60 MINUTEN Wärmere Tage sorgen für Ansturm auf Blumen und Pflanzen

Bunte Frühlingsboten im Gartencenter

Hartmut Müller sortiert im Gartencenter Glanzmispeln von Wagen auf die Tische.
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Der Frühling lässt grüßen und es gibt viel zu tun. Hartmut Müller sortiert die Glanzmispeln in ihren Töpfen auf die Tische im Außenbereich.

Die ersten warmen Tage deuten den kommenden Frühling an. Und auch, wenn der Winter noch nicht ganz vorbei ist, zieht es die Menschen bereits in die Gartencenter - denn Blumen und Pflanzen bereiten Freude, gerade in der aktuellen Situation.

Rotenburg – Schon auf dem Parkplatz zeigt sich: Garten Grewe ist gut besucht. 15 Autos parken dort, alle Fahrradständer sind belegt. Heidekreis und Rotenburg, von weit her ist aber keiner angereist. Seit etwas mehr als einer Woche dürfen Gartencenter in Niedersachsen wieder öffnen. Und es ist auch höchste Zeit, sagt Inhaberin Jette Grewe. „Primeln und Co. kann man eine gewisse Zeit zurückhalten, aber nicht ewig.“ Vor dem Eingang stehen fünf Wagen, beladen mit Paletten voller Hornveilchen oder auch „Viola cornuta“, die den Kunden unterstreichend ihre leuchtend gelb-blau-weißen Köpfchen in der sanften Brise entgegenstrecken.

Hinter den Hornveilchen wartet – noch verlassen – die Wildbienennisthilfe auf die ersten fleißigen Nektarsammler. Die Vögel zwitschern, auf einer Weide muhen die Kühe. Die Sonne scheint, wenngleich nicht mehr vom strahlendblauen Himmel wie am Wochenende. Ein Hauch von Frühling liegt in der Luft, es wirkt nahezu idyllisch. Ein Paar unterhält sich am Auto noch mit einer Bekannten, kurz darauf nimmt diese ihren geflochtenen Einkaufskorb vom Boden hoch, verabschiedet sich und macht sich auf den Heimweg. Ein kurzes maskiertes Hallo auf dem Parkplatz – einer der wenigen Sozialkontakte der meisten Menschen derzeit. Das Bild ist schon so in unseren Alltag eingezogen und doch, es hat auch etwas Trauriges.

Über dem Geschäft zieht derweil ein Segelflieger vorbei. Das brummende Geräusch fällt auf, denn bis auf die Einkaufswagen mit den fröhlich-grünen Griffen, die die Kunden ratternd über den Parkplatz schieben, ist es ruhig. Mit so einem steht die Rotenburgerin Anna Baete am Kofferraum, lädt Blumen ein. „Ich bin das zweite Mal hier seit der Öffnung und wurde schon gefragt, ob ich morgen wiederkomme“, sagt sie zu ihrer Begleitung und lacht. „Im Garten braucht man so einiges.“ Und nicht nur an sich denkt sie, sondern auch an ihre Nachbarin gehen ein paar Primeln. „Sie hat für mich Schnee geschoben.“ Nachbarschaftshilfe, es ist etwas, das besonders in Corona-Zeiten noch einmal eine neue Bedeutung bekommen hat. Man kennt sich besser, man hilft sich – gerade den älteren Mitmenschen.

Eine bunte Auswahl: Die Rotenburgerin Anna Baete holt sich die ersten Pflanzen für ihren Garten.

Auf dem Parkplatz herrscht ein reges Kommen und Gehen. Es sind aber deutlich mehr Frauen als Männer unterwegs. Eine junge Mutter nimmt ihre zwei kleinen Kinder an die Hand, eine weitere Frau schon frühlingshaft im Rock folgt ihr in den Laden. Sie bleibt nicht die Einzige im Frühlingslook. Die Sonne scheint und sie wärmt. Selbst in einer dünnen Übergangsjacke ist es fast schon zu warm. Das Wetter zieht. Vor einer Woche, am Tag der Öffnung, war das mit Eis und Schnee noch ganz anders.

Dabei ist es noch eher ruhig an diesem Montag, am Samstag sah das ganz anders aus, da wurde sogar die Öffnungszeit erweitert, weiß Mitarbeiter Hartmut Müller, der gerade im hinteren Teil des Außenbereichs die großen Töpfe mit Glanzmispeln von den Wagen auf die Tische hebt. Diese sind noch zum Teil leer, sollen sich aber nach und nach füllen – insgesamt 150 Wagen voller Pflanzen und Blumen erwartet Grewe diese Woche noch. Ein Super-Gau, müsste sie jetzt wieder zumachen. Notfallideen gibt es zwar, doch für den Außer-Haus-Verkauf sind sie einfach nicht ausgerichtet – deswegen war das Center seit Dezember geschlossen.

Der Blick nach drinnen zeigt dann: Hier wirkt es gar nicht so voll, die Leute verteilen sich gut auf die Innen- und Außenbereiche. Maximal 50 Wagen stehen zur Verfügung, danach wäre Einlass-Stopp. Das war aber trotz Samstagsandrang bisher noch nicht der Fall. Jeder macht seinen Rundgang durch Tische voller bunter Blumen, Pflanzen und erster Oster-Deko, fährt zur Kasse und ab nach Hause mit den Schätzen. Im Kassenbereich wird es dann wieder ein wenig lauter, sanfte Musik und Vogelzwitschern wird abgelöst durch den ein oder anderen fröhlichen Schnack. Ein kleines Mädchen sitzt im Wagen, hält ihrer Mutter begeistert eine kleine Porzellanfigur und einen Teller entgegen. „Guck mal, da kann ich Hasi raufstellen“, meint sie entzückt.

Hornveilchen nicken den Kunden entgegen.

Die Farbenpracht einfach anzusehen, verbreitet gute Laune. Das ist einigen anzumerken, die sich ihr Zuhause verschönern wollen – den Ort, an dem man sich derzeit am meisten aufhält. Zwar ziehen die ersten schönen Tage nach dem Winter immer viele Leute an, normalerweise ist es jedoch im Februar noch recht ruhig. „Aber gerade in der Krise brauchen die Menschen etwas schönes – wie Blumen“, weiß Grewe. Aber nicht nur das, auch ihr Selbstversorgungsdrang hat in der Krise zugenommen – Gemüse und Obst selber anzupflanzen hat noch mal einen Aufschwung bekommen, die Menschen achten auf Nachhaltigkeit und regionale Produkte – auch bei Pflanzen.

Aber das ist noch Frühlingsmusik. Der ist noch nicht da, aber es ist ein leichtes Aufatmen zu spüren, auch, wenn der Lockdown andauert. Aber Frühling liegt in der Luft, der Gedanke an Zeit im Freien, bunte Blumenboten, das reicht für das erste Lächeln.

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