Die Stadt Rotenburg hat seit mehr als 50 Jahren ein Goldenes Buch / Rund 100 Einträge

Ein geschichtliches Dokument

Inga Bäsmann und Andreas Weber präsentieren die erste Seite des Goldenen Buches, die die Mitarbeiterin der Stadt 2010 gestaltet hat. Es ist eine Seite zu Ehren von Judoka Dimitri Peters. - Fotos: Menker

Rotenburg - Es liegt überwiegend im Tresor. Nur zwei oder drei Mal im Jahr holt es Bürgermeister Andreas Weber (SPD) heraus. Immer dann nämlich, wenn besondere Anlässe mit besonderen Gästen anstehen. Das Goldene Buch der Kreisstadt – Weber spricht von einem geschichtlichen Dokument und erinnert an die Persönlichkeiten, die sich im Laufe der Jahrzehnte darin mit ihrer Unterschrift verewigt haben. Bundeskanzler, Minister, Ministerpräsidenten, Sportler und Künstler. Die Bandbreite ist groß.

„Seit Juni 1965 haben wir das Goldene Buch“, sagt Weber, während er darin blättert und sich vor allem auch über die Gestaltung der Seiten freut, die für jeden Eintrag ganz speziell vorbereitet wird. Viele Jahre lang hat das der inzwischen verstorbene Hans-Jürgen Malende gemacht, heute kümmern sich Inga Bäsmann und ihre Kollegin Vera Servatius darum. Rund 100 Einträge sind in den vergangenen 52 Jahren zusammengekommen. Das Buch ist gerade halb voll und wird daher auch für weitere 50 Jahre reichen.

Es sind viele Namen unter den Einträgen im Goldenen Buch, die ihre Spuren in der deutschen Geschichte hinterlassen haben. Willy Brandt etwa, Herbert Wehner, Ludwig Erhard oder auch Kurt Georg Kiesinger. Und auch Gerhard Schröder ist in dem Buch vertreten – und zwar gleich drei Mal. Zunächst als Ministerpräsident in Niedersachsen, dann 2003 als Bundeskanzler und vor wenigen Wochen erst als Alt-Kanzler. „Er ist damit Rekordhalter“, berichtet Weber. So oft wie er habe es noch kein anderer Gast in das Goldene Buch der Stadt Rotenburg geschafft. Zwei Mal ist allerdings auch der Rotenburger Judoka Dimitri Peters auf den „goldenen Seiten“ vertreten: Sein Eintrag von 2010 anlässlich seiner vierten Deutschen Meisterschaft war übrigens der erste, den Inga Bäsmann grafisch vorbereitet hatte. Zwei Jahre später nahm der Ausnahmesportler erneut im Rathaus den Stift zur Hand: im Rahmen eines Empfangs für ihn nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei Olympia 2012 in London. Neben Peters finden sich in dem schweren Buch mit den dicken Seiten noch weitere lokale Namen: Die Ehrenbürger Bernhard Haake und Hinrich Heineke sowie Friedrich Kuhle und Jürgen Jürgensen beispielsweise. Auch der Künstler Franz Veersemann hat sich eingetragen. „Wir nutzen das Buch auch bei besonderen Anlässen, wie Städtesportlertreffen, Feuerwehrjubiläen oder Bundeswehrveranstaltungen“, erklärt Weber.

Das Buch diene der Erinnerung, die auch den folgenden Generationen möglich sein soll. Weber: „Wir sind als Stadt sehr stolz darauf, dieses Buch schon so lange zu haben und zu pflegen.“ Er sehe es als seine Verpflichtung an, dieses Buch in Ehren zu halten. Nicht zuletzt damit wird es Inga Bäsmann und Vera Servatius nicht leicht gemacht, sich um die Gestaltung der Seiten zu kümmern. Fehler sollten sie nicht machen, denn einfach eine Seite herauszutrennen, sei nicht möglich. „Ich bereite den Eintrag am Computer vor“, erklärt Bäsmann die Vorgehensweise. Anschließend übertrage sie die Strukturen mit einer Blaupause auf die Seite. Danach dann kann mit den ausgewählten Farben den Feinschliff vornehmen und die Bilder dazu vervollständigen. „Aus meiner Sicht sind diese Seiten regelrechte Kunstwerke“, schwärmt Weber von der Gestaltung, die äußerst abwechslungsreich daherkommt. Eben diese Kunstwerke erhalten später die Krönung – und zwar per Unterschrift von prominenten Gästen.

Von Guido Menker

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