Rotenburger Vereine und die Stadtverwaltung ziehen an einem Strang

Gespräche zur Innenstadt-Entwicklung

Erste Stadträtin Bernadette Nadermann und Bürgermeister Andreas Weber vor  einem Flipchart mit Ideen zur Stadtentwicklung.
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Ein Flipchart zeigt die vielen Ideen, die während der ersten Sitzung vor zwei Wochen zusammengetragen worden sind.

Rotenburg – Es ist eine überschaubare Runde, die sich am Mittwochabend in einer Zoom-Konferenz zusammenfindet, aber es sind „alle Player dabei“, merkt Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) an. Nämlich all jene, die ein Interesse an der Verschönerung der Innenstadt haben, die sie für die Menschen attraktiver gestalten möchten: Da ist die IG Citymarketing, aber auch der Verein für Touristik und Stadtwerbung (VTS) und die neue Arbeitsgemeinschaft „Gutes für die Goethestraße“ (AGG) sitzen mit am digitalen Runden Tisch.

Sie eint der Wunsch nach einem „Mehr“ für die Innenstadt. Sie wollen Qualität schaffen, aber auch in diesen Zeiten zeigen, dass sich etwas bewegt, damit die Menschen das Angebot wahrnehmen möchten. Gerade kleine Städte zeigen in Corona-Zeiten ihren Reiz, bummeln an frischer Luft und nicht in Einkaufszentren. Die Inzidenz im Landkreis Rotenburg ist gerade niedrig, was keine Garantie ist, aber die regionale Entscheidungsfreiheit ermöglicht, dass es einen Puffer gibt für den Einzelhandel derzeit. „Das ist jetzt auch eine Chance“, sagt Weber – eine, die man nutzen möchte. Dafür braucht es eine Info-Basis für alle, und die wird in dieser Runde geschaffen. „Damit alle an einem Strang ziehen.“ Gerade für die AGG ist es zudem wichtig, dass beim ganzen Diskussionsprozess die Goethestraße gleichberechtigt mit bedacht wird.

Hinter dem Verwaltungschef, der mit der Ersten Stadträtin Bernadette Nadermann in seinem Arbeitszimmer im Rathaus sitzt, steht dazu ein gut gefülltes Flipchart: Ideen, die die Gruppe bei ihrem ersten Treffen vor zwei Wochen zusammengetragen hat. Nicht alles ist umsetzbar oder ergibt Sinn, umgesetzt zu werden. So stehen die Händler der Einführung eines weiteren Kaufgutscheins vor Ort skeptisch gegenüber. Der Rotenburger Zehner hat sich etabliert, doch war die Idee entstanden, ob man einen zusätzlichen Gutschein entwickelt, der direkt für den Einzelhandel vor Ort ist – ohne Filialisten und Supermärkte. „Schwierig, ob das Konzept funktionieren würde“, zeigt sich Unternehmer Nils Hoffmann kritisch. Auch beim Thema Parkgebühren wolle man den Status quo mit der „Brötchentaste“ an den Parkscheinautomaten beibehalten – damit können Autofahrer die ersten 15 Minuten kostenlos parken. Diese Taste weiter zu bewerben, würde durchaus Sinn ergeben, ein komplett freies Parken schließen die Anwesenden aus – dann würden Dauerparker diese Plätze blockieren, die gewünschte Fluktuation in der Innenstadt fiele weg.

Die Zeit von bislang 15 Minuten zu erhöhen, sei auch nicht zielführend, schon jetzt würden manche ihre Parkscheine erneuern und wieder ins Auto legen, hat Joachim Witt vom VTS beobachtet. Eine Parkschein-Refinanzierung wird von den Geschäftsleuten ebenfalls skeptisch gesehen – teilweise werde es Kunden angeboten, aber kaum genutzt.

Blumenkübel für die Optik

Anderes wiederum ist bereits in der Umsetzungsphase: Getreu dem Motto „Rotenburg blüht auf“ baut der Bauhof derzeit Blumenkübel, sogenannte Oktagone, die an der Großen Straße sowie an der Goethestraße ihren Platz finden werden. Auch könnten analog zur Geranienbrücke mit ihren Blumenkästen am Geländer auf der anderen Seite an der Goethestraße ebenfalls solche Kästen angebracht werden – eine hübschere Optik, die bei allen auf Zustimmung stieß. Kommende Woche sollen die ersten zehn Kübel an der Goethestraße installiert werden. Bei Trockenheit könnten diese auch als Sitzgelegenheit genutzt werden.

Da die Kübel an der Großen Straße flacher sein sollen, mahnte Cornelia Gewiehs, Vorsitzende der IG, an, dass Hunde dort ihre Haufen hinterlassen könnten. Zwar gibt es Beutel an den Eingängen zur Fußgängerzone, doch sei das nicht genug. An der Goethestraße finden sich wiederum gar keine.

Ebenso müsse man die Filialisten bedenken, die sich erfahrungsgemäß an der Innenstadt-Optik mitunter weniger beteiligen. Die Kübel müssen gepflegt werden, die Verwaltung bittet daher die Gewerbetreibenden, da mit drauf zu achten. „Ungepflegte Kübel sehen nicht schön aus, dann erreicht man das Gegenteil“, so Gewiehs.

Unbürokratische und schnelle Lösungen

Es sind vor allem die unbürokratischen, schnell umsetzbaren Lösungen, die alle suchen – um zeitnah etwas zu bewegen. Ein Projekt sind Pappfiguren, hübschere Abstandshalter als die rot-weißen Flatterbänder, die bis Ostern auf den Bänken platziert werden. „Vielleicht erkennt man den ein oder anderen wieder“, so Weber. Straßenmusik könnte eine weitere Möglichkeit sein, Abwechslung zu bringen. So hat die Verwaltung Kontakt zur Kreismusikschule aufgenommen und angefragt, ob sie in der Fußgängerzone spielen würde. Natürlich nicht in großen Gruppen und ohne Gesang, aber hier und da ein wenig kleine, feine Musik.

Das Thema freies W-Lan soll weiter ausgebaut werden, da die Goethestraße bisher keines hat. Teilweise, wie den Stadtstreek entlang, ist auch die Netzqualität noch zu schlecht dafür. In dem Zuge könnte es mit digitalen Aktivitäten verbunden werden. Ein Gedankenspiel ist es, Push-Up-Nachrichten der entsprechenden Geschäfte aufploppen zu lassen, wenn man sich davor befindet.

Auch Sonntagsöffnungen kommen zur Sprache. Etwas, das sich, ebenso wie längere Abende, an der Goethestraße bisher nie gelohnt hat, sagt Cornelia Mansfeld von der AGG. Man müsste so etwas deutlich mehr für die gesamte Innenstadt bewerben dann. Und wenn, müssten sich genügend Geschäfte beteiligen, damit es sich lohnt, Werbung zu machen. Dafür würden sich die Gewerbetreibenden über Unterstützung der Stadt freuen. „Der Japp der Leute, das anzunehmen, ist sicher groß in dieser Zeit“, so Gewiehs. Die Stadt könne dabei gegebenenfalls finanziell etwas helfen, aber die Kosten keinesfalls in Gänze übernehmen, bremst Weber aber etwas aus.

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