondschopf tat erstmal eins: Er stellte sein drittes Buch „Wo ist der Witz?“ vor.

Die Idee zum Buch war während eines Urlaubsflugs in den Oman entstanden – sechs Stunden, in denen Cantz nicht nur den britischen Sitznachbarn von der Existenz deutschen Humors zu überzeugen versuchte, sondern auch die eigene Biografie aufrollte. Und so ist ein Großteil der mal gelesenen, mal erzählten Passagen, durchaus autobiografischer Natur: die vergessene Taufe, die zur „Geburtsstunde der Impro-Comedy“ geriet, ebenso wie das frühe Quatschmacher-Talent.

Sicher, wenn er die Diskussion zum Aggregatzustand von Shampoo in der Sicherheitskontrolle des Flughafens schildert oder nach dem „Rutenplaner für den Weihnachtsmann“ fragt, ist das amüsant. Und das dankbare Publikum lacht artig auch über Büttenhumor wie „Bei dir piept‘s wohl – naja, du hast ja auch einen Vogel!“ Allein: Die Humor-Erleuchtung will sich angesichts netter Alltags-Anekdoten, zuweilen bärtiger Witze und Sammlungen von Strampler-Aufschriften nicht so recht einstellen.

Das ändert sich schlagartig nach der Pause. Da löst sich Cantz weitgehend vom Buch, und was die Zuschauer dann erleben, ist ganz nach ihrem Gusto: Schlagfertig bezieht er das Publikum ein, die Lust am Diskurs und am Improvisieren steht dem Sunnyboy ins Gesicht geschrieben.

Vor einer Anekdote aus der Bundeswehrzeit fragt er: „Wer hat von Euch gedient?“ Und, mit Blick auf einen jüngeren Gast „Oder gedealt?“ Er spielt Bälle zurück, und ist ganz in seinem Element. Da blickt die frühe Initiation als Karnevalsredner durch.

Auch in der anschließenden Fragerunde bleibt er keine Antwort schuldig: Die Frage nach der eigenen Kandidatur für das Amt des DFB-Präsidenten pariert der Fußballfan ebenso souverän wie die unvermeidliche Frage nach der Verweildauer als Moderator von „Verstehen sie Spaß“.

Die Beschreibung schwitzender Oberarme in der „Sau-nah“ gerät ebenso zum Kabinettstückchen wie „Schingschangschong“ mit der Polizei: („Papiere“? „Schere!“) oder Seitenhiebe auf das Mediengeschehen: „Lange Sendezeiten gibt es heute nicht mehr – bis auf Stefan Raab, der spielt bis 1.30 Uhr Tischtennis!“

Und so wird der Abend mit dem Kölner Jungen, der in seinen Anfängen beim Bund für eine Runde Bier aufgetreten ist (den Tisch als Bühne), am Ende dann doch noch zum echten Glücksgriff der Unterhaltungskunst. Den bringt eine begeisterte Zuschauerin so auf den Punkt: „Live ist er immer noch am besten!“ Recht hat sie.

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