60 Grad unter dem Acker

„SuedLink": Landwirte fordern angepasste Entschädigungssätze

Zu wenig Entschädigung, sind sich Carsten Hipp (v.l.), Jochen Oestmann, Christian Intemann und Jörn Ehlers einig. - Foto: Haubrock

Rotenburg - Der politische Beschluss in Berlin, dass die geplante „SuedLink“-Hochspannungstrasse vorrangig als Erdverkabelung realisiert wird, wurde in weiten Teilen der Bevölkerung begrüßt. Die Landwirte, durch deren Grund und Boden das Gleichstromkabel laufen soll, haben aber Bedenken. Sie fürchten einen starken Wertverlust und Ertragseinbußen.

Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) vorgelegte Gutachten „Entschädigung von Grundstückseigentümern und Nutzern beim Stromnetzausbau“ stößt beim Deutschen Bauernverband (DBV) auf Ablehnung. Eine Neujustierung der Entschädigungssätze sei unverzichtbar. In einem Pressegespräch erläuterten am Mittwoch die beiden Vorsitzenden des Landvolk-Kreisverbandes Rotenburg-Verden, Jörn Ehlers und Christian Intemann, Geschäftsführer Carsten Hipp sowie Jochen Oestmann, Vorsitzender des Kreisverbandes Lüneburger Heide Harburg/Soltau-Fallingbostel die näheren Umstände.

„Das Thema Erdverkabelung beschäftigt uns Landwirte sehr, die Problematik hier ist noch wesentlich größer als bei Freileitungen“, so Ehlers. Durch die in der Bauphase 60 Meter und später 30 Meter breite Trasse sei wesentlich mehr Boden betroffen als bei einer Freileitung. Trotzdem sei die Entschädigung unterm Strich geringer. Die Belange der Landwirte seien in dem Gutachten daher nicht ausreichend berücksichtigt worden. So sei lediglich eine einmalige Dienstbarkeitsentschädigung von einem bis 1,50 Euro pro Quadratmeter für das Verlegen der Leitung geplant.

Folgen sind noch nicht erforscht

Für eventuelle Ertragsminderungen durch die Erwärmung oder Entfeuchtung des Bodens gebe es darüber hinaus gar keine Entschädigung. „Die Kerntemperatur der Leitung beträgt 60 Grad, außen sind es 40 Grad, sie liegen ungefähr 1,5 Meter tief im Boden. Da es diese Leitungen bislang noch nicht gibt, sind die Folgen noch gar nicht erforscht. Wir befürchten, dass die Verdunstungsenergie zum Wasserverlust im Boden führt. Wir Landwirte stemmen uns nicht gegen Infrastrukturprojekte, auch wir wollen unseren Beitrag zur Energiewende leisten. Wir sind bereit dazu, die Last zu tragen, fordern aber Fairness“, stellte Oestmann klar.

Er wies zudem darauf hin, dass Netzbetreiber Tennet vom Staat eine Verzinsung von 6,95 Prozent der Investitionen garantiert worden sei. „Solche Konditionen wünschen wir uns auch.“ Rotenburgs höchster Bauernvertreter Jörn Ehlers wies auch auf wiederkehrende Belastungen für die Landwirte durch Wartung und Reparatur der Leitungen hin. „Bei Störungen müssen sie auch wieder auf den Acker und am offenen Boden arbeiten.“ Jochen Oestmann wünscht sich für solche Fälle zumindest ein Mitspracherecht, wann gebuddelt wird. „Wenn das bei strömendem Regen geschieht, werden die einzelnen Schichten des Bodens zerstört. Solche Bausünden sieht man noch nach Jahrzehnten.“

Entschädigung sei unverzichtbar

Aus diesen Gründen sei eine gesetzlich verankerte wiederkehrende Entschädigung unverzichtbar, zumal die jetzigen Entschädigungen nach einem alten System berechnet worden seien, das den heutigen Umständen nicht mehr gerecht wird, beklagte Ehlers.

Ein Vergleich mit den Entschädigungssansätzen mit der Schweiz zeigt laut dem DBV für Deutschland einen diskussionswürdigen Regelungsansatz. Dort wird nach 25 Jahren für Dienstbarkeiten gezahlt. - ahk

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