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Dennis Hasselmann spricht über seine Depression und wird zum „Mutmacher“

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Von: Guido Menker

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Dennis Hasselmann ist in den Augen von Peter Tauber ein „Mutmacher“.
Dennis Hasselmann ist in den Augen von Peter Tauber ein „Mutmacher“. Stolz zeigt der Rotenburger das Buch des früheren CDU-Generalsekretärs. © Menker

„Ich bin durch die Hölle gegangen.“ Das sagt Dennis Hasselmann. Er spricht über seine Depression und über seinen Entschluss im Herbst 2019, sich das Leben zu nehmen. Seine Freundin hält ihn davon ab. Der junge Mann stellt sich seiner Krankheit und findet den Weg zurück ins Leben. Für den ehemaligen CDU-Spitzenpolitiker Peter Tauber ist er einer von zwölf „Mutmachern“, deren Geschichten er in seinem Buch mit diesem Titel erzählt. „Mutmacher“ erscheint am 1. Februar.

Rotenburg – 13 Wochen verbringt Dennis Hasselmann ab Mai 2020 in einer Bremer Klinik. „Nach etwa zwei Dritteln dieser Zeit habe ich mich entschieden, meine Depression öffentlich zu machen.“ Hasselmann setzt einen Insta-gram-Post ab. Es gibt 380 Likes, 52 Kommentare und „unzählige Nachrichten“. Heute blickt der 28-jährige Rotenburger auf diese Zeit zurück. „Ich bin sehr froh, so offen damit umgegangen zu sein und alles auf den Tisch gelegt zu haben. Ich bin mit mir im Reinen.“

Diese Offenheit beeindruckt auch Peter Tauber, der ehemalige Generalsekretär der CDU veröffentlicht am 1. Februar sein Buch „Mutmacher“, in dem er die Geschichten von zwölf Menschen erzählt, die von Hoffnung und Zuversicht geprägt sind. Tauber: „Mutmacherinnen und Mutmacher sind der eigentliche Reichtum unseres Landes.“

Seine heutige Verlobte rettet ihm das Leben

Ende 2019 – der gelernte Versicherungskaufmann lebt zu der Zeit in Bremerhaven – steht er auf dem Balkon im zwölften Stock eines Wohnhauses. Er will springen, seinem Leben damit ein Ende setzen. Seine heutige Verlobte zieht ihn zurück. „Sie hat mir das Leben gerettet“, sagt Hasselmann bei einem Kaffee in seiner Rotenburger Wohnung. Er spricht auch jetzt ganz offen über seine Erkrankung, die mit dem Tod seiner Mutter im Sommer zuvor begonnen hat. Er sei in dieser Zeit sehr intensiv mit der Organisation des Oberbürgermeister-Wahlkampfes der CDU in Hannover beschäftigt gewesen. Die Trauer, den Verlust der Mutter – Hasselmann unterdrückt ihn. Er frisst das alles in sich hinein. Das hat Folgen: „Ich hatte es zunehmend mit einer Interessen- und Antriebslosigkeit zu tun.“ Dazu gesellten sich mehr und mehr Schlafstörungen. Man merke das zwar, „aber man weiß einfach nicht, was los ist“. Er unterdrückt das alles in dieser Zeit, und er macht weiter seinen Job. „Es geht schon, man will ja nicht doof dastehen“, erinnert sich Hasselmann.

Doch irgendwie wird alles zu viel, irgendwie geht es eben nicht mehr. Die emotionale Belastung wird immer größer. Das Fass läuft über. „Ich habe viel geweint, dann hatte ich in einer Nacht eine Panikattacke.“ Von da an verlässt er das Haus so gut wie gar nicht mehr. Es geht einfach nichts mehr. Und auch die Politik, in der er beruflich Fuß gefasst hatte, „ging mir am Allerwertesten vorbei.“ Anfang 2020 kommt die Erklärung für das alles, erhält er die Diagnose. Seine Depression soll er in Bremen behandeln lassen, doch er schafft es über Wochen nicht einmal, den erforderlichen Anruf zu tätigen, um einen Termin zu vereinbaren. Erst drei Monate später klappt zumindest das. Im Mai dann wird er aufgenommen.

Peter Tauber
Peter Tauber © Menker

Hasselmann erzählt, wie sich viele Freunde und Bekannte distanzieren. „In einer Phase, in der man sie eigentlich besonders braucht.“ Das und die Krankheit seien das Schlimmste gewesen, was er erlebt hat. Heute versichert er: „Ich bin froh, das Leben noch zu haben.“ Er blickt auf ein gemeinsames Foto mit seiner Verlobten. Sie sei sein „großer Schatz“.

Das Buch ist da - ein bewegender Moment

Frisch eingetroffen ist ein Karton mit zehn „Mutmacher“-Exemplaren. „Es war ein bewegender Moment.“ Er empfinde es als etwas Besonderes, Teil eines Projektes zu sein, sage sich aber auch: „Ich habe doch eigentlich nichts gemacht, ich habe nur erzählt.“ Doch Letzteres sei genau das, was Mut macht – findet Peter Tauber. Drei bis vier Stunden haben Hasselmann und er per Zoom über diese Geschichte gesprochen. Nun reichen die ersten zwei Sätze für einen „Flashback“, sagt Hasselmann. „Aber ich bin wirklich stolz, anderen damit vielleicht helfen zu können.“

Genau das nämlich hat er vor, ohne sich aufzudrängen. Wenn also seine Hilfe gefragt ist, sei er da. Beruflich mache er jetzt, was er eigentlich schon immer wollte: Er absolviert eine Umschulung zum Erzieher an der Elise-Averdieck-Schule. „Ich möchte etwas zurückgeben.“ Hasselmann selbst hat vom 14. Lebensjahr an seine Jugend in einem Heim verbracht. Die Zeit, in der er sein Geld in der Politik verdient, ist vorbei. Er will weiter Politik machen – ehrenamtlich. Seit einem Jahr grüßt er als Bezirksvorsitzender der Jungen Union.

Manchmal noch verspürt er Schübe, aber mittlerweile sei er therapielos, nehme nur noch gering dosierte Tabletten. Neu aber ordnet sich sein Leben. Mehr Zeit für sich, seine Verlobte, den Kater und die Natur. Zeit auch mal ohne Handy. Denn heute weiß er: „Es gibt einfach zu viele schöne Dinge im Leben.“

Peter Tauber kommt nach Rotenburg

Peter Tauber kommt am 10. Februar um 18.30 Uhr in den Heidejäger in Mulmshorn. Zusammen mit Dennis Hasselmann spricht er über das Buch „Mutmacher“. Keine klassische Lesung, wie Hasselmann sagt. An dem Abend sind auch der CDU-Landtagsabgeordnete Eike Holsten sowie der CDU-Kreisvorsitzende Marco Mohrmann dabei. Der Eintritt ist kostenlos; eine Anmeldung erforderlich – unter www.ju-elbe-weser.de.

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