Am 1. Mai gibt es Einschränkungen zum Alkoholkonsum am Mühlende

Schluss mit lustig

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Am 1. Mai geht es am Bullensee traditionell hoch her. Das soll sich ändern, zumindest wenn es nach dem Willen von Stadt, Landkreis, Rettungsdienst und Polizei geht. Archivfoto: Goldstein

Rotenburg - Von Inken Quebe. Am 1. Mai strömen viele junge Menschen in Rotenburg zum Bullensee – das ist heute so, das war auch früher schon so.

Doch Alkoholkonsum und die daraus resultierende Gewalt scheinen in den vergangenen Jahren außer Kontrolle geraten zu sein: Die Verantwortlichen ziehen die Notbremse. In diesem Jahr gelten am 1. Mai auf den traditionellen Wegen durch das Mühlende neue Regeln

„Der Erhalt der Sicherheit und Ordnung ist nicht mehr gewährleistet“, begründet Thomas Buncke, Einsatzleiter „Bullensee“ der Rotenburger Polizei. In diesem Jahr soll im Bereich des Rotenburger Mühlendes, von wo aus sich die meisten auf den Weg zum Bullensee machen, zwischen 8 und 24 Uhr kein Alkohol konsumiert und mitgeführt werden dürfen Um Scherben zu vermeiden, sind zudem Glasbehälter nicht erlaubt. Weiterhin gibt es am Bullensee weder einen Toiletten- noch Imbisswagen, wie es 2014 und 2015 der Fall gewesen ist.

Damit ziehen die Beteiligten um das städtische Ordnungsamt, Polizei, Rettungsdienst und Landkreis Rotenburg die Konsequenzen. In den vergangenen Jahren sei die Veranstaltung zu groß geworden: zu viele, zu stark alkoholisierte Menschen, zu viele Straftaten wie Schlägereien, zu viel Müll durch zum Beispiel Scherben. Auch die Toleranz der Bürger habe abgenommen.

Der Bereich, in dem das Verbot am 1. Mai gilt.

Die Entscheidung, dass die Rahmenbedingungen für die traditionelle Veranstaltung geändert werden, sei schon im Mai 2015 gefallen: Wenige Tage nach dem 1. Mai hatten sich alle Beteiligten zur Lagebesprechung zusammengesetzt, bis zum Ende des Jahres war das neue Konzept ausgearbeitet. Das größte Problem ist laut Thomas Buncke, dass es keinen Veranstalter gibt, mit dem ein Sicherheitskonzept hätte ausgearbeitet werden müssen. Er macht aber auch deutlich: „Eine solche Veranstaltung wäre in diesem Ausmaß nicht erlaubt worden.“

Bürgermeister Andreas Weber (SPD) möchte, dass der Bullensee am 1. Mai wieder ein Ausflugsziel für Familien sein kann. Deshalb wolle man nun schon frühzeitig über die Einschränkungen informieren, damit es keine enttäuschten Jugendlichen gibt. Doch er betont auch: „Das ist nicht mehr lustig, da muss irgendwann Schluss sein.“

Früher seien es noch ausschließlich kleine Gruppen gewesen, die den Feiertag genutzt hatten und mit dem Bollerwagen losgezogen waren, erinnert sich der Bürgermeister. Doch in den vergangenen fünf bis zehn Jahren, schätzt Weber, sei es immer mehr geworden. Auch von außerhalb – Bremen, Hannover, Hamburg – seien viele angereist. Im vergangenen Jahr waren es wohl mehr als 4000 Menschen.

Diese für Rotenburg ungewohnten Massen haben schon vorher einige Vorkehrungen nach sich gezogen: Es wurden zum Beispiel Schulen eingezäunt, Toilettenwagen aufgestellt, und Putzkolonnen haben das gesamte Gebiet am Bullensee sowie den Weg dorthin gereinigt. Kostenpunkt: „Etwa 60000 Euro an Personalkosten“, so Weber.

„Mir tut es im Herzen weh, diese Tradition fallen zu lassen“, betont Buncke, er sagt aber auch, dass die Veranstaltung von Seiten der Polizei und des Ordnungsamtes nur geduldet gewesen sei, bei Ordnungswidrigkeiten sei manches Auge zugedrückt worden.

