„Grüne Damen und Herren“ feiern 40-jähriges Bestehen

Es fehlt an Nachwuchs

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Beate Exner (v.l.) zeichnete Ingrid Sünnemann und Karin Denkmann mit dem Kronenkreuz aus, auch Pastor Matthias Richter gratulierte.

Rotenburg - Von Wieland Bonath. Sie haben unzähligen Patienten im Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg geholfen, Trost in oft verzweifelter Situation gespendet, mit Kranken gesprochen, ihnen Mut gemacht, sie haben den Aufenthalt im Krankenhaus erleichtert: die ehrenamtlichen „Grünen Damen und Herren“. Sie gibt es inzwischen schon 40 Jahre.

Das, was die „Grünen Damen und Herren“ machen, würdigte während der Feier anlässlich des Geburtstages im Buhrfeindsaal auch Pastor Matthias Richter, Theologischer Direktor am Diako: „Aufmerksamkeit ist der Lichtstrahl, der Gottes Liebe sichtbar macht.“ Er erinnerte auch an Vorsteher Hans Willenbrock und Krankenhausseelsorger Manfred Küchenmeister, die vor 40 Jahren aus kleinen Anfängen am Diako die Institution „Grüne Damen und Herren“ als ehrenamtliche Ergänzung der Pflegekräfte ins Leben gerufen hatten. Nicht als Konkurrenz zu den Festangestellten, sondern als eine wichtige Bereicherung für die Patienten. So hatte es 1969 Brigitte Schröder aus den USA nach Deutschland mitgebracht, als kirchenübergreifende und christlich inspirierte Krankenhaus- und Altenheim-Hilfe.

Die Evangelische Kranken- und Alten-Hilfe („eKH“) hat sich in Rotenburg gemausert. Zurzeit verrichten 47 Frauen und ein Mann in Rotenburg ihren ehrenamtlichen Dienst. Schier endlose Wege sind sie in ihren minzgrünen Trachten und mit Büchern bepackten kleinen Wagen durch die Stationen gegangen. Haben an Betten gesessen und mit Patienten gesprochen oder einfach durch Schweigen Trost geschenkt, im Agaplesion Diakonieklinikum und in der Pflegeeinrichtung Tine-Albers-Haus.

„Unser Angebot kann mit den großen Kliniken mithalten. Auch wenn die Liegezeiten immer kürzer werden, wie wichtig können da ein Gespräch und ein Buch sein“, so Richter, der sich im Namen des Krankenhauses bei den „Grünen Damen und Herren“ bedankte.

Die „eKH“-Landesbeauftragte Susanne Zschätzsch ist in Niedersachsen und Bremen für 80 Gruppen und 1200 ehrenamtliche „Grüne Damen und Herren“ zuständig. Bundesweit arbeitet die „eKH“ in 497 Krankenhäusern und 244 Einrichtungen der Pflegehilfe. 11160 Frauen und Männer sind es insgesamt, die zur Zeit in Deutschland dieses Ehrenamt bekleiden.

„Es gibt durchaus Nachwuchssorgen, weil jüngere Menschen heute weniger bereit sind, sich stärker zu binden“, so Zschätzsch. Außerdem sei diese Form der ehrenamtlichen Hilfe eine Frauendomäne. Die „eKH“, so Zschätzsch, versuche deshalb aktuell, die Internetseite neu zu gestalten. Außerdem sei man zurzeit dabei, sich finanziell neu aufzustellen.

Grüße zum 40-jährigen Bestehen überbrachte für den Kirchenkreis Rotenburg Superintendentin Susanne Briese. Bürgermeister Andreas Weber gratulierte und bedankte sich stellvertretend für die Stadt, und der ehemalige Krankenhausseelsorger Manfred Küchenmeister erinnerte an den Start der „Grünen Damen und Herren“, den er zusammen mit Vorsteher Willenbrock maßgeblich initiierte. Küchenmeister: „Wir haben bei Ärzten und Pflegekräften die Bereitschaft zur Kooperation bis heute erhalten. Ich bewundere, dass diese ehrenamtliche Hilfe so gut funktioniert.“

Beate Exner, ebenfalls „eKH“-Landesbeauftragte, übergab das Kronenkreuz in Gold an zwei Rotenburgerinnen: Ingrid Sünnemann (35 Jahre „Grüne Dame“) und Karin Denkmann (25 Jahre).

Wechsel an der Spitze: Zum 40-jährigen Bestehen hat gleichzeitig ein Wechsel in leitenden Positionen stattgefunden. Neue Einsatzleiterinnen und damit Nachfolgerinnen von Pastorin Barbara Dieterich wurden Lieselotte Busche und Birgit Behrndt. Theologischer Ansprechpartner ist jetzt Pastor Rolf Hirte.

„Unsere Tätigkeiten als ,Grüne Damen und Herren‘ sind vielfältig. Dazu gehören die Bücherei, der Lotsendienst, die Altenhilfe im Tine-Albers-Haus, die Essenshilfe und der Getränkewagendienst“, berichtet die 65-jährige Rotenburgerin Lieselotte Busche. Die Damen und Herren nehmen sich Zeit, so Busche weiter, „und wir setzen uns ehrenamtlich ein, um Menschen zu helfen. Zeit ist heute sehr kostbar geworden, und wir bemerken bei unserer Arbeit die Dankbarkeit der Patienten“.

Busche machte auch darauf aufmerksam, dass die „Grünen Damen und Herren“ auf der Suche nach Nachwuchs sind. „Wir würden uns freuen, wenn wir neue Mitglieder bekämen: Menschen, die Freude am Ehrenamt haben, kontaktfreudig und zuverlässig sind, die eine positive Ausstrahlung haben und die verschwiegen sind.“ Geplant sei, künftig einen Besuchsdienst für die Stationen einzurichten. Wer Interesse an der ehrenamtlichen Tätigkeit hat, kann sich bei Busche unter der Telefonnummer 04261/62155 oder bei der Information im Krankenhauses melden.

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