Gruppe bringt Vermächtnis der Frauenrechtlerin Hedwig Dohm auf die Bühne

Hommage an eine Pionierin

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Nikola Müller (v.l.), Gerd Buurmann und Isabel Rohner brachten das Vermächtnis Hedwig Dohms auf die Bühne im Kantor-Helmke-Haus.

Rotenburg - Von Bettina Diercks. Mit Herzblut und viel Augenzwinkern transportierten am Dienstag Nikola Müller und Isabel Rohner die Gedanken von Hedwig Dohm ins Kantor-Helmke-Haus. Die deutsche Schriftstellerin, Journalistin (1831, Berlin) und Frauenrechtlerin gilt in Deutschland als eine der ersten feministischen Theoretikerinnen.

Viele von ihr verfasste Gedanken haben an Aktualität nichts verloren. Gerade mit Blick auf Sexismus und Menschenwürde, stellten gut 60 Zuhörerinnen und der einzige Mann fest. Sie waren der Einladung von Rotenburgs Gleichstellungsbeauftragten Brigitte Borchers zu Empfang und Kabarett zum 105. Internationalen Frauentag gefolgt. „Gebt uns Brot, aber gebt uns auch Rosen. Nicht nur gerechten Lohn, sondern auch Würde, menschenwürdige Arbeit“, fordert die Frauenrechtlerin, die dieses Zitat aus einem amerikanischen Streiklied aus dem Jahre 1912 von Textilarbeiterinnen entliehen hatte.

Vor 100 Jahren ging es laut Borchers vor allem um das Wahlrecht und gleiche Bürgerrecht für Frauen, für das Dohm schon 1870 stritt. Doch gerade jetzt, „wo die Welt so viel kleiner geworden ist, in denen wir die Auswirkungen von Kriegen und Terror beginnen, selbst zu spüren“, gehe es darum, gerade auch Frauen zu helfen, die meist zusätzliche Gewalt erlebt hätten. Und das, so Borchers, schon immer, und nicht erst seit der Silvesternacht in Köln, gehe es um das gesellschaftliche Frauenbild. Darum, ob Frauen mit Respekt begegnet wird – aber auch anderen Menschen. „Es geht um Menschenwürde. Darum setzen wir uns ausnahmslos gegen Sexismus ein“, so Borchers.

Das Rotenburger Ratsmitglied Hedda Braunsburger (SPD) beschreibt die Forderungen an eine Frau von heute: „Sie muss Top-Modell, schlank, klug und politisch interessiert sein. Doch sie muss auch Kinder wollen und Karriere machen. Und während sie Karriere macht, muss sie gleichzeitig zu Hause sein, sie darf ja keine Rabenmutter sein. Und den Stress, den sie dabei hat, darf man niemals spüren.“

Dazu passt Dohms Eindruck von vor mehr als 100 Jahren, dass Männer offenbar verschrobene Ansichten haben: Die Vorstellung einer wissenschaftlich gebildeten Frau ist die einer alten hässlichen. Nikola Müller und Isabel Rohner sind die Herausgeberinnen der „Edition Hedwig Dohm“, in der bisher fünf Bände erschienen sind und später auf 16 anwachsen soll.

Müller schrieb die Biografie von Dohm und schätzt die „glühende Denke“ der Feministin, deren „Gedanken wie Donner des Zeus“ daher kommen. Neben dem Wahlrecht forderte Dohm damals schon, Frauen ökonomisch und sozial gleichzustellen. Der naturgemäße Unterschied war für sie zweitrangig. Sie wollte es nicht dabei belassen, dass Frauen nur für ungebildete Mütter von ihren Männer gehalten werden. Dohm war erstaunt, wie Menschen sich ihre Welt erfinden und erdichten, sich aber nicht der Tatsachen bedienen. Und Männer? „Die wollen eine Welt, die sie noch niemals war.“

Nikola Müller und Isabel Rohner brachten gemeinsam Schauspieler Gerd Buurmann mit viel Spielfreude und pointiert mit viel Humor, Mimik sowie Gestik die scharfsinnigen Gedankengänge Dohms als Zitate auf die Bühne. Ein brillantes, mitreißendes, unterhaltsames und mit Wissen gespicktes Programm. Alle drei überzeugten in ihren „Rollen“. Und Buurmann bewies, dass knallrote Lackpumps mit hohem Absatz selbst einem Mann Haltung verleihen.

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