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Grünes Licht für Fidi-Boon-Wech

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Von: Guido Menker

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Die alte Bahntrasse zwischen Rotenburg und Brockel
1964 wurde die Bahntrasse zwischen Rotenburg und Brockel stillgelegt. Nun soll sie wieder belebt werden – als Radschnelltrasse unter dem Namen Fidi-Boon-Wech. © Michael Krüger

Rotenburg – Die Argumente für und wider den Fidi-Boon-Wech sind eigentlich schon längst ausgetauscht. Und zwar umfassend. Dennoch nimmt die finale Abstimmung über die Frage, ob der Neubau eines Radweges unter diesem Namen auf der ehemaligen Bahnstrecke zwischen Brockel und der Kreisstadt denn nun umgesetzt werden soll oder eben nicht, längere Zeit in Anspruch. Eine Zustimmung hatte sich zuletzt aber abgezeichnet – und genau das sollte sich am Ende auch bestätigen. 21 Mitglieder des Rotenburger Rates stimmen am Donnerstagabend für das Vorhaben, vier sind dagegen, zwei Kommunalpolitiker enthalten sich.

Erleichterung bei Bürgermeister Andreas Weber (SPD), der in den vergangenen Monaten nicht locker gelassen und immer wieder betont hat, von welcher Bedeutung dieses Projekt für die Kreisstadt sein wird. Er spricht von Klimaschutz, von der Verkehrswende und einer fahrradfreundlichen Anbindung des Rotenburger Ostens an den Bahnhof – inklusive einer hochwassersicheren Querung der Nödenwiesen. Weber: „Ein Meilenstein.“ Während er und die anderen Befürworter sich also freuen, ernten sie bei den Gegner eher Kopfschütteln.

„Wir haben dieses Projekt immer kritisch begleitet“, betont Tilman Purrucker als Vorsitzender der CDU-Fraktion. „Auch wegen der Kosten.“ Aber die Gewissheit, eine Förderung der Maßnahme in Höhe von 75 Prozent zu erhalten, sorge letztendlich dafür, dass man mehrheitlich zustimmen wolle. Purrucker sieht einen Mehrwert aufgrund der guten Verbindung zwischen Sandhasenweg und Bahnhof, setzt aber voraus, dass eben die hochwassersichere Querung der Nödenwiesen Bestandteil des Vorhabens ist. Weber sagt das zu.

Eben diese Querung, die sich auch Michael Niestädt (parteiloses Mitglied der CDU-Fraktion) wünscht, sei zudem im Rotenburger Anteil an den Baukosten enthalten, unterstreicht Weber. Es geht um 600 000 Euro, die die Stadt Rotenburg in den Jahren 2022 bis 2024 aufzubringen hat. Rund 2,3 Millionen Euro wird der etwa 7,7 Kilometer lange Fidi-Boon-Wech kosten, mehr als 1,8 Millionen davon gibt es als Zuschuss vom Bund. Von dem Radweg auf der seit 1964 stillgelegten Bahntrasse verspricht sich der Bürgermeister mehr Pendler in die Innenstadt oder zum Bahnhof, die auf Rad oder Pedelec umsteigen, und bessere innerstädtische Verbindungen. Die Samtgemeinde Bothel sowie die beiden Gemeinden Hemsbünde und Brockel tragen das Projekt mit.

Auf einmal ist der Rotenburger Bahnhof für Gemeinden wichtig, die sich in Sachen HVV nicht beteiligen wollten.

Fidi-Boon-Wech-Kritiker Dirk Schenckenberg (WIR)

Enthalten in dem Projekt sind zudem drei Maßnahmen, die – so Weber – „ohnehin kurz- als auch mittelfristig erforderlich“ gewesen wären und die nun auch gefördert werden: Neubau der Wümmebrücke beim Ronolulu, der Ausbau des Sandhasenweges vom Ende des bisher ausgebauten Teils bis zur Querung Brockmanns Wiesenweg sowie vom Mittelweg bis zum Parkplatz Ronolulu. Die Kosten dafür wären für die Stadt alleine genauso hoch, und es gäbe keinen Radschnellweg.

Dennoch: Dirk Schenckenberg (WIR) findet das alles nicht gut. „Auf dem ersten Blick ein tolles Projekt“, sagt er. Aber man solle „Weitsicht walten lassen“. Er spricht von einer Versiegelung von Flächen, die sich die Natur schon längst zurückgeholt habe. Schenckenberg erinnert an den „Niedersächsischen Weg“ und mahnt eine Zerschneidung der Landschaft an. „Das wird mit diesem Radweg alles über Bord geworfen.“ Es gebe sinnvollere Projekte und zudem bereits einen Radweg entlang der Bundesstraße zwischen Brockel und Rotenburg. Zunächst sei es wichtiger, die Unterhaltung vorhandener Wege in den Griff zu bekommen. Und: Er wünscht sich, zunächst einmal die Ergebnisse des Ende vergangenen Jahres in Auftrag gegebenen Verkehrsentwicklungsplanes abzuwarten. Was ihn außerdem stört: „Auf einmal ist der Rotenburger Bahnhof für Gemeinden wichtig, die sich in Sachen HVV nicht beteiligen wollten.“ Unterstützung bekommt er von FDP-Ratsherr Gunter Schwedesky.

Doch es ändert nichts mehr am sich abzeichnenden Beschluss pro Fidi-Boon-Wech: Elisabeth Dembowski allen voran betont, wie wichtig die angestrebten Ziele sind, um die es gehe. Mehr Pendler auf das Rad zu bekommen, sei einer der Punkte. Sie spricht von einem „Impuls für den Umstieg auf das Rad“. Versiegelt würde dafür zwar eine zum Teil zugewachsene, aber eben nicht unberührte Fläche – nämlich ein alter Bahndamm. Ein Eingriff, der sich naturschutzfachlich lösen ließe, erklärt sie.

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