Großumbau am Gymnasium

E-Boards sind in allen Räumen installiert, und Jonas Kruse und Iris Rehder machen es vor: Unterricht am „IPad“ ist für die Schüler nichts ungewöhnliches mehr.
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E-Boards sind in allen Räumen installiert, und Jonas Kruse und Iris Rehder machen es vor: Unterricht am „IPad“ ist für die Schüler nichts ungewöhnliches mehr.

14 Millionen Euro: So viel Geld soll in den kommenden Jahren in den Erweiterungsbau des Rotenburger Ratsgymnasiums fließen. Der Startschuss für eines der größten Bauprojekte der nächsten Zeit soll 2021 fallen.

Rotenburg – Schulleiterin Iris Rehder und ihr Stellvertreter Jonas Kruse sitzen entspannt am Tisch – sie haben ja auch gute Neuigkeiten: Der Umbau des Rotenburger Ratsgymnasiums rückt näher. Dafür hat zuletzt der Kreistag im Rahmen der Haushaltsberatung am Donnerstag grünes Licht gegeben. Rehder und Kruse äußern daher die Hoffnung, dass es in der zweiten Jahreshälfte 2021 losgehen könnte. Dazu fehlen noch konkrete Planungen, die sollen durch das beauftragte Architekturbüro im Januar folgen – es gibt mehrere mögliche Varianten.

Was klar ist: Der sogenannte 100er-Trakt, der älteste Gebäudeteil, hat hohen Sanierungsbedarf. Sowohl energetisch als auch in der Frage, wie Schule zukunftsfähig wird. Es geht bei dem Umbau nicht darum, mehr Klassenräume zu schaffen, sondern um mehr Platz für die Schüler und Multifunktionalität. Die Räume sind zu klein, um den modernen Ansprüchen an Unterricht gerecht zu werden. Übergangsweise wird das bedeuten, dass Container für den Unterricht genutzt werden. Wenn alles klappt wie erhofft, könnte zum 75-jährigen Schulbestehen, also 2024, alles fertig sein, sagt Rehder. Aber: Wenn man im Bestand baut, können unverhoffte Überraschungen warten.

Vor allem im Dachgeschoss ist ein großes Problem die Barrierefreiheit – die ist schlicht nicht vorhanden. Die Schüler sitzen beengt in verschachtelten Räumen, unter Querbalken, die auch akustisch und von der freien Sicht her ein Problem darstellen. 1959 gebaut, ist seitdem dort nicht viel erneuert worden. Der Gedanke geht dazu weg von der Flurschule, also Unterrichtsräumen, die rechts und links vom Gang abzweigen, hin zu einem Mix mit Clusterschule, also Unterrichtsräumen, in deren Mitte frei nutzbare Bereiche liegen, in denen Schüler in Gruppen zusammensitzen und arbeiten können. So können klassenübergreifende Kooperationen gestärkt werden. Ausgeweitet werden könnte der Trakt Richtung Fahrradständer. Die dortigen mobilen Abstellmöglichkeiten können woanders wieder aufgestellt werden. Eventuell wird der ehemalige Eingangsbereich der Aula etwas kleiner, „aber damit können wir gut leben“, ergänzt Kruse. Auch die Fachräume über der Pausenhalle haben Überholungsbedarf. Zeitgemäß sind sie längst nicht mehr.

Zwar ist mittlerweile alles digital ertüchtigt im Gymnasium, die alten Kreidetafeln durch moderne E-Boards ersetzt, W-Lan erreicht aber noch nicht in gleicher Stärke flächendeckend alle Ecken. Die bisherige Konzeption ist zehn bis zwölf Jahre alt, sagt Kruse. Damals stand der Gedanke der „IPad“- beziehungsweise Tabletklasse nicht so stark im Raum. Das W-Lan muss also ebenfalls ertüchtigt werden. Bis dahin soll es eine Übergangslösung geben. Auch die Lehrer haben sich umgestellt, nutzen Tablets im Unterricht – seit Corona deutlich mehr.

Immerhin: Ein großes Stück vorangekommen seien sie beim Thema Digitalisierung. Seit bekannt wurde, dass Präsenzunterricht freigestellt ist in dieser Woche, bleiben viele Schüler Zuhause. „Eine irre große Herausforderung“, nennt es Rehder, verbunden mit einer hohen Arbeitslast, „transparent und zeitnah zu kommunizieren“. Aber sie sagt auch: „Das ist die Zeit, die große Herausforderung, der wir uns gemeinsam gegenübersehen.“ Die Unsicherheit war groß, viele Nachfragen von Eltern hatten die Schule erreicht: Entstehen Nachteile, wenn der Schüler nicht kommt, werden Arbeiten geschrieben?

Besonders zu letzterem gibt es unterschiedliche Wege: Teils fallen Arbeiten weg, teils können Alternativleistungen erbracht werden. Ausnahme ist die Vorbereitung aufs Abitur, die müsse stattfinden. „Sie nehmen keinen Schaden, wenn Unterricht verschoben wird oder ausfällt“, so Kruse. Es gebe sicher negative Situationen, in denen nachgesteuert werden müsse. „Aber das ist keine verlorene Corona-Generation“, verdeutlicht er, in Anspielung auf Medienberichte, die so titelten.

Man habe die vergangenen Monate genutzt, die Schüler auf diese Situation vorzubereiten, gerade die jüngeren in der Nutzung der digitalen Mittel zu schulen. Zusätzlich ist eine Vorbereitungsgruppe aus Schülern, Eltern und Lehrern ins Leben gerufen worden, die sich damit beschäftigt, welche Voraussetzungen für die Digitalklassen im kommenden Jahr geschaffen werden müssen – dann wird ab Klasse 7 das „IPad“ als verpflichtendes Lernmittel eingeführt. Auch beim Umbau sei der Austausch, vor allem mit anderen Schulen, wichtig. Zum einen bei Fragen der räumlichen Ausstattung und Gestaltung, zum anderen hegt Rehder die Hoffnung auf eine Kooperation zur Nutzung der Fachräume. „Wir sind in Gesprächen“, sagt sie.

Neu ist ein Konferenzsystem, das es Schülern und Lehrern ermöglicht, von Zuhause aus am Unterricht teilzunehmen oder diesen zu leiten. Das befinde sich in der Testphase, sagt Kruse. Am Ratsgymnasium sind dazu 120 „IPads“ ausgegeben worden, an Schüler mit Bedarf.

Das große Problem in dieser Woche war aber weniger die Vorbereitung, sondern Überlastung der Server: Die konnten teils dem enormen Andrang nicht standhalten. Die Ausfälle kamen immer wieder minutenlang. „Wir versuchen, die Startzeiten zu verschieben, die Server kommen an die Grenzen“, sagt Rehder. Im Schnitt haben sich bei Iserv gut 130 000 Teilnehmer pro Tag eingewählt, hatte sie erfahren. Rekord in dieser Woche: 925 000 Teilnehmer in Videoschalten an einem Tag – „das übertrifft den Höchstwert im Frühjahr um das Dreifache.“ Dennoch hätten die Schüler alles bearbeiten können.

Die Frage der IT stellt sich dennoch weiter für die Zukunft: Dafür würde sich das Gymnasium mehr fachliche Unterstützung, mehr Support wünschen. „Da klafft eine Lücke. Ich möchte ja, dass die Kollegen unterrichten, dafür haben sie keine Arbeitszeit“, so Rehder.

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