Ermittlungen laufen

Was geschah in Söhlingen? Anwohner erstatten Anzeige

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Derzeit ist noch unklar, was an der Bohrstelle Söhlingen Z5 geschah. ·

Rotenburg - Von Michael Krüger. „Ich bin kein Umweltaktivist“, sagt Denis Schimmeyer am Tag, als sein Telefon durchgehend klingelt, „sondern ich will die Ursachen meiner Krankheit finden.“

Mit seinen öffentlichen Äußerungen hat er die politische Debatte, was beim Abfackeln an den Erdgasbohrstellen Söhlingen Ost Z1 und Z5 freigesetzt wurde, in Gang gebracht. Die Behörden ermitteln, besorgte Bürger sind empört – und der verantwortliche Konzern „ExxonMobil“ wiegelt ab: alles reine Routinearbeiten.

Schimmeyer, der sich bei den Wittorfer Bürgern für Umwelt und Gesundheit (WUG) für die Aufklärung über die möglichen Gesundheitsrisiken der Erdgasförderung einsetzt, will sich mit den beruhigenden Worten staatlicher Stellen und der Zurückhaltung des Energieriesen nicht mehr abfinden. Er hat eine einstweilige Verfügung beantragt, will das Abfackeln an den Bohrstellen nicht mehr hinnehmen. Sein Vorwurf, der dazu geführt hat, dass sich Umweltministerium, Landesbergamt (LBEG) und Landkreis eingeschaltet haben: Mit rund zehn weiteren Bürgern habe er direkt in einem „Säure-Regen“ gestanden. Salzsäure sei bei Arbeiten an den Bohrstationen Z1 und Z5 freigesetzt worden. Und mittendrin hätten mit ihm rund zehn weitere Bürger gestanden, die sich in der Nähe der Bohrstellen aufhielten. Mehrere Anzeigen wegen Körperverletzung habe die Gruppe bereits erstattet. Die Ermittlungen liefen.

Das Landesbergamt, zuständig für die Überwachung der Erdgasbohrstellen, teilte gestern Abend in einer Pressenotiz lediglich mit, dass nach der Information durch das niedersächsische Wirtschaftsministerium am Montag unverzüglich „Untersuchungen mit einer Vor-Ort-Inspektion aufgenommen“ worden seien. Doch auch die Begehung am Mittwoch mit dem Landkreis und den betroffenen Bürgern habe keine klaren Hinweise gegeben: „Spuren der geschilderten Substanzen konnten vom LBEG-Mitarbeiter nicht festgestellt werden, allerdings wurden um die Bohrplätze herum größere Flächen mit geschädigten Pflanzen (Löcher in den Blättern) entdeckt. Welche Ursache die Pflanzenschäden haben, müssen weitere Untersuchungen ergeben, bei denen unter anderem Pflanzen- und Bodenproben untersucht werden. Außerdem überprüft das LBEG die mobile Fackelanlage, die inzwischen nicht mehr vor Ort ist“, so die Pressemitteilung der Behörde.

„ExxonMobil“ als Betreiber der Bohrstelle wollte sich gestern nicht zu Spekulationen äußern, wonach durch neue Abfackel-Methoden mit Wasserzufuhr der von den Bürgern wahrgenommene „Regen“ entstanden sein könnte. Pressesprecher Klaus Torp: „Wir haben planmäßig Arbeiten zur Optimierung der Förderung durchgeführt.“ Es seien beim gezielten Verbrennen des Gases keine Flüssigkeiten freigesetzt worden. Dennoch sei die Aufregung verständlich. „Wir nehmen Beschwerden immer ernst“, so Torp.

Neben zahlreichen Landtags- und Bundestagsabgeordneten, die gestern bei Schimmeyer anriefen, mischte sich im Laufe des Tages auch Landrat-Kandidat Hans-Peter Daub in die Diskussion ein. Er forderte in einer Presseerklärung, dass sich die Kreisverwaltung und der für die Gefahrenabwehr zuständige, amtierende Landrat persönlich für eine schnelle und umfassende Aufklärung einsetzen müssten. Dass diese – von welcher Seite auch immer – schon bald erfolgen muss, davon ist Schimmeyer überzeugt. In Söhlingen brenne es politisch nun richtig: „Aus dieser Nummer kommen sie nicht mehr so einfach raus.“

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