Gemeinsam gegen Gülle

Landvolk und Wasserverband wollen Wasser besser schützen

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Mit einem Schleppschuhverteiler wird Gülle auf einem Feld verteilt. Ein gewohntes Bild in der Region – mit entsprechenden Folgen für das Grundwasser.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Der Landkreis hat ein Problem. Das ist nicht erst seit der Überarbeitung der Düngeverordnung bekannt, wird jetzt aber umso deutlicher. Zu viel Dünger, zu viel Gülle, zu viel Pestizide: Das Grund- und möglicherweise auch bald das Trinkwasser sind bedroht.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft warnt bundesweit vor Problemen bei der Trinkwasseraufbereitung und steigenden Preisen. Landwirte und Wasserversorger der Region halten dagegen: So ernst die Lage ist, es werde gemeinsam viel getan, um gegenzusteuern.

„Ja, wir haben ein Nitratproblem.“ Volker Meyer, Geschäftsführer des Wasserversorgungsverbandes Rotenburg-Land, treibt die Sorge um, ob sich die 55.000 Einwohner im Einzugsbereich auch künftig bedenkenlos an ihren Wasserhähnen bedienen können. Aus drei großen Wasserschutzgebieten über der Rotenburger Rinne fördert sein Verband Wasser. 7 000 Hektar Schutzgebiet, davon 4 600 landwirtschaftlich genutzt.

Problem seit 2014 bekannt

Im März 2014 wurde das Problem fassbar. Im Kreistag-Umweltausschuss stellte der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) Daten vor. Nach diesen wiesen mehr als 45 Prozent der 70 Grundwassermessstellen im Landkreis erhöhte Nitratwerte auf. Von 47 regelmäßig überprüften Gütemessstellen weisen 21 erhöhte Werte auf. 

Schon vor drei Jahren hieß es, Untersuchungen hätten ergeben, dass das oberflächennahe Grundwasser im Kreis flächendeckend mit Nitrat belastet sei. Auch Pflanzenschutzmittel oder deren Rückstände seien gefunden worden. Diese Belastungen der Gewässer seien insbesondere auf die landwirtschaftliche Nutzung zurückzuführen. Die Grundwasseruntersuchungen seit 2007 zeigten keine wesentlichen Veränderungen.

Landvolk-Chef Jörn Ehlers

Dass auch die Rotenburger Rinne betroffen sein könne, wurde von den NLWKN-Experten nicht ausgeschlossen – allerdings sei sie von Deckschichten überlagert und dadurch vor Belastungen weitgehend geschützt. Bei einem sofortigen Stopp der Nitrat-Eintragungen bräuchte das Grundwasser rund 20 Jahre, um wieder „einen guten Zustand“ zu erlangen.

Relative Sicherheit zu wenig

Auf die relative Sicherheit durch das tiefe Reservoir der Rotenburger Rinne will sich Wasserversorger Meyer nicht verlassen. „Wir sorgen vor“, sagt er und hat dabei jemanden an der Seite, dessen Branche spätestens mit den neuen Richtwerten der seit Juni geltenden Düngeverordnung mächtig unter Druck steht: Jörn Ehlers, Chef des Landvolk-Kreisverbandes Rotenburg-Verden und Vizepräsident des Bauernverbandes in Niedersachsen. Auch er sagt: „Wir nehmen die Probleme der Wasserversorger wahr.“ Allerdings wisse man durch den engen Kontakt in der Region auch, welchen Zwängen die Landwirte unterliegen.

Auf 60 Prozent der Ackerfläche im Landkreis steht Mais. „Wir haben leider eine sehr einseitige Ackerbauausrichtung auf Biogas und Milchviehhaltung“, sagt Landwirt Ehlers. Das führe dazu, dass oftmals ähnliche Präparate eingesetzt würden. Einfache Lösungen wie der Ruf, den Einsatz von Glyphosat durch mechanische Unkrautbekämpfung zu ersetzen, griffen zu kurz: „Ist die Öko-Bilanz dann so viel besser? Wie viel Diesel wird verfahren?“, fragt Ehlers.

Auf Kooperation setzen 

Statt auf Konfrontation setzen der Wasserversorger und das Landvolk auf Kooperationen auf regionaler Ebene. So hätten sich in den vergangenen rund zehn Jahren 72 der 176 Landwirte in den drei Wasserschutzgebieten mit ihrer Ackerfläche von rund 1 800 Hektar dazu bereit erklärt, Alternativen zur intensiven Düngung und zur Brache zu testen: Untersaaten, Zwischenfrüchte, Grünlandpflege. 

Mehr als 110.000 Euro hat der Wasserversorgungsverband dafür aus dem „Wassergroschen“ investiert. Zudem bietet die Landberatung kostenlose Hilfe zur Durchführung einer schonenden Wirtschaftsweise an – ein Fördervolumen von rund 140.000 Euro, so Meyer. Auch der Landkreis hat das Problem erkannt und hat nach Störfällen an Biogasanlagen in Rockstedt und Jeersdorf Musterprojekte angestoßen, um die Nitratbelastungen in den Griff zu bekommen.

Kleine Fortschritte in den Betrieben

Doch auch wenn in einzelnen Bereichen kleine Fortschritte erzielt werden, die neue Düngeverordnung hat den Landkreis auf den Nährstoffkarten des Landes tiefrot verankert. Der Grund: Erstmals werden auch die Gärreste der rund 180 Biogasanlagen im Landkreis berücksichtigt, und der „Gülletourismus“ vor allem aus den Niederlanden boomt. Das stört auch Landvolk-Chef Ehlers: „Das ist nicht förderlich, weil wir eigentlich schon voll sind.“ 

Man müsse dafür sorgen, dass der Kreislauf klein bleibt – der Import müsse gestoppt werden. Nach dem neuen Düngerecht bräuchte der Landkreis mehrere hundert Hektar Ackerfläche mehr, um die Menge an Stickstoff verträglich aufzunehmen, und mehrere tausend zusätzlich für Phosphor. Selbst wenn das Trinkwasser der viel gepriesenen Rotenburger Rinne absolut sauber ist, sagt deswegen auch der Bauernvertreter: „Wir müssen was machen.“

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