ZUKUNFT HEIMAT: Über die Chancen im Landkreis Rotenburg

Rotenburgs Kreisentwickler: „Man kann optimistisch sein“

Man kann die vielen Daten und Statistiken über den Landkreis drehen und wenden, wie man will. Klar ist aber wohl: Die Lebensqualität hier vor Ort ist vergleichsweise hoch.
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Man kann die vielen Daten und Statistiken über den Landkreis drehen und wenden, wie man will. Klar ist aber wohl: Die Lebensqualität hier vor Ort ist vergleichsweise hoch.

Gerd Hachmöller, Leiter der Stabsstelle Kreisentwicklung, befasst sich als Wirtschaftsgeograf mit der Perspektive des Wohnens und Lebens vor Ort. 164 486 Einwohner hatte der Landkreis Ende 2020, 3 000 mehr als 20 Jahre zuvor. Je mehr sich die Menschen aussuchen können, wo sie arbeiten, je mehr Infrastruktur brauche es, von einer vernünftigen Internet-Anbindung bis zur Schule für den Nachwuchs.

Rotenburg – Man klagt ja gerne. Das ist auch im Landkreis Rotenburg nicht anders. Zu laut, zu groß, zu klein, zu langweilig, zu voll, zu weit weg, zu wenig von diesem oder jenem. Irgendwas ist immer. „Ja, es gibt Baustellen“, sagt Gerd Hachmöller. „Aber vieles ist Klagen auf hohem Niveau.“

Hachmöller leitet die Stabsstelle Kreisentwicklung in der Kreisverwaltung. Wenn man also genauer wissen will, wie man hier vor Ort leben kann, wenn man Zahlen braucht und Perspektiven diskutieren möchte, wohin es gehen könnte: Dann ist der 49-Jährige genau der richtige Ansprechpartner. Der gebürtige Celler ist Wirtschaftsgeograf, was in etwa als Wissenschaft der Wirtschaftsräume unseres Planeten beschrieben werden kann. Er ist aber auch Vater dreier Kinder, lebt mit der Familie seit vielen Jahren in Rotenburg und schreibt mit dem gebürtigen Syrer Samer Tannous erfolgreich Spiegel-Kolumnen über das Leben in der (neuen) Heimat. Also, wie leben wir hier? „Die Rahmenbedingungen fürs Leben und Wohnen sind bei uns extrem gut“, sagt Hachmöller. Das bedeute aber nicht, dass seine Dienststelle eigentlich überflüssig ist, wirft er ein.

Die Stabsstelle Kreisentwicklung ist anders als die klassischen Ämter in der Verwaltung inhaltlich und auch oft politisch gesehen direkter beim Landrat angedockt, hier sind die Dienstwege etwas kürzer, es werden Querschnittsfunktionen wahrgenommen. Von der Pressearbeit bis zur Ehrenamtskoordination, von der Wirtschaftsförderung bis zur Regionalplanung: Die Stabsstelle wirkt vernetzend zwischen den Fachabteilungen und greift aktuelle Themen auf. Zwölf Kollegen sind dort beschäftigt, im kommenden Jahr werden es mehr: Soziale Medien, Mobilfunkausbau, Wirtschaftsförderung, Endlagersuche, Klimaschutz – der Personalbedarf ist groß. Aber nicht unbedingt, weil es so viele Missstände zu beseitigen gibt für die Kreisentwicklung, sondern weil es gute Perspektiven für die Region gibt, für die die entsprechenden Weichen gestellt werden müssen.