Dass der Einsatz inzwischen groß geworden ist, belegen die Beamten mit Zahlen. Im vergangenen Jahr seien am 1. Mai insgesamt in zwölf Stunden 19 Platzverweise ausgesprochen worden. Zum Vergleich: Im doppelten Zeitraum auf dem Hurricane-Festival in Scheeßel seien es sechs Platzverweise gewesen. „Normalerweise vernünftige Leute nutzen diesen Tag, um sich regelrecht abzuschießen“, berichtet Kaldinski.

Kommentar zum Thema: Das Problem ist nur verlagert

Hinzu kommen weitere Probleme: Da ist zum einen die personelle Situation bei der Polizei, die besonders am 1. Mai angespannt ist. Das berichtet Detlev Kaldinski. „Wir können uns keine Beamten schnitzen“, so der Polizeichef in Zeven. Am „Tag der Arbeit“ ist auch in anderen Städten traditionell viel los, sodass vom Land Niedersachsen nicht viel Personal unterstützend nach Rotenburg geschickt werden könne. Zum anderen hatte der Sanitätsdienst Schwierigkeiten. „Unsere Rettungsausfahrt an der Brauerstraße war blockiert. Hätte der Wagen losfahren müssen, wären wir nicht vom Hof gekommen“, erinnert sich Silke Hinze, die den Rettungsdienst des Landkreises leitet. Die Menschen hätten nicht den nötigen Respekt gezeigt: „Es wurde sogar nach den Wagen getreten, die Tür aufgerissen, hineingebrüllt“, sagt sie. Mittlerweile sei eine komplette Reserveeinheit im Einsatz, um die anfallenden Notfälle abzudecken. Das Sanitätszelt war stark frequentiert, vor allem mit jungen, stark alkoholisierten Menschen.

Und dort, wo viele Menschen feiern, entsteht häufig auch viel Dreck: Das Gelände am Bullensee werde vermüllt, so Buncke. Sogar im Spätsommer lägen dort noch Scherben, sodass sich Badegäste verletzen könnten. In der Nähe des Sees beginnt darüber hinaus ein Naturschutzgebiet, Lärm und Verschmutzung sind dort nicht erlaubt.

Wichtig ist es den Beteiligten, zu betonen, dass es sich bei der neuen Regelung – Allgemeinverfügung genannt – nicht um ein gänzliches Verbot handelt, sondern um eine Einschränkung. Und einen Appell an die Eltern möchte Detlev Kaldinski auch noch loswerden: Sie sollen ihre Kinder darauf hinweisen, dass sie so etwas nicht unterstützen, und die Konsequenzen verdeutlichen. Er ist überzeugt: „Es ist in dieser Form nicht mehr hinnehmbar. Das werden wir anders nicht in den Griff bekommen.“

Das Verbot und die Strafen

Die Stadt Rotenburg untersagt am 1. Mai von 8 bis 24 Uhr im Bereich des Mühlendes das Mitführen und Trinken alkoholischer Getränke sowie Glasflaschen und Gläser auf öffentlichem Gelände. Davon betroffen ist der Bereich: Beginnend an der Kreuzung Mühlenstraße/Verdener Straße /Brauerstraße, der Verdener Straße folgend bis Glummweg, weiter von Am Ahbeek bis Grafeler Damm und Knickchaussee, in nördlicher Richtung bis Visselhöveder Straße, weiter in südlicher Richtung bis Hasseler Weg, weiter bis Zwischen den Wassern und Fasanenweg, Im Teich, Wittorfer Straße und weiter bis zur Kreuzung Mühlenstraße. Diese Verbote gelten nicht für gaststättenrechtlich konzessionierte Flächen, heißt es in der Bekanntmachung. Wer das Verbot nicht befolgt, für den wird ein Zwangsgeld in Höhe von 200 Euro fällig. Außerdem wird ein Platzverweis ausgesprochen. Stellen Ordnungsamt, Naturschutzbehörde des Landkreises oder Polizei im Landschaftsschutzgebiet „Grafeler Holz, Hamerloh und Lintel“ fest – in dem auch der Bullensee selbst liegt –, dass es dort Lärm oder Verschmutzungen gibt, ist ein Bußgeld in Höhe von bis zu 25.000 Euro fällig.

Einen Lageplan gibt es hier

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