Zehn Jahre Kunstausstellung in den Stadtwerken Rotenburg

Von großer Vielfalt

Die Besucher der Vernissage bekommen viel zu sehen vor den Büros. Foto: Stahl

Rotenburg - Von Heidi Stahl. Trübes Novemberwetter, Nieselregen und ein nüchternes, modernes Bürogebäude – ist das ein Rahmen für die Vernissage einer Kunstausstellung? Die Frage lässt sich im Fall von „X.“ , dieser Jubiläumsausstellung mit dem ungewöhnlich schlichten Titel, nur bejahen. Fast 100 erwartungsvolle Gäste sind der gemeinsamen Einladung von den Stadtwerken und dem Kunstverein Rotenburg gefolgt und strömten an diesem Abend in das hell erleuchtete Bürogebäude am Mittelweg.

Reinhard David, Geschäftsführer der Stadtwerke, und Peter Mokrus, Vorsitzender des Kunstvereins Rotenburg, betonten ihre langjährige Verbundenheit und freuten sich, dass sie zu diesem Jubiläum fast alle Künstler, die in den letzten neun Jahren hier schon ausgestellt hatten, zu einer gemeinsamen Präsentation ihrer Werke gewinnen konnten. Eine derartige Vielfalt unterschiedlichster Kunstrichtungen ist außergewöhnlich. In den zweckmäßigen, schmucklosen Gängen und Treppenhäusern des Geschäftshauses fanden die naturalistischen Holzplastiken und Reliefs von Otto Reinebeck aus Hannover und die filigranen, stilisierten Metallbäume von Mirsad Herenda ihren Platz. An den weißen Wänden neben den so schnöden Schildern vor den Büros wie „Finanz- und Rechnungswesen“ oder „Energie und Nachhaltigkeit“ trumpften die farbenfrohen großformatigen Bilder von Christina Völker aus Sottrum auf, und Jeanette Claasens kraftvolle, oft mit schwarzen Konturen versehene Porträts setzten lebendige Akzente in diese Bürowelt. Die in Zeichnung und Malerei festgehaltenen Tiermotive des Hamburgers Fritz Schade fügten sich überraschend homogen zwischen die stillen Landschaftsbilder von Susanne Maurer, die mal pastellig, mal kräftig sonnengelb in unterschiedlichsten Formaten daherkommen.

Die kleinformatigen, oft mit einem Hauch von Ironie versehenen Papierbilder von Jürgen Bodo Scholz aus Ottersberg finden genauso ihren Platz wie die Stillleben und versteckten Menschen von Mareike Seegers-Mirenda aus Bremen.

Bei so vielen unterschiedlichen Künstlern war es kein Wunder, dass Peter Mokrus sich für seine Laudatio ein anderes Thema gesucht hatte, als auf die einzelnen Künstler einzugehen. Humorvoll und oft mit einem leichten Schmunzeln gab er diesmal Verhaltensregeln für „Vernissagebesucher“: Man verhalte sich immer leise und ernsthaft, Lachen ist nicht erwünscht. Dunkle Businesskleidung ist angesagt, wobei man die anwesenden Künstler immer daran erkenne, dass sie die am lockersten Gekleideten sind. Es sei angebracht, vor den Bildern den Kopf schräg zu legen und sie leicht skeptisch oder auch mürrisch zu betrachten, eventuell mit gespitztem Mund einen leisen Pfiff auszustoßen. Der Profi unter den Vernissagebesuchern wippe dabei leicht mit den Knien und folgt unauffällig den Damen mit den Sekt-Tabletts und positioniert sich rechtzeitig am Büfett. In den heiteren Applaus nach dieser Laudatio beschwerte sich Reinhard David scherzhaft, dass er diese Ratschläge schon vor zehn Jahren hätte geben sollen. Nach so einem locker-leichten Auftakt konnten die Besucher sich bei einem Rundgang mit jedem der anwesenden Künstler über die vielfältigen Werke austauschen, überall hörte man lebhafte Gespräche, und auch das Lachen kam trotz Mokrus‘ Empfehlung nicht zu kurz. Eine wirklich außergewöhnlich vielfältige Präsentation norddeutscher Künstler, die noch bis zum 10. Januar zu den Geschäftszeiten im Gebäude der Stadtwerke zu sehen ist.

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