Geschäftsaufgaben in Rotenburg: Weber hofft auf Drogerie- und Supermarkt

„Der Konsument muss aufwachen“

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Auch diese Boutique am Neuen Markt schließt Ende des Monats.

Rotenburg - Von Inken Quebe. Denjenigen, die in der Vorweihnachtszeit in Rotenburg ihre Geschenke eingekauft haben, dürfte schon aufgefallen sein, dass sich einige Inhaber entschlossen haben, ihre Läden aufzugeben. Das Problem in der Innenstadt wird zunehmend deutlich: Das eine Geschäft schließt, und es kommt kaum ein neues langfristig dazu. Doch wie ist dem Trend entgegenzuwirken?

„Als ich mein Geschäft geöffnet habe, stand ich noch einer ganz anderen Stadtplanung gegenüber“, berichtet Annika Intelmann, Inhaberin von „Annika“ an der Großen Straße. Das ist im Februar zwei Jahre her und zum 1. Februar 2015 macht sie ihr Geschäft zu. Seitdem hat sich einiges verändert. Penny hat am Neuen Markt im Oktober 2013 geschlossen. „Dadurch ist meine Laufkundschaft zum großen Teil weggebrochen“, erklärt sie. Viele kämen gar nicht mehr bis zu ihrem Geschäft. „Außerdem fahren viele lieber zum Weserpark.“

Auch Sonja Kurfürst-Leue hat ihr Geschäft „Sonja – Große Mode“ (Goethestraße) zum 31. Dezember nach 48 Jahren aufgegeben ­- aus Altersgründen und mangels einer geeigneten Nachfolge. Aber auch sie hat einen Umsatzrückgang bemerkt und erkennt einen Trend: „Die privat geführten Geschäfte machen eines nach dem anderen dicht!“ Das sei aber nicht nur in Rotenburg zu spüren. Den Grund hat sie schnell ausgemacht: die vielen Online-Shops. „Die Kunden gehen lieber ins Internet, sie können vom Sofa aus mit ihrem Tablet bestellen und kostenlos zurückschicken.“ Das mache das Geschäft kaputt, stelle sie fest. Für sie stehen aber zwei weitere Dinge fest: „Die Mieten müssen runter! Und es müssen auch die Inhaber bei sich untereinander einkaufen.“

Uwe Meyer, Inhaber vom „Einrichtungskontor“ an der Goethestraße, findet ebenfalls, dass die Mieten in Rotenburg zu hoch sind. Er schließt sein Geschäft zwar nicht ganz, sondern bietet künftig nur noch einen Showroom an, um den Kunden Möbel vorzuführen. Ursprünglich hatte er einen Umzug an die Große Straße ins Auge gefasst. „Da sind aber die Mietvorstellungen viel zu hoch“, sagt er. Und auch er sieht einen großen Unterschied seit es Internethandel gibt und nimmt die Kunden in die Pflicht: „Der Konsument muss aufwachen und sich überlegen, was er will. Es passt nicht zusammen, sich auf der einen Seite über das wenige Angebot in der Innenstadt zu beschweren und gleichzeitig alles über das Internet zu bestellen.“

Cornelia Gewiehs von der IG City-Marketing sieht die Probleme nicht nur im stärker werdenden Onlinehandel: „Was die Attraktivitätssteigerung der Innenstadt angeht, ist sicher ein großes Problem, dass die Stadt seit mehr als 25 Jahren hier nicht mehr investiert hat und es auf absehbare Zeit wohl auch nicht tun wird, weil andere Aufgaben politisch dringlicher erscheinen.“ So entstünden zwar immer wieder neue Geschäfte und Etablierte investierten in Räume und Sortiment, aber am Zustand der Infrastruktur zum Beispiel der Pflasterung, der Bäume oder der Beleuchtung, „wo sich echte Auflösungserscheinungen zeigen“, ändere sich nichts – „jedenfalls nichts zum Positiven“. Gewiehs wünscht sich mehr Unterstützung von Seiten der Politik.

In die Arbeit von Bürgermeister Andreas Weber (SPD) setzt sie trotzdem erst einmal nicht allzu große Erwartungen, zu kurz sei er im Amt. „Er hat oft gesagt, dass ihm als echter Rotenburger die Innenstadt sehr am Herzen liegt. Wir sind sehr gespannt.“

Andreas Weber selbst hat schon Vorstellungen, wie die Innenstadt wieder mehr Kunden anzieht. „DM und Rewe werden sicher für Belebung sorgen“, sagt er. Wenn diese beiden Großbaustellen in diesem Jahr ihren Abschluss fänden, werde das die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt verbessern. Außerdem setzt er auf Dialog: Er will gemeinsam mit dem Verein für Touristik und Stadtwerbung (VTS) und der IG City-Marketing überlegen, was optimiert werden könne. „Im Frühjahr soll sich dafür auch ein Arbeitskreis Innenstadtentwicklung gründen.“

Ein Sorgenkind sei die Innenstadt trotz der aktuellen Entwicklung aber nicht: „Ich sehe da keine Tendenz. Das ist ein ganz normaler Prozess, dass Geschäfte mal schließen und dafür andere öffnen. Das darf aber nicht dazu führen, dass uns das beruhigt.“

Gewiehs knüpft ebenfalls Hoffnungen daran, dass Rewe und DM sowie gleichzeitig mehr Kunden nach Rotenburg kommen. „Dabei darf man aber nicht vergessen, dass gegenwärtig jeder dritte Kunde in der Innenstadt aus dem Umland kommt.“ Diese Konsumenten kämen wegen der individuellen Sortimente der Fachgeschäfte. Gewiehs: „Hier schmerzt jede Geschäftsaufgabe tatsächlich sehr, auch und gerade, wenn es sich um sehr kleine Läden handelt. Die Vielfalt macht eine Einkaufsstadt wirklich attraktiv.“

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