Abgeordnete wird keine Landtagswahl-Kandidatin

Votum für Brennecke: Grüne wählen Twesten ab

Elke Twesten (l.) unterlag ihrer Konkurrentin Birgit Brennecke (r.). Zwischen den Kandidatinnen steht die Kreisvorsitzende Gabriele Schnellriede.

Gyhum/Rotenburg - Von Wieland Bonath und Stephan Oertel. Mit einem Paukenschlag endete Dienstagabend die Kür der Grünen für die Landtagswahl: Sie wählten Birgit Brennecke zu ihrer Spitzenkandidatin für den Wahlkreis Rotenburg.

Die Hemslingerin setzte sich klar gegen die bisherige Abgeordnete Elke Twesten aus Scheeßel durch, der insbesondere vorgeworfen wurde, zu offen für eine Koalition mit der CDU zu sein.

Zehn der 28 Wahlberechtigten des Kreisverbandes Rotenburg stimmten für Twesten – 17 entschieden sich für ihre Konkurrentin, die 62-jährige Unternehmerin und Kommunalpolitikerin Birgit Brennecke aus Hemslingen. Nach zweistündiger, gut besuchter Versammlung im Niedersachsenhof in Gyhum-Sick unter Leitung von Gabriele Schnellrieder (Fintel) und Ulrich Thiart (Rotenburg) vom Kreisvorstand werden die Grünen im Wahlkreis 53 Rotenburg mit einem neuen „Zugpferd“ in den Wahlkampf ziehen.

Auch Christian Meyer konnte nicht helfen

„Überraschungsbesucher“ Landwirtschaftsminister Christian Meyer (3.v.l.) mit Hans-Jürgen Schnellrieder (v.l.), Ulrich Thiart und Gabriele Schnellrieder.

Twesten wird geahnt haben, dass es knapp für sie werden könnte. Kurzfristig hatte sie den Grünen-Landwirtschaftsminister Christian Meyer für die Versammlung gewonnen, der von einem Termin in Verden den Schlenker nach Gyhum unternahm. Er berichtete, was Rot-Grün in den vergangenen Regierungsjahren bewegt hat und noch anpacken will. Zugleich machte sein überraschender Besuch deutlich: Twesten ist in Hannover gut vernetzt.

Eben das war ein zentraler Aspekt, mit dem die Scheeßelerin in der Vorstellungsrunde zu punkten versuchte. Seit 2008 gehört sie dem Landtag an, ist dort unter anderem frauenpolitische Sprecherin ihrer Fraktion und, wie sie selbst sagt, ein Sprachrohr für die Region. Was immer die Menschen in ihrem Wahlkreis bewegt trage sie vor und suche nach Lösungen, so die 53-Jährige, die im Rotenburger Kreistag auch kommunalpolitisch aktiv ist. 

Twesten, die sich für eine Fortsetzung der rot-grünen Koalition in Hannover aussprach, ging unter anderem auf die Finanzpolitik, die erfolgreich verhinderte Y-Trasse, die Agrarwende, den Tierschutz und das Fracking ein. Twesten: „Mein Kampf gegen Exxon ist noch lange nicht beendet.“ Die Politikerin sprach sich für eine verbesserte ärztliche Versorgung auf dem Lande aus und forderte grundsätzlich eine Förderung des ländlichen Raums durch die Politik.

Twesten: Verspreche nicht das Blaue vom Himmel

Twesten: „Ich stehe für das maximal Machbare und verspreche nicht das Blaue vom Himmel.“ Das Beispiel Y-Trasse zeige, dass es sich lohnen kann, dicke Bretter zu bohren. Die geplante Bahntrasse ist inzwischen vom Tisch.

Birgit Brennecke, die dem Rat Hemslingen sowie dem Samtgemeinderat Bothel angehört und Mitglied von zwei Bürgerinitiativen ist, stellte das Fracking und die ungeklärten Krebsfälle an die Spitze ihres Statements: „Wenig zu tun, das kann ich mir nicht erlauben, ich möchte etwas bewegen.“ Brennecke kritisierte mangelnde Initiativen beim öffentlichen Personennahverkehr und warf dem Landkreis sowie anderen Behörden vor, die Bürger oft nur mangelhaft zu informieren: „Der Bürger steht ganz hintenan“, sagte Birgit Brennecke. Und weiter: „Ich kandidiere, damit sich etwas bewegt.“

Eine Frage, die mehreren Grünen unter den Nägeln brannte, war die nach einer möglichen Koalition mit der CDU. Oder wie es ein Mitglied formulierte: „Wie verfahren die Kandidaten bei der Abwägung zwischen Strategie und Identität?“ Ein altes Konfliktfeld der Grünen. Brennecke deutete an, notfalls in die Opposition zu gehen. Es müsse Kompromisse geben, aber man dürfe seine Wurzeln nicht verlieren.

Die Grünen hätten sich zu sehr angepasst. „Wir erreichen nichts in der Opposition“, entgegnete Twesten. Es gehe darum, Schnittstellen auszuloten, die es auch mit der CDU gebe. Regieren die Grünen nicht mit, gebe es überhaupt keine grüne Politik. Sie setze sich sehr dafür ein, die in ihren Augen erfolgreiche Koalition mit der SPD in Hannover fortzusetzen. Andere Varianten wolle sie aber im Zweifel nicht ausschließen.

Kritik an Twesten

Einigen im Kreisverband geht das zu weit. Schon bei der Kommunalwahl war Twesten vorgeworfen worden, zu stark mit den Schwarzen zu flirten. Auch einige Alleingänge dürften ihre Position in den vergangenen Jahren geschwächt haben, etwa als sie als Landrätin in Rotenburg kandidieren wollte, obwohl ihre Partei einen unabhängigen Kandidaten unterstützte. Schließlich trat sie im Kreis Stade an.

Landwirtschaftsminister Meyer blieb die ganzen zwei Stunden der Versammlung im Niedersachsenhof, war dies doch eine ideale Plattform für sein wichtiges Anliegen, den Biolandbau und den Umweltschutz.

Das Votum der Grünen fiel am Ende deutlich für Brennecke aus. Dass sie das Direktmandat im Südkreis bekommt, ist indes unwahrscheinlich. Und es ist völlig offen, ob sie einen guten Platz auf der Landesliste bekommt, über die Twesten zwei Mal in den Landtag eingezogen ist. Gut möglich also, dass es 2018 keinen grünen Landtagsabgeordneten mehr aus dem Landkreis gibt. 

Im Raum steht schließlich auch die Frage, ob Twesten nun im Nordkreis ihren Hut in den Ring wirft. Am 14. Juni wird dort über den Landtagskandidaten entschieden. In einer ersten Reaktion zeigte sie sich Twesten tief enttäuscht: „Es tut es mir sehr weh, dass ich meine Heimatregion im Landtag in Hannover nicht mehr vertreten darf. Ich werde weiter für nachhaltige Politik in unserer Region streiten und in Sachen Fracking am Ball bleiben.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Rotenburg (Wümme)Landtagswahl Niedersachsen
Kommentare zu diesem Artikel