Grüne Damen und Herren feiern 45-jähriges Bestehen

„Engel im Klinikum“

Birgit Behrndt (l.) und Lieselotte Busche von den Grünen Damen und Herren hoffen auf männliche Unterstützung
+
Hoffen auf männliche Unterstützung: Birgit Behrndt (l.) und Lieselotte Busche von den Grünen Damen und Herren. Ende des Monats feiert die Gruppe ihr 45-jähriges Bestehen.

Rotenburg – Als die Grünen Damen und Herren Anfang Juni nach langer pandemiebedingter Pause endlich wieder ihren Dienst auf den Stationen im Rotenburger Diakonieklinikum antreten konnten, war die Erleichterung groß – auf der Kinderstation flossen sogar Tränen. „Die Ehrenamtlichen bringen viel Herz und Wärme auf die Stationen. Für Patienten genauso wie für Mitarbeitende sind sie unverzichtbar – das hat die Pandemie noch einmal sehr deutlich gezeigt. Es sind unsere grünen Engel“, sagt Katharina Wilkens, Referentin für Kommunikation am Diakonieklinikum.

Ende des Monats feiern die Grünen Damen und Herren ihr 45-jähriges Bestehen. Die beiden Einsatzleiterinnen Lieselotte Busche und Birgit Behrndt freuen sich auf das erste Treffen nach langer Zeit: „Wir sind zuletzt im Februar 2020 zusammengekommen. Unser Jubiläum wollten wir zunächst in diesem Frühjahr feiern, aber die Inzidenzzahlen ließen das leider nicht zu.“

In kleiner Runde mit einigen geladenen Gästen wie der Landesvorsitzenden der Evangelischen Kranken- und Alten-Hilfe, Susanne Zschätzsch, erinnern die Grünen Damen und Herren an diesem Tag an ihre bewegte Geschichte, die 1976 von dem damaligen Krankenhausseelsorger Manfred Küchenmeister mit dessen Ehefrau Annemarie und dem Vorsteher Hans Willenbrock initiiert wurde. Mit einem kleinen Handwagen liefen sie damals über die Stationen – Patienten konnten Zeitschriften, Zahnpasta und andere alltägliche Dinge beziehen.

Das ehrenamtliche Engagement fand schnell Unterstützer: Zum ersten Treffen kamen sieben interessierte Frauen, 1977 waren es schon 20, 1985 fast 40. Heute sind es 44 Damen und ein Herr. Doch Helmut Unger, der lange im Besuchsdienst beschäftigt ist, hört auf. „Wir werden ihn bei unserer Jubiläumsfeier verabschieden“, kündigt Busche an. Sie hofft, dort auch Ingrid Sünnemann zu sehen, die im vergangenen Jahr nach 40 Jahren Dienst als Grüne Dame aufgehört hat.

Es macht mir viel Spaß, mit Menschen zu arbeiten. Man nimmt auch für sich selbst viel mit, Dankbarkeit und Wertschätzung sind groß. Außerdem ist es toll, im Team zu arbeiten. Unser Ziel ist es, die Patienten für ein paar Minuten von ihrer Krankheit abzulenken

Lieselotte Busche

Lieselotte Busche und Birgit Behrndt wollen das 45-jährige Bestehen der Grünen Damen und Herren als Anlass nehmen, um mehr Menschen für diese Aufgabe zu begeistern: „Wir möchten das Angebot weiter ausbauen und zusätzlich zum Tine-Albers-Haus auch einen Besuchsdienst im Haus Stadtgarten anbieten – doch dafür sind wir leider nicht gut genug besetzt. Eigentlich bräuchten wir weitere 20 Grüne Damen und Herren, aber ich weiß, dass das illusorisch ist“, bedauert Busche, für die der Dienst genauso wie für Behrndt eine Herzensangelegenheit ist: „Es macht mir viel Spaß, mit Menschen zu arbeiten. Man nimmt auch für sich selbst viel mit, Dankbarkeit und Wertschätzung sind groß. Außerdem ist es toll, im Team zu arbeiten. Unser Ziel ist es, die Patienten für ein paar Minuten von ihrer Krankheit abzulenken.“ Behrndt stellt klar: „Für mich ist es eine Lebensaufgabe.“

Es fehle besonders an jungen Mitstreitern. „Jeder Interessierte ab 18 Jahren kann sich bei uns engagieren. Aber Jüngeren fällt es oft schwer, neben Schule, Ausbildung oder Arbeit ein Ehrenamt auszuüben. Viele finden dafür erst nach Eintritt ins Rentenalter Zeit“, weiß Busche.