Gerd Hachmöller, Leiter Stabsstelle Kreisentwicklung, sagt: „Wir werden älter. Wir werden bunter. Wir werden nachhaltiger. Was aber bei uns nicht gilt: Wir werden weniger.“

Grundsätzlich seien viele Tendenzen nicht ganz anders als im Bundesgebiet, sagt Hachmöller. „Wir werden älter. Wir werden bunter. Wir werden nachhaltiger.“ Für den Landkreis gelte aber nicht, was in andere Regionen den Planern Kopfzerbrechen bereitet: „Wir werden nicht weniger.“ 164 486 Einwohner hatte der Landkreis Ende 2020, 3 000 mehr als 20 Jahre zuvor. Das Plus stammt aus der Zuwanderung, auch wird der Landkreis nicht zuletzt durch die Pandemie und die zunehmende Digitalisierung für die immer interessanter, die bis vor Kurzem noch dachten, in der Stadt leben zu müssen. Besonders dort, wo die Verkehrsanbindung durch Autobahn und Bahnstrecke nahezu ideal ist, wachsen die Kommunen: Sittensen, Scheeßel, Rotenburg, Sottrum.

Und je mehr sich die Menschen aussuchen können, wo sie arbeiten, je mehr Infrastruktur braucht es, von einer vernünftigen Internet-Anbindung bis zur Schule für den Nachwuchs. Eine Herausforderung, aber mit unterschiedlichen lokalen Voraussetzungen: „Am Nord- und Südende schrumpft der Landkreis“, verdeutlicht Hachmöller – Visselhövede und die Geestequelle haben es schwer. Insgesamt gesehen sei der Kreis in einer Gesellschaft, die deutlich älter werde und in vielen gerade ländlichen Gebieten mit sinkenden Bevölkerungszahlen zu kämpfen habe, demografisch gesehen so etwas wie „der Einäugige unter den Blinden“. Die Kreisentwicklung fange nicht bei Null an. Auch gebe es ein „recht intaktes soziales Miteinander“. Dass die Rotenburger Kreiszeitung Anfang Dezember über zwei bis drei Obdachlose in der Kreisstadt berichte, sei richtig, verdeutliche aber: Die Region ist weit entfernt von Zuständen wie selbst in den benachbarten Großstädten.

Die eine große „Vision“ gebe es auch unter dem neuen, jungen Landrat Marco Prietz (CDU) nicht, in deren Richtung sich der Kreis entwickeln müsse. Vielmehr gehe es um eine Vielzahl an Punkten. Der Landkreis sei breit aufgestellt zum Beispiel in wirtschaftlicher Hinsicht, habe sich in den Krisen zuletzt als sehr widerstandsfähig gezeigt. Der Wirtschaftsgeograf drückt das dann so aus: „Wir haben eine hohe Resilienz.“

Das werde hoffentlich bei den nächsten großen Herausforderungen so bleiben. Die Afrikanische Schweinepest könnte eine werden, Corona bleibe es. Digitalisierung sei in allen Bereichen der „Megatrend“, im Kreishaus arbeite man an einem Wohnraumversorgungskonzept. Und dann werde die Region eine ganz zentrale Rolle beim Klimawandel spielen. Denn hier gebe es die Flächen, die als Standorte für Windkraft- und Solaranlagen gebraucht werden. Mit all den dazugehörigen Herausforderungen und Problemen. Bange ist Hachmöller dabei nicht: „Mit Blick auf die Herausforderungen, die auf uns zukommen, können wir optimistisch sein.“

Der Landkreis in Zahlen

  • 1 031 Menschen waren Ende 2020 in der Kreisverwaltung beschäftigt;
  • der Landkreis ist 2 074,78 Quadratkilometer groß – etwas größer als Teneriffa;
  • 66 Prozent der Kreisfläche werden landwirtschaftlich genutzt;
  • Gebäude und Freiflächen nehmen etwa sieben Prozent ein, Wald knapp 16 Prozent;
  • die bevölkerungsreichste, größte und wirtschaftsstärkste Kommune ist die Samtgemeinde Zeven;
  • 58 278 sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer;
  • in den 1 656 landwirtschaftlichen Betrieben werden 1,9 Millionen Geflügel-Tiere gehalten, 480 000 Schweine, 158 000 Kühe und 5 900 Schafe;
  • rund 20 000 Schüler besuchen die 63 Schulen im Kreis;
  • die Zahl der Geburten lag 2019 bei 1 475;

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