„Besser als man denkt“

Gilberto Gori spricht über die Situation der Rotenburger SPD

Es ist ungewiss, ob Gilberto Gori noch einmal für den Stadtrat kandidiert.
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Es ist ungewiss, ob Gilberto Gori noch einmal für den Stadtrat kandidiert.

Rotenburg – Vor fast genau 25 Jahren war Gilberto Gori der erste EU-Ausländer, der sich bei den Kommunalwahlen einen Platz im Rotenburger Stadtrat gesichert hat. Seitdem vertritt der Italiener die Farben der SPD – inzwischen sogar als Vorsitzender der Fraktion.

Was so gut läuft, sollte doch eigentlich eine Fortsetzung finden, möchte man meinen. Doch der 62-Jährige ist unentschlossen: „Ich überlege noch, ob eine erneute Kandidatur für mich infrage kommt.“

Auch Erika Schumann-Mößeler und Manuela Thies haben sich noch nicht festgelegt, während Heike Behr, Rolf Klammer, Marion Bassen sowie Uwe Lüttjohann aller Voraussicht nach am 12. September erneut auf der Liste der Rotenburger Sozialdemokraten zu finden sein werden. Mattina Berg indes steigt aus. Gilberto Gori hofft nun vor allem, dass sich junge Kandidaten finden, die einen aus seiner Sicht erforderlichen Generationswechsel einleiten können. Der sei unbedingt erforderlich, sagt er.

Doch die SPD hat es schon seit mehreren Jahren alles andere als leicht. Die Umfragewerte auf Bundesebene verheißen nichts Gutes. Gori bleibt gelassen. „Die Kommunalwahl ist eine sehr persönliche Wahl.“ Um aber auch dabei erfolgreich sein zu können, brauchen die Parteien bekannte Gesichter. Mehr als die Hälfte der Kandidaten sollten in der Stadt bekannt sein, meint er. Die Liste sollte mindestens 20 Namen beinhalten – unter dem Strich peile er zwölf gewonnene Plätze im Stadtrat an.

Wie aber soll das gelingen? Schließlich hat es während der zurückliegenden viereinhalb Jahre innerhalb der SPD-Fraktion reichlich rumort. Erst lösten sich Frank und Marje Grafe aus der Fraktion, wenig später verabschiedete sich der gerade erst für Hermann Martin nachgerückte Michael Niestädt in Richtung CDU-Fraktion. „Ja, diese Wahlperiode war sehr stressig“, lautet die erste Bilanz von Gilberto Gori.

Allen voran die beiden Verluste der inzwischen gestorbenen Parteikollegen Hermann Martin und Jan-Till Jügensen, aber eben auch die Abschiede aus der Fraktion wiegen schwer. Im Fall von Frank und Marje Grafe hätten alle in der Fraktion mit ihnen das Gespräch gesucht, sogar den Einsatz eines Mediators habe man angeboten – ohne Erfolg. Es heißt, persönliche Gründe hätten den Ausschlag gegeben. Gori fragt sich heute noch, welche das waren. „Sie haben es nicht gesagt.“

Inzwischen sei der Zustand der Ratsfraktion gut, die Zusammenarbeit harmonisch. „Wir sind wie eine Mannschaft, in der alles ineinander greift.“ Das Problem, dessen sich der Vorsitzende ebenfalls bewusst ist: „Wir haben nichts mehr zu sagen.“ Zugleich haben Außenstehende immer wieder den Eindruck, dass die Rückendeckung für den Bürgermeister aus den eigenen Reihen nicht um uneingeschränkt ist. „Das ist nicht richtig“, sagt Gori. Allerdings habe sich in einem Punkt etwas geändert: „Wir fragen bei Andreas Weber nach, wenn es um Dinge geht, die er machen möchte. Wir sagen nicht mehr einfach nur ja.“ Die Fraktion will überzeugt werden – gelingt das nicht, kann punktuell die Abstimmung entsprechend ausfallen.

Dennoch: Es ist irgendwie ruhig geworden um die SPD im Stadtrat. „Ja, die Öffentlichkeitsarbeit ist ein Manko“, stimmt der 62-Jährige zu. Das gelte auch für den Rotenburger SPD-Ortsverein. Der Zustand von Ortsverein und Fraktion sei jedoch „besser als man denkt“. Man habe einen neuen Vorstand, der jetzt „anfängt, vernünftig zu arbeiten“, so Gori. Außerdem gebe es dort mittlerweile junge, talentierte Kräfte, die sich mit neuen Ideen einbringen. Und warum hört man nichts? „Weil wir bei der Arbeit sind.“

Ganz bewusst habe man sich zudem entschieden, auf einen Bürgermeisterkandidaten zu setzen, der nicht aus der Politik kommt und parteilos sei. „So können wir neu anfangen.“ Torsten Oestmann sei genau der richtige Mann – „wir stehen bereit“.

Weitere Namen, die im September auf der Liste auftauchen können, will Gori zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nennen. „Es sind noch eine Reihe von Gesprächen zu führen.“ Einige hätten von sich aus Interesse bekundet, andere hat die SPD im Blick, weil sie interessant sind. 37 Namen habe man zurzeit zur Auswahl. 20 sollen am Ende mindestens übrig bleiben, am liebsten sieben oder acht junge Leute, findet Gori. Denn er möchte seine Erfahrung aus den vergangenen 25 Jahren gerne weitergeben.

Aus seiner Sicht sollte es vor der Wahl im kommenden September um eine Positionierung der SPD vor allem zu drei Themen geben: Jugend, Wohnungsbau und Verkehr. Im Mai spätestens werde klar sein, ob er selbst dann noch einmal mitmischt. Einen Namen lässt er dann aber doch noch aus dem Sack: Ina Helwig, gerade erst zur Co-Vorsitzenden des SPD-Unterbezirks an der Seite von Nils Bassen gewählt, strebe in jedem Fall ein Ratsmandat an. Und das, sagt Gori, sei sehr gut – sie ist eine junge Frau aus Rotenburg. Weitere sollen folgen.

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