Eltern kritisieren vorübergehenden Umzug der Kita Lönsweg in die Realschule

„Es gibt kein Konzept“

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Der marode und nicht mehr zeitgemäße Kindergarten am Lönsweg kommt weg. Im August sollen die Abrissbagger anrollen, ein Jahr später ist die Eröffnung des 1,8 Millionen Euro teuren Neubaus geplant.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Zukunft der Kindertagesstätte am Rotenburger Lönsweg soll am Donnerstagabend auf den Weg gebracht werden. Tagesordnungspunkt 12 in der Stadtratssitzung wird eine diesbezügliche Verwaltungsvereinbarung sein. Die Kita wird abgerissen und neu gebaut, das steht fest und freut alle Beteiligten. Nur das Wie ist umstritten.

Die Elternvertreterinnen Bilgin Öz-Freißmann (l.) und Katja Ellinghausen kritisieren das Vorgehen der Stadt.

Elternvertreter kritisieren die Unterbringung der Kinder während der geplanten, einjährigen Bauphase – weg vom Mühlende ist diese in Räumen der Realschule in der Ahe geplant. „Dafür gibt es kein tragfähiges Konzept“, heißt es. Bilgin Öz-Freißmann und Katja Ellinghausen sind sauer. Die beiden Vertreterinnen des Elternbeirats fühlen sich von den Beschlüssen der Stadt und des kirchlichen Trägers der Einrichtung, die Michaelsgemeinde und der Kindertagesstättenverband Rotenburg-Verden, übergangen. Erst im Februar seien die Eltern in einem Brief darüber informiert worden, dass die vier Kita-Gruppen mit 75 Drei- bis Sechsjährigen für ein Jahr in die Realschule wechseln sollen. Ihre Vorwürfe, die sie mit einer Unterschriftenaktion untermauern: zu weit weg vom Zuhause vieler Familien, keine Anbindung mehr an die bekannte Umgebung mit Spielplätzen und der Kirche, zu wenig Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder in den neuen Räumen. Auch sei die Schließzeit im Sommer wegen des Umzugs ohne Absprache von drei auf fünf Wochen verlängert worden. Grundsätzlich gelte: „Leider wurde die Elternschaft nicht in die Entscheidungsprozesse mit einbezogen, was den Standort in der Realschule betrifft.“ Und: „Offensichtlich ist die Entscheidung kurzfristig getroffen worden, da bis jetzt keinerlei bauliche Maßnahmen für einen Kindergartenbetrieb im Realschulgebäude durchgeführt wurden.“ Man sei bereit, Einschränkungen hinzunehmen, betonen die Elternvertreterinnen. „Aber wir möchten eine durchdachte Lösung“, sagt Ellinghausen. Die nun präsentierte sei jedenfalls keine.

Das sieht die Stadt anders. Stadtplaner Clemens Bumann betont, Rotenburg lasse sich den neuen Kindergarten 1,8 Millionen Euro kosten. Der Neubau ist notwendig, da das Gebäude aus den 60er-Jahren in einem äußerst schlechten Zustand sei und nicht mehr den heutigen energetischen und räumlichen Standards entspreche. Für die Übergangszeit bis zum Einzug sei eigentlich der Träger verantwortlich, doch die Stadt übernehme die Aufgabe. Die beste Lösung sei die städtische Realschule. Dort seien freie Räume vorhanden, eine reine Container-Lösung am Mühlende wäre zudem bis zu 80 000 Euro teurer. 100 000 Euro wird die Stadt in die Umbaumaßnahmen in der Realschule investieren. So sollen in einem Gebäudeflügel drei Klassenräume zu Gruppenräumen umgewandelt werden, zudem werden Container mit sanitären Anlagen, Caféteria, einem weiteren Gruppenraum sowie einem Bewegungsraum aufgestellt. Über einen eigenen, vom Schulbetrieb getrennten Zugang könnten die Kinder die Räume betreten, am Rande des Ascheplatzes auf dem Ahe-Sportplatz wird zudem ein kleiner Spielplatz für die Kita gebaut. Alles Provisorien, aber für Bumann absolut zumutbar. Auch die Entfernung sei überschaubar: selbst beim morgendlichen Stau auf der Burgstraße sei der Weg vom Mühlende in die Ahe kaum länger als fünf Autominuten. Und nicht zuletzt könnte die Kita die Vorteile des nahen Waldes mit dem Ahe-Spielplatz nutzen.

Angefreundet mit der „Übergangslösung“ haben sich mittlerweile die Kita-Leitung sowie Realschul-Leiter Sven Thiemer. Der sagt: „Wir können das gut organisieren und sind trotz gewisser Herausforderungen optimistisch.“ Kita-Leiterin Hilltraut Schiemang-Ludewigs betont, es sei nur ein Teil der Elternschaft, die solch laute Kritik äußere. Für sie und ihre 13 Mitarbeiter sei die Perspektive auf ein neues Haus aber entscheidend, denn die bisherigen Räumlichkeiten entsprächen nicht mehr den gewachsenen Anforderungen. So sei es zum Beispiel nicht mehr möglich, Krippenkinder wegen fehlender Schlafräume aufzunehmen. Die Pädagogen seien frühzeitig in die Planungen eingebunden gewesen und glaubten, das eine Jahr in der Realschule „auszuhalten“. Dafür sei es aber nötig, alle Beteiligten ins Boot zu holen und Gespräche zu führen: „Wir wollen wissen, wo der Schuh drückt.“

Für die Elternvertreter bleiben die Probleme. Sie hoffen nun auf politische Unterstützung. Die von ihnen vorgelegten Alternativen für die Übergangszeit – eine Containerlösung auf einem mietfreien Gelände, Räume in der Schule am Grafel oder in der Pestalozzischule – seien allesamt abgelehnt worden. Deswegen bleibe nur noch eine Möglichkeit: „Wir fordern, dass der Abriss für mindestens zwei Jahre verschoben wird, damit ein vernünftiges Konzept zur Unterbringung unserer Kinder erarbeitet werden kann.“

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