Gewässerqualität im Kreis: Erhöhte Nitrat- und Pflanzenschutzmittelbelastung

Auch mittelfristig ist keine Besserung in Sicht

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Für 2016 ist eine Änderung der Düngeverordnung vorgesehen.

Rotenburg - Von Elisabeth Stockinger. Michael Jagemann brachte es direkt zu Beginn auf den Punkt: Die Gewässer im Landkreis Rotenburg weisen weiterhin erhöhte Nitrat- und Pflanzenschutzmittelbelastungen auf. Als Vertreter des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) plädierte er am Dienstagnachmittag vor dem Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Planung des Kreistages für eine „Trendumkehr“.

Bereits im März 2014 waren den Ausschussmitgliedern die NLWKN-Daten vorgestellt worden. Jagemann, Geschäftsbereich Gewässerbewirtschaftung und Flussgebietsmanagement, lieferte gestern die neuesten Zahlen. Demnach weisen mehr als 45 Prozent der 70 Grundwassermessstellen im Landkreis Rotenburg erhöhte Nitratwerte auf – höher als der Richtwert, der mit 50 Milligramm pro Liter festgesetzt ist. „Das ist eine hohe Belastung auf gleichbleibend hohem Niveau“, so Jagemann. Es gebe keine „Hotspots“, also keine bestimmten Bereiche im Kreis, die besonders betroffen seien. Hinsichtlich der Pflanzenschutzmittel (PSM) – mit und ohne relevante Metabolite – seien im Landkreis an zwölf beziehungsweise 52 Prozent der Messstellen zu hohe Werte nachgewiesen worden. Bei Metaboliten handelt es sich um Stoffe eines biochemischen Abbaus sowie Abbauzwischenprodukte.

Als Hauptverursacher für die belastenden Werte sieht Jagemann die Landwirtschaft. „Wir konnten im Vergleich zum letzten Bericht keine Verbesserung feststellen“, so sein Fazit. „Im Gegenteil, auch mittelfristig kann ich keine Trendumkehr hinsichtlich der Nitratbelastungen erkennen.“ Doch eben diese forderte er. „Es bedarf einer Verschärfung der aktuellen Düngegesetzgebung.“ Zudem müssten die Landwirte stärker an den angebotenen Bewirtschaftsungsmaßnahmen beteiligt werden: ganzjährige Begrünungen, Flächennutzungsänderungen sowie Extensivierungen. Hinsichtlich der hohen PSM-Werte plädierte Jagemann für eine Mengenreduzierung, für schärfere Zulassungsbestimmungen, gezieltere Überwachung sowie intensivere Fachberatungen. Denn: „Weder Nitrat noch Pflanzenschutzmittel haben etwas im Grundwasser verloren.“

Nachdem im März dieses Jahres der zweite Nährstoffbericht in Bezug auf Wirtschaftsdünger für Niedersachsen veröffentlicht worden war, stellte Heinz-Hermann Wilkens von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg dem Ausschuss die Eckdaten speziell für den Kreis Rotenburg vor. Noch habe der Landkreis die Obergrenze für Stickstoffanfall gemäß der geltenden Düngeverordnung nicht erreicht, wie etwa die Landkreise Cloppenburg und Vechta. Das könne sich aber bereits im kommenden Frühjahr ändern: Nach einem vorliegenden Entwurf zur Änderung der Düngeverordnung ist vorgesehen, die Stickstoffobergrenze auf alle organischen und organisch-mineralischen Düngemittel auszudehnen. Erfasst werden damit auch Gärreste aus Biogasanlagen – und davon gibt es bekanntermaßen im Landkreis sehr viele.

Gut drei Stunden diskutierten die Ausschussmitglieder über den Tagesordnungspunkt. Karsten Lodders von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Bezirksstelle Bremervörde, regte an, dass Landkreis und Landwirtschaftskammer stärker zusammenarbeiten sollten, um die Problematik in den Griff zu bekommen. Der Erste Kreisrat Torsten Lühring riet dazu, sich außerdem mit der Bauaufsicht zusammenzusetzen.

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