Geplanter Erlass sieht ein Drittel der Fläche als möglichen Standort an

Windkraft braucht mehr Platz im Landkreis

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44 Prozent der eingespeisten Strommenge im Landkreis stammt bereits aus Windkraft.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Über zu viel Spargel haben sich die Genießer im Landkreis wohl selten beschwert. Trotzdem ist die „Verspargelung“ ein offenkundiges Problem – in Form der zunehmenden Ansiedlung von Windenergie-Anlagen. Der Landkreis will die Vorranggebiete für die Ansiedlung der Windräder verdoppeln. Geht es nach den Vorgaben des Landes, könnte gar bis zu einem Drittel der gesamten Kreisfläche als potenzieller Standort für die Mühlen in Frage kommen – das geht aus dem aktuellen Planungsstand für einen Runderlass hervor.

Dass die Energiewende weg von der Atomkraft nicht ganz problemlos verlaufen wird, dürfte in Niedersachsen kein Geheimnis mehr sein. Egal, ob es um die„SuedLink“-Stromtrasse, um Erdgas-Förderung, um den Boom von Biogas-Anlagen oder auch um Windkraft geht: Alternativen müssen her, aber für viele möglichst eben nicht vor der eigenen Haustür. Im Landkreis Rotenburg liefern aktuell 161 Windkraft-Anlagen 44 Prozent der eingespeisten Bio-Energie, die 140 Biogas-Anlagen liefern 52 Prozent, vier Prozent entfallen auf Photovoltaik. „Die Bewerber stehen Schlange“, sagt Regionalplanerin Ulrike Jungemann von der Stabsstelle Kreisentwicklung. Im 2005 aufgestellten Regionalen Raumordnungsprogramm wurden seinerzeit 16 Vorrangstandorte für Windenergie festgelegt, bis auf kleine Flächen in Sandbostel und Weertzen/Langerfelde sind alle belegt. Die Größe der Vorrangfläche soll nun von 0,51 auf ein Prozent der Kreisfläche verdoppelt werden. Das sehen die Pläne für das neue regionale Raumordnungsprogramm vor, die Ende des Jahres der Politik vorgelegt werden sollen. Damit könne die Leistung dank verbesserter Technik verdrei- oder sogar vervierfacht werden, so Jungemann.

Doch Planungen der rot-grünen Landesregierung gehen über die hiesigen Vorhaben noch weit hinaus. Der Entwurf für einen Runderlass des Landes zur „Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen“, der in seiner Version vom 21. Juli der Redaktion vorliegt, sieht für den Landkreis eine Potenzialfläche von mehr als 650 Quadratkilometern für Windkraftanlagen vor.

Das bedeutet: Abzüglich sogenannter harter Tabuzonen wie Wohnbebauung, Naturschutzzonen und „nicht vorbelastetem“ Wald kommt nach Berechnungen des Umweltministeriums mehr als ein Drittel der Kreisfläche als Standort für Windräder in Frage. Der Expertenkreis, der den Erlass derzeit ausarbeitet und dem vornehmlich Industrielobbyisten angehören sollen, gibt als Ziel vor, acht Prozent dieser Potenzialfläche als Vorranggebiete für Windkraft auszuweisen. Dafür seien dann die Behörden vor Ort zuständig. Für den Landkreis bedeutet das: 52,6 Quadratkilometer, 2,54 Prozent der Gesamtfläche des Landkreises. Also ein noch einmal eineinhalb mal so großes Gebiet wie derzeit vom Landkreis angepeilt – und niedersachsenweit eindeutig die größte Fläche für mögliche Vorranggebiete.

Die Regionalplanerin sieht diesen Überlegungen des Landes allerdings gelassen entgegen: „Solch ein Erlass für Raumordnung ist für uns nicht bindend.“ Allenfalls diene dieser als Orientierungshilfe. Wobei der Landkreis auch gute Argumente vorweisen müsse, wenn er von solchen Vorgaben aus Hannover abweiche. Die bisherigen Berechnungen des Landes seien aus ihrer Sicht aber nur modellhaft. Hier vor Ort müsse bewertet und entschieden werden. Und da werde sich der Landkreis mit seinen Kommunen an die politischen Vorgaben halten. „Wir planen eine sinnvolle Ansiedlung der Windenergie“, verspricht Jungemann. „Es wird keine Verspargelung geben.“

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