Gemeinschaftsanbau von Erzeuger und Verbraucher

Gemüse zum Start: Hof Grafel plant „SoLawi“

Im kurzen Kreislauf vom Feld zum Verbraucher – diesen Vorteil sieht Martin Lenzinger in einer „SoLawi“.
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Im kurzen Kreislauf vom Feld zum Verbraucher – diesen Vorteil sieht Martin Lenzinger in einer „SoLawi“.

Zu viele Lebensmittel werden heutzutage unnötig produziert und landen im Müll. Kathrin Peters und Martin Lenzinger vom Hof Grafel bauen jetzt eine Solidarische Landwirtschaft, eine „SoLawi“, auf – eine Gemeinschaft, in der Erzeuger und Verbraucher gemeinsam bedarfsgerecht planen, anbauen und sich die Ernte teilen.

Rotenburg – Der Herbst ist da, und damit nähert sich die Erntezeit ihrem Ende. Doch noch wächst das ein oder andere auf dem Feld. Martin Lenzinger guckt zu seinen Salatköpfen, wirft danach einen Blick in ein Gewächshaus, in dem noch gelber, grüner und roter Paprika zwischen den Blättern leuchten. Einiges von dem Ertrag landet im eigenen Hofladen, anderes wandert zum „Unverpackt“-Laden. Doch Lenzinger und seine Freundin Kathrin Peters, die im vergangenen Jahr Hof Grafel übernommen hat, haben schon lange eine weitere Idee, die sie jetzt in die Tat umsetzen: Mithilfe einer solidarischen Landwirtschaft, einer „SoLawi“, soll das Gemüse künftig im kurzen Kreislauf direkt beim Konsumenten landen.

Die Idee hinter einer „SoLawi“ ist einfach: Dabei findet sich eine Gemeinschaft aus Anbauenden und Verbrauchern zusammen, die sich nicht nur die Ernte, sondern auch den ganzen Prozess dorthin teilen: die Verantwortung, die Kosten und damit auch das Risiko. Dafür erhalten sie saisonale Produkte, können mit entscheiden, was in welchen Mengen angepflanzt werden soll. Das Konzept kannte der gelernte Landwirt schon lange, richtige Erfahrungen damit hat er vor einigen Jahren in Finnland gesammelt, wo er anderthalb Jahre als Leiter einer Gärtnerei in einem Öko-Dorf gearbeitet hatte.

Mehr Nachhaltigkeit beim Anbau

Eine „SoLawi“ bietet zum einen den Vorteil, dass die Landwirte bedarfsgerecht planen können und nicht unnötig produzieren. Zum anderen ist das Prinzip nachhaltig, es gibt nur kurze Transportwege, und die Ernte landet frisch direkt auf dem Teller. Die Idee verbreitet sich immer mehr, weiß Lenzinger. „Und wir geben dabei auch Lebensmittel raus, die erst gar nicht im Handel landen würden“, sagt Lenzinger und denkt beispielsweise an krumme Gurken oder Möhren.

Gleichzeitig findet durch den direkten Kontakt Wissensvermittlung statt. „Wer mitmacht, lernt, welches Gemüse und Obst gerade Saison hat und wie was am besten wächst“, meint Lenzinger. Dadurch erhofft er sich auch einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln im Alltag – und weniger Verschwendung. Denn hinter dem Anbau steckt Arbeit, und die wird den Verbrauchern in einer „SoLawi“ auch näher gebracht. „Das Bild vieler von der Landwirtschaft ist verklärt.“

Viele Landwirte kämpfen mit fehlender finanzieller Sicherheit, die in einer „SoLawi“ laut Lenzinger gegeben ist – weil sich die Menschen für eine gewisse Zeit verpflichten, alle Schritte vom Saatgut bis zum fertigen Produkt unmittelbar verfolgen und an den Kosten beteiligt sind. Im Vorfeld wird gemeinsam geklärt, was wann angebaut werden soll und welche Wünsche bei den Konsumenten bestehen. Daraus entsteht ein Kostenplan, und bereits im Dezember will Lenzinger unter anderem Saatgut und Jungpflanzen für das kommende Jahr ordern.

Weitere Infos und Führung

Eine Gärtnereiführung mit Gemüseverkostung und Informationen zur „SoLawi“ ist für Samstag, 9. Oktober, ab 15 Uhr geplant. Eine Infoveranstaltung mit genauerer Planung zum Start gibt es am 27. Oktober ab 19 Uhr. Beide Male ist der Treffpunkt der Hofladen. Kontakt ist auch möglich per Telefon (0157/ 73853509) oder E-Mail (solawi@hof-grafel.de).

Peters und er werden die „SoLawi“ zunächst mit Gemüse starten. Die Grundlage dafür ist durch den bereits seit Jahren stattfindenden Gemüseanbau gegeben, etwa 40 Kulturen sind es derzeit. Perspektivisch sind auch Obst und weitere Produkte denkbar. Wenn die Teilnehmer möchten, sind sie am gesamten Prozess beteiligt: Sie können beim Anpflanzen und Ernten mit anpacken.

Aktuell haben sich etwa 40 Interessenten gemeldet, von denen ein paar fest zugesagt haben. Die Mitglieder können selbst über das Modell entscheiden und die Kosten gleichmäßig verteilen, oder Teilnehmer mit höherem Einkommen zahlen einen größeren Beitrag, um Familien oder Einzelpersonen mit geringerem Einkommen die Teilnahme zu ermöglichen.

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