Die Grünen Damen und Herren können sich ihre Dienstzeiten frei einteilen und den Einsatzbereich selbst wählen. „Wir bieten eine dreimonatige Einarbeitungszeit und die Möglichkeit, für jeweils vier Wochen verschiedene Aufgaben kennenzulernen“, so Busche, die betont: „Nicht jeder ist für jeden Bereich gemacht. Bei der Arbeit mit den Patienten ist es beispielsweise wichtig, die Distanz zu wahren und nicht zu viel mit nach Hause zu nehmen.“

Besonders der Bedarf an Grünen Herren sei groß: „In der Gesellschaft ist das Betreuen von kranken oder alten Menschen weiterhin eher in Frauenhand. Vielleicht gibt es dort auch eine Hemmschwelle – das ist sehr schade, denn dass Männer diese Aufgabe sehr gut ausfüllen können, hat Helmut Unger eindrucksvoll bewiesen. Männer haben untereinander auch eine andere Basis“, so Busche.

Bis vor sechs Jahren hatten die Grünen Damen und Herren den Patienten auch Essen angereicht – doch weil dies als pflegerische Aufgabe gilt, ist das seitdem nicht mehr möglich. Dafür engagieren sich die Ehrenamtlichen in fünf Arbeitsbereichen:

-  Der Lotsendienst hilft den Patienten bei den ersten Schritten im Klinikum. „Wir begleiten sie auf ihre Station, beantworten Fragen und erklären ihnen zum Beispiel, wie sie ihre Telefonkarte aufladen“, berichtet Busche.

- Der Getränkewagen sei ein weiteres wichtiges Aufgabengebiet, pandemiebedingt aber derzeit noch nicht möglich. „Patienten müssen in der Ambulanz noch Mund-Nase-Maske tragen. Der Dienst wird aber sehr vermisst. Wir hoffen deshalb, dass wir damit bald starten können“, so Busche weiter.

- Der Besuchsdienst ist auf den Stationen im Einsatz, hat ein offenes Ohr für Patienten, begleitet sie auf Spaziergängen, nimmt sich Zeit für Gesellschaftsspiele und liest den Erkrankten vor.

- Altenpflege im Tine-Albers-Haus: Die Grünen Damen und Herren unterstützen dort Spielenachmittage, laden zum Singen ein und begleiten die Bewohner zum Arzt.

- Mitarbeiter und Patienten können den Bücherdienst nutzen, der in Kooperation mit der Stadtbibliothek Rotenburg angeboten wird. Etwa 4.000 Medien stehen zur Auswahl, können in der Klinikbücherei oder am Bücherwagen ausgeliehen werden. „Das Buch ist nur das Medium – wir führen auch Gespräche am Krankenbett“, betont Leiterin Birgit Behrndt. Sie hofft darauf, dass die Gruppe in diesem Jahr wieder den traditionellen Basar anbieten kann. „Die Einnahmen daraus sind für uns wichtig, um neue Medien anzuschaffen.“

Das Diakonieklinikum unterstützt die Arbeit der Grünen Damen und Herren. Es ersetzt die anfallenden Fahrtkosten und stellt den Ehrenamtlichen Parkkarten zur Verfügung. Die Helfenden können mit ihren Sorgen und Problemen außerdem jederzeit zu Klinikseelsorgerin Pastorin Christina Torrey kommen, die dafür Gespräche anbietet.

Wer die Arbeit der Grünen Damen und Herren fördern will, nutzt dafür das Spendenkonto der Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg gGmbH; Bank für Sozialwirtschaft Mainz; IBAN: DE48 5502 0500 0004 6123 45; Stichwort: Grüne Damen und Herren. Wer Fragen hat oder aktiv werden will, meldet sich bei Busche unter 04261/62155, per E-Mail an lilobusche@web.de oder bei Birgit Behrndt unter 04261/6897.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

Schlemmen im Sommer: Entdecken Sie kreative Rezepte im Magazin „Küchengeheimnisse“

Schlemmen im Sommer: Entdecken Sie kreative Rezepte im Magazin „Küchengeheimnisse“

Der STERNGLAS Topseller im exklusiven Deal - 50 Euro sparen!

Der STERNGLAS Topseller im exklusiven Deal - 50 Euro sparen!

Meistgelesene Artikel

Warnstufe 1 für den Landkreis Rotenburg

Warnstufe 1 für den Landkreis Rotenburg

Warnstufe 1 für den Landkreis Rotenburg
Mulmshorn und Buchholz gewinnen Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“

Mulmshorn und Buchholz gewinnen Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“

Mulmshorn und Buchholz gewinnen Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“
Hermann Rugen blickt auf 30 Jahre im Hassendorfer Gemeinderat zurück

Hermann Rugen blickt auf 30 Jahre im Hassendorfer Gemeinderat zurück

Hermann Rugen blickt auf 30 Jahre im Hassendorfer Gemeinderat zurück
Gemeinwesenarbeiter planen Arbeitsgruppe Recycling

Gemeinwesenarbeiter planen Arbeitsgruppe Recycling

Gemeinwesenarbeiter planen Arbeitsgruppe Recycling

Kommentare