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Rotenburger wegen Bedrohung vor Gericht

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Von: Ulla Heyne

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Ein Rotenburger hat Mitarbeiterinnen des „Straßenfegers schikaniert.
Ein Rotenburger hat Mitarbeiterinnen des „Straßenfegers schikaniert. © Heyne

Eine Haftstrafe von sechs Monaten ohne Bewährung verhängte das Amtsgericht Rotenburg für Beleidigungen, Drohungen und Randale gegen einen einschlägig vorbestraften 50-jährigen Rotenburger.

Rotenburg – Einige zertrümmerte Gehwegplatten, eine Beleidigung und die Drohung: „Ich klatsche dir eine.“ Die Anklagen, die vor dem Rotenburger Amtsgericht verhandelt wurden, sollten sich nur als die Spitze des viel zitierten Eisbergs erweisen. Über Monate hinweg hatte ein einschlägig vorbestrafter Rotenburger unter Alkoholeinfluss die Mitarbeiterinnen der Lebensraum Diakonie-Anlaufstelle „Straßenfeger“ schikaniert.

Beleidigungen, Bedrohungen, ein Wurf mit dem Flachmann in Richtung einer ehrenamtlichen Tresen-Mitarbeiterin – zum Glück ob Alkoholeinfluss nicht sehr zielgerichtet: Nur ein kleiner Teil der Vorfälle in den vergangenen eineinhalb Jahren kommt an diesem Vormittag zur Anklage.

Zwei Polizeibeamte und Einlasskontrollen: Das ist nicht gerade Standardprozedere im Rotenburger Amtsgericht. Im Verlauf der Verhandlung wird der Gesetzeshüter, der hinter dem Angeklagten sitzt, auch einmal eingreifen müssen, als dieser agitiert aufspringt. Immer wieder mischt er sich ungefragt ein, die Ermahnungen der Richterin fruchten nicht.

Alkoholmissbrauch und seine Auswirkungen

Dabei sind die Randale um einige Gehwegplatten, die der Angeklagte im Juli 2021 aus Frust und im Zwist mit Mitbewohnern oder dem Hausmeister der Rotenburger Wohneinrichtung zertrümmert haben soll, nur ein kleiner Teil des Mosaiks um Alkoholmissbrauchs und seine Auswirkungen. „Es geht nicht um den Sachwert von 50 Euro“, stellt eine Zeugin klar, die nach den Randalen in der in ihre Obhut fallenden Einrichtung Strafanzeige erstattet hatte. „Sondern darum, diesem Tun Einhalt zu gebieten, eine klare Linie zu ziehen: Das geht so nicht.“

Sie war es auch, die vom 50-jährigen Arbeitslosen im November zunächst beleidigt und eine Woche später bedroht worden war. Ein Glück, dass eine zweite Mitarbeiterin hinzukam; der Angeklagte war in der Vergangenheit mehr als einmal tätlich geworden. „Ich kann nicht mehr“ – die Zeugin, eine im Leben stehende Mittvierzigerin, schildert sachlich und gefasst, aber eindringlich, was die Bedrohungen mit ihr machen – die Notizzettel, die ihr der Angeklagte über Monate trotz Näherungsverbot gemäß Gewaltschutzverordnung hat zukommen lassen, die Drohungen in dem sozialen Netzwerk Facebook. Mal anklagend („Ich habe wegen euch keine Tränen mehr“), mal beleidigend oder direkt drohend. Die Drohgebärden beim zufälligen Treffen im Supermarkt, nach dem sie sich ins Auto flüchtet. Im nüchternen Zustand sei er nett, hilfsbereit und zuvorkommend, geben mehrere Zeuginnen zu Protokoll, „aber das ist er ja leider selten“, konstatiert eine andere Zeugin.

„Ich sehe bei Ihrem Vorstrafenregister keine günstige Sozialprognose – die Rückfallzeiten werden immer geringer.

Fenna Meinke

Welche Vorfälle konkret vor Gericht verhandelt werden, hat sie zunächst Schwierigkeiten zu erinnern: „Es waren ja so viele.“ Verhandelt werden an diesem Tag nur drei – was die regelmäßigen Besuche des Angeklagten, die ständigen Verbalattacken und Bedrohungen des 37-fach-Vorbestraften nicht nur bei den zum Teil ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Anlaufstelle „Straßenfeger“ der Diakonie, sondern auch den Gästen, gerade durch Gewalt traumatisierten Frauen auslösen, ist nicht Gegenstand der Verhandlung.

Der Angeklagte wischt sich immer wieder die Augen – dass er einmal mehr einsitzen wird, rückt für ihn in greifbare Nähe. Am Ende folgt Richterin Fenna Meinke dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf sechs Monate Haft. Dem Antrag des ohne Verteidigers erschienenen Angeklagten auf Aussetzung auf Bewährung folgt sie nicht: „Ich sehe bei Ihrem Vorstrafenregister keine günstige Sozialprognose – die Rückfallzeiten werden immer geringer.“ Bei den Zeuginnen bleibt zunächst ein Aufatmen – mit einem Stattgeben der angekündigten Rechtsmittel rechnet niemand hier. Zumindest für ein halbes Jahr. „Dann geht es wahrscheinlich wieder los – und dann heftiger als vorher“, sagt eine und seufzt.

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